Possible Love Netflix Streamen online Video on Demand
© Joo Jae-bum/Netflix

Possible Love

„Possible Love“ // Deutschland-Start: 22. Oktober 2026 (Kino) // 6. November 2026 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Zwei Jahre ist es her, dass Ho-seok (Sul Kyung-gu) seinen Job als Schweißer verloren hat. Seither neigt er zum Alkohol, auch weil seinerzeit bei der gewaltsamen Beendung eines Streiks in seiner Firma mehrere Menschen ums Leben gekommen sind. Als er betrunken an der Beerdigung eines früheren Kollegen teilnimmt, der Suizid begangen hat, gerät er mit seiner Frau Mi-ok (Jeon Do-yeon) aneinander. Dabei wird auch die Regisseurin Ye-ji (Cho Yeo-jeong), die mit dem vermögenden Sang-woo (Zo In-sung) verheiratet ist, auf die beiden aufmerksam. Schnell fasst sie den Plan, einen Dokumentarfilm über die beiden und ihre Lebensgeschichte zu drehen. Während Mi-ok durchaus von dem Gedanken angetan ist, will Ho-seok davon zunächst nichts wissen, lässt sich dann aber doch darauf ein …

Sehenswertes Comeback

Wer interessante Werke aus Südkorea sehen möchte, für den oder die führt aktuell kaum ein Weg an Netflix vorbei. Vor allem im Serienbereich packt der Streamingdienst regelmäßig Sehenswertes aus. So war Dead-End Job kürzlich eine originelle Abrechnung mit dem Kapitalismus, wenn ein hoffnungslos verschuldeter Mann bei dem Aushilfsjob in einem Minimarkt sein Leben aufs Spiel setzt. Auch der Thriller Mousetrap über einen Schriftsteller, dessen Identität gestohlen wurde, und die historische Dämonenjagd in The East Palace waren lohnenswerte Neuzugänge im Sortiment. Mit Possible Love gesellt sich nun ein Film dazu, der sogar noch besser geworden ist. Nicht wenige würden sogar sagen, dass das Drama einer der besten Filme des aktuellen Jahres ist – egal ob im Kino oder in den heimischen vier Wänden.

Das ist an und für sich keine Überraschung, handelt es sich doch um das neueste Werk von Chang-dong Lee. Dessen Filmografie mag überschaubar sein, auch weil der Südkoreaner immer viele Jahre braucht für ein neues Werk. Dafür zählt er aber auch zumindest in Arthouse-Kreisen zu den besten Regisseuren seines Landes. Zuletzt hatte er 2018 mit Burning einen eigenen Mix aus Mystery, Thriller, Romanze und Gesellschaftsporträt vorgelegt, der sich um eine Dreiecksbeziehung drehte. Bei Possible Love sind es nun sogar vier Personen. Und auch wenn das hier im Hinblick auf das Genre deutlich klarer umrandet ist, wir es in erster Linie mit einem Drama zu tun haben, ist auch der neueste Streich des Filmemachers vollgepackt mit Inhalten, über die man nachdenken und sprechen kann, während wir immer tiefer in die Lebensgeschichten des Quartetts eintauchen.

Vielschichtig und bitter

Am naheliegendsten wäre es, sich mit dem Thema Beziehung zu befassen, allein schon des Titels wegen. Tatsächlich kommt es auch zu amourösen Verwicklungen, wenn sich die beiden Paare annähern, mehr und mehr Zeit miteinander verbringen und dabei auch ein wenig geflirtet wird. Diese Untreue innerhalb der Ehen ist dabei ein Spiegel für das Thema Beruf. Denn auch dort ist das mit der Loyalität so eine Sache. So fühlt sich Ho-seok von seinen Kollegen verraten, wenn Solidarität doch zu schwanken beginnt, wenn es um Geld geht. Überhaupt spielt bei Possible Love Geld eine große Rolle. Denn auch wenn die beiden Paare sich an und für sich gut verstehen, wird doch von Anfang klar, dass sie aus unterschiedlichen Welten kommen und diese Klassenunterschiede nur schwer überwunden werden können.

Das macht das Drama, das 2026 im Wettbewerb von Venedig Weltpremiere feierte und dort den Großen Preis der Jury erhielt, zu einem ziemlich bitteren Film. Denn auch wenn das viel von Gemeinschaft die Rede ist und davon, einander zu unterstützen, so richtig drauf verlassen sollte man sich wohl nicht. Was bei Possible Love ein wenig kurz kommt, ist der Aspekt Film an sich. Zwar wird Ye-ji an mehreren Stellen als übergriffig gezeigt, wenn sie das Leben des Paares in erster Linie als potenziellen Stoff ansieht. Aber es kommt zu keiner grundsätzlichen Auseinandersetzung, inwieweit solche Dokumentationen immer ausbeuterisch sind oder nicht. Aber mit der rund 160 Minuten dauernden Laufzeit ist da auch so mehr als genug, womit man sich beschäftigen kann.

Credits

OT: „Ganeunghan sarang“
Land: Südkorea
Jahr: 2026
Regie: Chang-dong Lee
Drehbuch: Chang-dong Lee
Musik: Jae-il Jung
Kamera: Ji-yong Kim
Besetzung: Do-yeon Jeon, Kyung-gu Sul, In-sung Zo, Yeo-jeong Cho

Bilder

Trailer

Interview

Ihr wollt mehr über den Film erfahren? Wir hatten die Gelegenheit, uns mit Regisseur Chang-dong Lee zu unterhalten. Im Interview zu Possible Love spricht er über die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich, seine eigene Identifikation mit Yeji und die Frage, welche Verantwortung Filmemacher gegenüber den Menschen tragen, deren Geschichten sie erzählen.

Chang-dong Lee [Interview]

Weitere Netflix Titel

Ihr seid mit Possible Love durch und braucht Nachschub? Dann haben wir vielleicht etwas für euch. In unserem Netflix-Themenbereich sind Hunderte von Original-Produktionen gelistet, unterteilt nach Spielfilm, Serie, Doku und Comedy. Unten findet ihr alle Netflix-Titel, die wir auf unserer Seite besprochen haben.

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Possible Love
fazit
In „Possible Love“ nähern sich im Rahmen eines Dokumentarfilms zwei Paare einander an, die aus unterschiedlichen Welten kommen. Das Drama befasst sich damit mit einer ganzen Reihe von Themen, darunter zwischenmenschliche, aber auch gesellschaftliche. Das ist unbedingt sehenswert, selbst wenn aus dem Filmaspekt noch mehr hätte gemacht werden können.
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