Kritik

Vetala

„Vetala – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 24. Mai 2020 (Netflix)

Eigentlich wollten Mudhalvan (Jitendra Joshi) und seine Männer nur den alten Tunnel ausgraben, der seit Ewigkeiten schon verschüttet ist – schließlich ist das sein Auftrag. Doch dabei stößt er auf unerwarteten Widerstand, will die lokale Bevölkerung doch nichts von einer Wiedereröffnung wissen. Die Warnungen, dass etwas Böses darin vor sich geht, werden ignoriert, alles reiner Aberglaube. Da sich die Einheimischen aber nicht ohne Weiteres davon abhalten lassen, wird die von Kommandant Tyagi (Suchitra Pillai) geleitete Baaz Squad hinzugeholt, zu der unter anderem Sirohi (Vineet Kumar Singh) und Ahluwalia (Aahana Kumra) gehören, und die den Bauarbeitern helfen sollen – eine Entscheidung, die sie bald alle bereuen werden …

In den letzten Jahren hat Netflix eine ganze Reihe indischer Produktionen ins Programm aufgenommen. Darunter waren neben zahlreichen Liebeskomödien auffallend viele Genretitel, die man so nicht mit dem Vielvölkerstaat in Verbindung bringen würde. Die bekannteste war sicherlich die Thrillerserie Der Pate von Bombay, aber auch Fans von Science-Fiction (Leila) und vor allem Horror (Ghul) wurden dabei bedient. Die Qualität schwankte dabei mitunter recht stark. Aber auch wenn so manches Werk nicht wirklich rund war und den Ansprüchen eines hiesigen Publikums nicht genügt, als Alternative ist das oft schon irgendwie interessant, gerade auch wenn folkloristische und gesellschaftliche Aspekte eingebaut werden.

Ein fast bekanntes Monster
Das gilt dann auch für Vetala, alternativ unter dem Titel Betaal bekannt, das neueste Mitglied der ständig wachsenden Schauergemeinde auf Netflix. Die Serie wird oft als Zombieserie angepriesen, was aber eher der leichteren Vermarktbarkeit geschuldet sein dürfte. Denn selbst wenn manche Eigenschaften der Kreaturen, denen die Protagonisten in der Dunkelheit begegnen, durchaus denen der menschenmampfenden Untoten gleichen, wirklich gleichzusetzen ist das nicht – allein schon wegen des religiösen Hintergrunds, handelt es sich bei Betaal doch um eine heidnische Gottheit oder auch einen Dämon. Auf jeden Fall jemanden, dem man nicht zu nahe kommen sollte.

Das tun die Leute hier jedoch. Wenn am Anfang alteingesessene Heimische, die fernab der Zivilisation leben, vor irgendwelchen Gefahren waren, dann weiß man als Zuschauer schon: Recht haben sie! Aber das Gesetz des Films oder hier der Serie besagt, dass diese Warnungen ignoriert werden, mal aus Arroganz, mal aus purer Gier, womit das Unglück dann seinen Lauf nehmen kann. Grundsätzlich macht die von Patrick Graham entworfene, teils auch geschriebene und inszenierte Serie, dann auch genau das, was man von ihr erwartet. Sie kämpft sich tapfer weiter, ohne sich zu weit von dem zu entfernen, was in dem Genre so üblich ist. Gleiches gilt für die Figuren, die wie so oft nur Wegwerfware sind.

Mysteriös und klaustrophobisch
Eine Zeit lang macht das aber durchaus Spaß, da es bei Vetala schon noch ein paar Elemente gibt, die nicht ganz alltäglich sind. Da wären zum einen die Verweise auf die indische Gesellschaft und Geschichte, inklusive Ausflügen in die Kolonialzeit. Es wird auch länger mit der Angst vor dem Unbekannten gespielt, wenn die Soldaten und anderen Figuren sich durch den alten Tunnel schieben und gar nicht so genau wissen, was sie da unten erwartet. Das beschert uns ein paar schöne Bilder, kombiniert mit einer klaustrophobischen Stimmung, wenn wir uns in einem nur schwach beleuchteten Gefängnis aufhalten. Und auch die Gestaltung der Gegner ist zumindest auffällig, wenn mit recht grotesken Masken gearbeitet wird.

Leider baut die Serie aber in der zweiten Hälfte der gerade mal vier Folgen langen Staffel ziemlich ab. Die anfängliche Atmosphäre wird einem größeren Actionteil geopfert, der aber eher unter die Kategorie „unfreiwillig“ komisch fällt, als dass das Ergebnis spannend wäre. Es wird auch geradezu unerträglich theatralisch, wenn sich Graham doch stärker auf seine Figuren konzentriert und eine Extraportion Tragik hineinbringen will – und das Ganze unnötig in die Länge zieht. Wenn zum Schluss eine zweite Staffel angekündigt wird, löst das dann auch gemischte Gefühle aus. Einerseits hat das Szenario durchaus Potenzial, gerade auch mit der historischen Komponente. Aber so richtig viel Lust auf mehr macht Vetala dann doch nicht.

Credits

OT: „Betaal“
Land: Indien
Jahr: 2020
Regie: Patrick Graham, Nikhil Mahajan
Drehbuch: Patrick Graham, Suhani Kanwar
Idee: Patrick Graham
Musik: Naren Chandavarkar, Benedict Taylor
Kamera: Shrinivas Achary, Tanay Satam
Besetzung: Vineet Kumar Singh, Aahana Kumra, Suchitra Pillai, Jatin Goswami, Jitendra Joshi, Siddharth Menon

Bilder

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Vetala – Staffel 1
4.05 (81%) 20 Artikel bewerten

Vetala – Staffel 1
In „Vetala“ soll ein alter Tunnel ausgegraben werden, gegen die ausdrücklichen Warnungen der einheimischen Bevölkerung, die vor dem Bösen darin warnen. Das funktioniert dann so wie erwartet, ist aber zumindest anfangs atmosphärisch und hat einige interessante Komponenten. Im weiteren Verlauf baut die Serie leider ab, wenn der Actionteil erhöht wird und man sich an extra viel Theatralik versucht.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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