Smiley Netflix
© Netflix/Andrea Resmini
Smiley Netflix
„Smiley“ // Deutschland-Start: 7. Dezember 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Álex (Carlos Cuevas) hat genug. Immer wieder hofft er, den Richtigen fürs Leben gefunden haben, wenn er sich mal wieder mit einem Mann getroffen hat. Immer wieder wird er enttäuscht. Als es mal wieder so weit ist, macht er seiner Wut Luft und hinterlässt auf der Mailbox seiner Zufallsbekanntschaft eine bitterböse Nachricht. Dummerweise handelt es sich dabei aber um die falsche Nummer. Anstatt beim beabsichtigen Liebhaber, landet er bei dem Architekten Bruno (Miki Esparbé), der gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Nach einer anfänglichen Irritation beschließt dieser, sich bei dem aufgebrachten Anrufer zu melden. Richtig viel gemeinsam haben der Barkeeper und der Architekt zwar nicht, als die beiden sich verabreden. Und doch wird es nicht bei diesem einen Treffen bleiben …

Ein ungleiches Paar und viele Probleme

Momentan haut Netflix wieder eine Liebeskomödie nach der anderen heraus. Schließlich ist bald Weihnachten, da dürfen entsprechende Titel nicht fehlen. Bislang kam ein homosexuelles Publikum dabei jedoch zu kurz. Wo letztes Jahr noch Single All the Way als erste schwule Weihnachts-Rom-Com groß beworben wurde, sah es 2022 bislang mau aus. Aber kurz vor Schluss hat der Streaminganbieter doch noch etwas in petto. Zwar handelt es sich bei Smiley nicht um eine Weihnachtsproduktion, auch wenn es zwischendurch mal festlicher wird. Dafür gibt es gleich mehrere Paare und Nicht-Paare, die sich im Laufe der acht Folgen zusammenraufen müssen und entscheiden, wie es mit ihren jeweiligen Leben weitergehen soll.

Im Mittelpunkt stehen dabei klar Álex und Bruno, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen. Auf der einen Seite haben wir den Barkeeper Álex, der Die Eiskönigin – Völlig unverfroren liebt, ständig in Schwulenbars rumhängt, wenn er nicht gerade in einem der beiden Fitnessclubs ist, deren Mitglied er ist. Der Architekt Bruno hingegen bevorzugt das Arthouse-Kinos, kann mit der Szene nichts anfangen und ist fest davon überzeugt, dass der gutaussehende, durchtrainierte Álex sowieso kein wirkliches Interesse an ihm hat, weil er zu oberflächlich ist. In der Hinsicht erinnert Smiley an die Kinokollegen von Bros, auch wenn der Humor hier weniger bissig ist. Die Eigenheiten des queeren Lebens werden weniger stark auf die Schippe genommen.

Nicht originell, aber schön umgesetzt

Dafür gibt es um das Paar herum deutlich mehr Geschichte. So erzählt Drehbuchautor Guillem Clua, der auch das zugrundeliegende Theaterstück geschrieben hatte, auch noch von dem kriselnden lesbischen Paar Núria (Ruth Llopis) und Patri (Giannina Fruttero). Javier (Pepón Nieto), der zusammen mit Núria die Bar betreibt, in der Álex arbeitet, wird bei seinen Auftritten als Transvestit gefeiert wird, leidet an Einsamkeit. Hinzu kommen einige andere Figuren, die ebenfalls ihre Probleme haben. Schön ist dabei, wie organisch die verschiedenen Handlungsstränge in Smiley miteinander verwoben sind, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Die einzelnen Stränge sind ebenfalls überzeugend. Clua mag zwar nicht der originellste Geschichtenerzähler sein, hat aber überzeugende Figuren entworfen, die alle ihre kleinen Macken haben, und hat auch darüber hinaus einige schöne Ideen – darunter eine rührende Bieranalogie.

Insgesamt ist die Serie eine schöne Überraschung inmitten der oft trüben Liebeskomödien, welche nicht nur die Streamingdienste überfluten. Smiley überzeugt mit Charme und Figuren, die sich du anderen das Leben oft unnötig schwermachen, ohne dass es deswegen gleich konstruiert wirkt. Denn dafür sind die Konflikte zu glaubwürdig. Dabei wird die Balance aus queeren und universellen Themen gehalten, bei denen sich ein größeres Publikum wiederfinden kann. Diese Vielfalt und einige inszenatorische Spielereien, wenn das Regieduo David Martín Porras und Marta Pahissa etwa auf Splitscreens zurückgreift, machen die spanische Produktion zu einem kleinen Geheimtipp, den man sich losgelöst von dem zeitlichen Kontext und eigener sexueller Vorlieben gut anschauen kann.

Credits

OT: „Smiley“
Land: Spanien
Jahr: 2022
Regie: David Martín Porras, Marta Pahissa
Drehbuch: Guillem Clua
Vorlage: Guillem Clua
Musik: Arnau Bataller
Kamera: Hermes Franco, Pol Orpinell
Besetzung: Carlos Cuevas, Miki Esparbé, Eduardo Lloveras, Giannina Fruttero, Pepón Nieto, Ruth Llopis, Ramón Pujol, Meritxell Calvo

Bilder

Trailer

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Smiley
fazit
„Smiley“ begleitet zwei grundverschiedene Männer, die sich zufällig kennenlernen und dabei nicht wissen, ob sie mehr wollen oder nicht. Die Adaption eines Theaterstücks ist charmant, verspielt inszeniert und hat neben der Hauptgeschichte noch zahlreiche andere Handlungsstränge, die überzeugend miteinander verwoben sind und dabei eine Mischung aus queeren und universellen Themen bieten.
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