He's All That Einer wie keiner Netflix
© Netflix/Kevin Estrada

Einer wie keiner

Inhalt / Kritik

He's All That Einer wie keiner Netflix
„Einer wie keiner“ // Deutschland-Start: 27. August 2021 (Netflix)

Padgett Sawyer (Addison Rae) ist es gewohnt, das Beste aus sich herauszuholen, ihre Videos mit Tipps und Ratschlägen haben ihr unzählige Follower eingebracht. Als aber auch ein Video die Runde macht, welches sie in einer wenig vorzeigbaren Verfassung zeigt, droht sie alles zu verlieren, was ihr wichtig war. Daraufhin lässt sie sich auf eine Wette mit ihrer Freundin Alden (Madison Pettis) ein: Padgett ist fest davon überzeugt, den ungepflegten Außenseiter Cameron Kweller (Tanner Buchanan) zum Schulball-König machen zu können und damit ihren Ruf wiederherzustellen. Tatsächlich gelingt es ihr, den wenig präsentablen Sonderling zu einem begehrten Schulstar umzumodeln. Kompliziert wird es jedoch, als sie daraufhin auch selbst Gefühle für ihn entwickelt …

Alte Geschichten neu aufgewärmt

Als wären die unzähligen Remakes nicht genug, mit denen Hollywood immer wieder eine akute Ideenarmut demonstriert, hat die Traumfabrik in den letzten Jahren eine weitere Möglichkeit gefunden, bekannte Stoffe noch einmal wiederzubeleben: Es werden einfach die Geschlechter der Hauptfiguren getauscht. So etwas könnte ganz spannend sein, wenn auf diese Weise alte und neue Geschlechterbilder miteinander verglichen werden. Was hat sich seit dem Original getan? Ist das von damals noch zeitgemäß? Auf diese Weise kann man sich den Anschein geben, gesellschaftlich relevant und vielleicht gar progressiv zu sein. Dieses Potenzial wird aber kaum genutzt. Vielmehr sind Filme wie Overboard und Was Männer wollen recht belanglos, der Tausch nicht mehr als ein Gimmick.

Das ist bei Einer wie keiner nicht anders. Das Netflix-Remake der Hitkomödie Eine wie keine aus dem Jahr 1999 verlegt das Geschehen zwar in die Neuzeit und findet in dem scheinheiligen Optimierungswahn auf sozialen Medien sogar ein passendes Betätigungsfeld. Schließlich werden dort ganze Karrieren darauf aufgebaut, ein Publikum besser, schöner und erfolgreicher machen zu wollen. Dass eben eine solche Influencerin nun auch den unscheinbaren Nerd veredelt, ist da nur folgerichtig. Ansonsten verpasst es aber Drehbuchautor R. Lee Fleming Jr., der schon damals für die Geschichte zuständig war, das Grundprinzip zu hinterfragen. Da wurde an einigen Stellschrauben gedreht. Ansonsten war man aber stolz auf das Original – oder wollte kein Risiko eingehen.

Wie früher, nur ohne Charme

Tatsächlich verneigt sich das von Mark Waters (Magic Camp) inszenierte Remake an mehreren Stellen vor der Vorlage. Beispielsweise tauchen Rachael Leigh Cook und Matthew Lillard, die 1999 zum Hauptcast gehörten, auch in Einer wie keiner wieder auf. Später dürfen wir zudem Kiss Me wieder hören, das Lied, welches seinerzeit die Band Sixpence None the Richer zu einem One-Hit-Wonder machte. Allerdings ist die Neuauflage fürchterlich, nutzt zwar dieselbe Melodie, lässt dabei aber jegliche Persönlichkeit oder Charme vermissen. Das gilt insgesamt dann auch für den Film. Schon die erste Fassung war nicht unbedingt ein inhaltliches Schwergewicht, verließ sich auf Klischees, Kitsch und künstliche Gefühle. Immerhin war das aber noch gut besetzt.

Addison Rae, die eigentlich selbst Influencerin ist, sich jetzt aber auch an Musik und Schauspielerei versucht, mag  sich auf dem Papier wie eine gute Besetzung lesen. Wenn das schauspielerische Talent aber bislang eher wenig offensichtlich ist, tat man sich beim Casting keinen Gefallen damit. Tanner Buchanan macht seine Sache da schon besser, hat aber das gleiche Problem wie seinerzeit Cook: Er geht einfach nicht als Nerd durch. Ihm einfach nur lange Haare und eine hässliche Mütze zu verpassen, reicht dann doch nicht aus. Ähnlich zu Nicht meine Liga kürzlich funktioniert das grundsätzliche Konzept nicht, wenn das hässliche Entlein so gut aussieht wie hier. Nicht dass man sich bei Einer wie keiner auch nur ansatzweise um Glaubwürdigkeit geschert hätte. Hier geht es um Bestätigung und die Erlaubnis zum Schwärmen. Da darf nichts stören, was zu sehr nach Realität aussieht.

Sympathische Aussage billig verpackt

Wie viel man dem Film abgewinnen kann, hängt deshalb maßgeblich damit zusammen, ob man die entsprechenden Ansprüche an eine solche Liebeskomödie mitbringt und darüber hinaus geringe Erwartungen hat. So ist die Grundaussage des Films, dass man sich treu bleiben soll und niemand perfekt ist, sympathisch und wichtig. Man interessierte sich bei Einer wie keiner nur nicht dafür, wie der Weg zu dieser Erkenntnis aussehen könnte. Da wird mal Gewalt verherrlicht, Entwicklungen geschehen auf Knopfdruck, die Figuren sind mit gröbsten Schablonen gezeichnet. Wen das alles nicht stört, sondern nur dabei sein will, wie sich zwei gutaussehende Menschen ineinander verlieben, der bekommt genau das geboten. Für einen Film, der sich nach eigener Aussage aber für innere Werte stark macht, ist das schon sehr oberflächlich und belanglos.

Credits

OT: „He’s All That“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Mark Waters
Drehbuch: R. Lee Fleming Jr.
Musik: Rolfe Kent
Kamera: John Guleserian
Besetzung: Addison Rae, Tanner Buchanan, Madison Pettis, Peyton Meyer, Myra Molloy, Isabella Crovetti

Bilder

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„Einer wie keiner“ nimmt die Geschichte der 90er Hitkomödie „Eine wie keine“ und tauscht die Geschlechter aus. Auch an anderen Stellen wurde aktualisiert. Das bleibt jedoch ohne Tiefgang und schlimmer noch ohne Charme: Der Liebesfilm um eine Schulkönigin, die einen unscheinbaren Nerd aufwertet, ist nicht mehr als die schlechtere Hochglanzkopie eines ohnehin schon nicht besonders guten Films.
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