Inhalt / Kritik

The Last Mercenary Netflix

„The Last Mercenary“ // Deutschland-Start: 30. Juli 2021 (Netflix)

Eigentlich hatte sich der französische Geheimagent und Legionär Richard Brumère (Jean-Claude Van Damme) längst zur Ruhe gesetzt. Doch damit ist es vorbei, als er erfährt, dass sein Sohn Archibald (Samir Decazza) in Gefahr ist und fälschlicherweise für einen Waffenhändler gehalten wird. Zwar haben die beiden kein enges Verhältnis. Genauer kennen sie sich noch nicht mal. Doch für Brumère, der von allen nur „Der Nebel“ genannt wird, ist klar, dass er seinem Nachwuchs unter die Arme greifen und seine alten Fähigkeiten noch einmal unter Beweis stellen muss. Die Schwierigkeit ist dabei nicht nur, den wahren Waffenhändler zu finden, bevor es zu spät ist, sondern auch dem ahnungslosen Archibald zu verraten, wer er wirklich ist …

Was vom Action-Ruhm übrig blieb

Es liegt in der Natur der Dinge, dass auch Actionstars in die Jahre kommen und sich fragen müssen: Und was nun? Sicher, wenn Beweglichkeit und Kraft nachlassen, gibt es immer die Möglichkeit, einfach in Rente zu gehen und die ruhmreichen Jugendjahre für sich reden zu lassen. Andere drehen vielleicht weiter und bauen darauf, dass schnelle Schnitte noch eine Dynamik vortäuschen, die der eigene Körper nicht mehr hergibt. Das Motto: The Show Must Go On. Oder man macht es wie Bruce Willis, der bei jedem seiner wöchentlich erscheinenden B-Movies demonstrativ gelangweilt schaut. Warum ernsthaft arbeiten, wenn es reicht, sich für ein paar Minuten in einen Sessel zu setzen? Den Rest macht die Marketingabteilung.

Dass das anders geht, beweist Jean-Claude Van Damme. Der Belgier zählte in den 80ern und 90ern mit Filmen wie Bloodsport und Universal Soldier schon zur Oberliga der Hollywood-Actionstars. Seitdem er in die Jahre gekommen ist, dreht er neben düsteren Thrillern aber auch immer mal wieder Sachen, bei denen er mit seinem eigenen Image spielt – siehe etwa JCVD.  Der Netflix-Film The Last Mercenary setzt diesen Spagat fort. Auf der einen Seite tritt Van Damme hier erneut als Kämpfer auf, der es quasi alleine mit der ganzen Welt aufnimmt. Gleichzeitig wird aber deutlich gemacht, dass die besten Jahre des ehemaligen Agenten hinter ihm liegen. Brumère ist Stoff für Legenden, weniger für aktuelle Heldengeschichten.

Nimm es mit Humor!

Das geht bei The Last Mercenary mit viel Humor einher. Wo andere Kollegen trotz allem so tun würden, als wäre die Zeit stillgestanden, da wird hier recht offen gesagt, dass die besten Jahre vorbei sind. Und das nicht erst seit gestern. Zwar gibt sich Van Damme nicht die Blöße, hier zu einem schlechten Kämpfer zu werden, der von den anderen beliebig vermöbelt wird. Aber ist es doch mit Selbstironie verbunden, wie ein in die Jahre gekommener Actionstar von früher spricht. Zumal der auch als „The Muscles from Brussels“ bekannte Schauspieler kein Problem damit hat, in für ihn peinlichen Szenen aufzutreten – darunter mit einer bewusst unfassbar schlechten Verkleidung.

Dafür gibt es natürlich einige Sympathiepunkte. Auch der eine oder andere Schmunzler ist drin, wenn sich der frühere Agent mit einer wenig professionellen Aushilfstruppe auf die Jagd nach dem Waffenhändler begibt. Sonderlich subtil ist der Humor jedoch nicht, da ist schon viel Klamauk dabei. Und auch bei der Abwechslung hat man sich bei The Last Mercenary nicht gerade verausgabt. Gerade bei den diversen Verwechslungen und falschen Identitäten – der Sohn wird für einen Verbrecher gehalten, der Vater will sich nicht als solcher zu erkennen geben – wäre mehr möglich gewesen. Szenen, in denen eine übergewichtige Nebenfigur in Unterwäsche durch die Stadt gejagt wird, hätten sowieso nicht sein müssen. Das ist schon arg billig. Besser ist da schon der große Kontrast zwischen den beiden: Der Verlierer und die Kampfmaschine haben so wenig gemeinsam, dass man kaum glauben kann, dass sie Vater und Sohn sein sollen.

Best Case: Durchschnitt

Aber wie das so ist, wenn in Filmen zwei sehr unterschiedliche Leute aufeinandertreffen: Am Ende finden sie doch irgendwie zusammen. Glücklicherweise verzichtete Regisseur und Co-Autor David Charhon (Ein Mordsteam) darauf, an der Stelle allzu viel Kitsch einbauen zu wollen. Er setzt mehr auf die leise Rührung, wenn zwei sich fremde Männer auf unbeholfene Weise annähern. Auch da sollte man keine zu hohen Ansprüche haben. Feingefühl ist bei der Actionkomödie nicht zu erwarten. Insgesamt kommt The Last Mercenary auch nicht über Durchschnitt hinaus, bei aller Sympathie für das, was hier versucht wurde. Aber manchmal ist Durchschnitt schon mehr, als man erwarten kann – zumindest wenn zum Vergleich die Filme von Van Dammes Kollegen und Leidgenossen heranzieht.

Credits

OT: „Le Dernier Mercenaire“
Land: Frankreich
Jahr: 2021
Regie: David Charhon
Drehbuch: David Charhon, Ismael Sy Savane
Kamera: Thierry Arbogast, René-Pierre Rouaux
Besetzung: Jean-Claude Van Damme, Alban Ivanov, Assa Sylla, Samir Decazza, Miou-Miou

Bilder

Trailer

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The Last Mercenary
In „The Last Mercenary“ muss ein ehemaliger Agent und Söldner seinem Sohn beistehen, den er nie kennengelernt hat und der unterschiedlicher nicht sein sollte. Der Film verbindet dabei Actionszenen mit Selbstironie und viel Klamauk zu einer Komödie, die zwar schon irgendwie sympathisch ist, dabei aber nie über Durchschnitt hinauskommt.
5von 10
Leserwertung: (39 Votes)
4.3

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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