Kritik

Hubie Halloween Netflix Adam Sandler

„Hubie Halloween“ // Deutschland-Start: 7. Oktober 2020 (Netflix)

Hubie Dubois (Adam Sandler) ist ein herzensguter Mensch, der für alle nur das Beste will. Umgekehrt gilt das jedoch nur bedingt, eigentlich macht sich jeder einen Spaß daraus, ihn zu ärgern und zu demütigen. Das bekommt er gerade auch an Halloween zu spüren. Eigentlich tut Hubie alles dafür, damit die anderen sicher und glücklich feiern können, was ihm aber jedes Jahr nur Spott einbringt. Dieses Mal kommt es jedoch anders, denn ein gefährlicher Insasse einer psychiatrischen Anstalt ist entflohen und soll in der Gegend sein Unwesen treiben. Tatsächlich verschwinden immer mehr Einwohner unter mysteriösen Umständen und nur der von allen unterschätzte Hubie kann die Leute jetzt noch retten …

Es gehört fest zum jährlichen Filmkalender: Sobald wir den Oktober erreichen, werden an allen Ecken und Enden Horrorfilme und -serien veröffentlicht, um das Publikum schon einmal auf Halloween einzustimmen. Bei Netflix ist das sogar eine richtig große Tradition! Da werden neben Themenspecials zu familienfreundlichen Serien wie Die Super-Monster oder Tut Tut Cory Flitzer auch jede Menge tatsächliche Genrebeiträge produziert. Mit Il Legame – Die Bindung und Vampires vs. the Bronx ging es 2020 los, bevor mit Spuk in Bly Manor die lang erwartete Fortsetzung der mit Spuk in Hill House begonnenen Anthologie-Serie ansteht. Weitere Titel sind für die kommenden Wochen bereits angekündigt.

Zwischen Nettigkeit und Übelkeit
Dazwischen gibt es mit Hubie Halloween noch Neues von Adam Sandler. Um Horror im eigentlichen Sinn handelt es sich dabei nicht. Im übertragenen aber schon: Die Komödie schafft es nicht nur, den von Sandler gerade mühselig zurückgewonnenen Respekt zu verspielen, den er für Der schwarze Diamant erhalten hat. Sie ist sogar so grauenvoll, dass man schon dreieinhalb Wochen vor dem eigentlichen Event keine Lust mehr hat. Dabei ist die Geschichte für sich genommen noch irgendwie nett. Ein Außenseiter, der von allen verspottet wird und nur seine Mutter als Bezugsperson hat, soll eine Kleinstadt vor einem Mörder retten: Das hätte ein richtig netter, skurriler Film sein können, um ein bisschen das Herz zu wärmen.

Letzteres versucht Sandler auch, der nicht nur die Hauptrolle übernommen hat, sondern auch mit seinem häufigen Kreativpartner Tim Herlihy das Drehbuch geschrieben hat. Vor allem zum Ende hin wird Hubie Halloween so süßlich, als hätte man eine ganze Tasche voller Schokolade, Bonbons und sonstiger Zuckerbomben inhaliert – mit entsprechenden Übelkeitsfolgen. Vorher aber versucht der Film in erster Linie komisch zu sein, was ihm aber nur in den seltensten Momenten gelingt. Die Witze sind von vornherein altbacken, werden durch die ständigen Wiederholungen auch nicht besser. Da wird sich von Pointe zu Pointe gequält bei dem kläglichen Versuch, eine Mischung aus infantilem Witz und derben Possen zu kreieren.

Glanzpunkte in einer komödiantischen Misere
Am besten funktioniert das noch bei den diversen berühmten Kollegen und Kolleginnen, die Sandler in seinen Film locken konnte. June Squibb (Nebraska) hat dabei noch mit die besten Momente als Mutter von Hubie, die zwar ebenfalls sehr hilfsbereit ist, im Zweifel aber auch austeilen kann. Steve Buscemi als dubioser Nachbar und Ray Liotta als einer der Quälgeister gehen ebenfalls noch in Ordnung, zumindest gemessen an dem dürftigen Material, mit dem sie zu arbeiten hatten. Die Auftritte von Sandler selbst sind dafür jenseits der Schmerzgrenze, da er seine Figur dermaßen auf Idiot getrimmt hat, dass jede einzelne Szene zu einer Qual wird, sobald er auch nur den Mund aufmacht.

Dass man sich Hubie Halloween streckenweise anschauen kann, ist dann auch weniger ihm selbst zu verdanken, als einigen anderen Faktoren. Da wären die teils schönen Bilder, welche die Kleinstadt-Halloween-Atmosphäre einfangen. Die Idee einer Allzweck-Thermoskanne ist so irrsinnig, dass sie zwar zu einem Fremdkörper im Film wird, aber doch irgendwie bemerkenswert ist. Außerdem gibt es zum Ende hin einen netten Twist. Leider wird aber auch der versemmelt, ebenso die sparsamen Fantasy-Elemente, weshalb die Netflix-Komödie den ohnehin nicht berauschenden Ruf Sandlers kaum verbessern wird. Fans seines Humors dürfen natürlich trotzdem an allem ihre Freude haben. Wer sich nicht dazu zählt, sollte seine kostbare Lebenszeit lieber anderweitig nutzen.

Credits

OT: „Hubie Halloween“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Steven Brill
Drehbuch: Adam Sandler, Tim Herlihy
Musik: Rupert Gregson-Williams
Kamera: Matthew F. Leonetti
Besetzung: Adam Sandler, Kevin James, Julie Bowen, Maya Rudolph, Ray Liotta, June Squibb, Steve Buscemi

Bilder

Trailer

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Hubie Halloween
In „Hubie Halloween“ spielt Adam Sandler einen Kleinstadt-Verlierer, den keiner leiden kann, der die anderen aber vor einem mysteriösen Killer bewahren muss. Die Geschichte hatte eigentlich Potenzial, hinzu kommen schöne Bilder und ein gutes Ensemble. Die grauenvollen Witze machen aber all das zunichte und die Halloween-Stimmung gleich mit dazu.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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