See You Yesterday Netflix

„See You Yesterday“ // Deutschland-Start: 17. Mai 2019 (Netflix)

CJ (Eden Duncan-Smith) und Sebastian (Dante Crichlow) sind nicht nur beste Freunde, sie eint auch eine gemeinsame Leidenschaft: die Wissenschaft! Ständig tüfteln sie an etwas, bauen Maschinen, experimentieren mit den Naturgesetzen herum. Ihr neuestes Projekt hat ein überaus ambitioniertes Ziel, die wollen durch die Zeit reisen. Zunächst sind sie vorsichtig, wagen nur kleine Zeitsprünge, gehen sicher, dass sie in der Vergangenheit nichts verändern. Als dann jedoch CJs Bruder Calvin (Astro) erschossen wird, ist alles anders, denn die Jugendliche würde alles dafür tun, um dieses Ereignis rückgängig zu machen. Warum also nicht ihre Zeitmaschine dafür einsetzen?

Zeitreisen werden wohl nie aus der Mode kommen, verständlicherweise. Die Vorstellungen, einen kleinen Ausblick auf die Zukunft zu erhalten, historischen Persönlichkeiten zu begegnen oder auch dank der bereits bekannten Lottozahlen nie wieder arbeiten zu müssen, die ist dann doch zu verführerisch. Kein Wunder also, dass das Thema im Kino und im Fernsehen nicht totzukriegen ist. Auch wenn die Geschichten sich oft ähneln, mit vergleichbaren Regeln arbeiten, die Motive dahinter sind so nachvollziehbar, dass man doch gerne immer wieder auf solchen Reisen dabei ist.

Innovation und Trauer
Der Netflix-Film See You Yesterday ist dabei einer der dramatischeren Varianten. Vergleichbar zum derzeitigen Überflieger Avengers: Endgame oder der Kultserie Steins;Gate kommen hier die technischen Möglichkeiten aus traurigen Gründen zum Einsatz: Der Tod geliebter Menschen soll rückgängig gemacht werden. Das ist dann zwar kein besonders origineller Anlass, er funktioniert aber. Stefon Bristol, der hier sein Spielfilmdebüt als Regisseur abgibt und auch am Drehbuch mitschrieb, widmet sich erst einmal der Familie und zeigt, welche Auswirkungen der Tod auf sie hat, bevor das eigentliche Abenteuer beginnt.

Auch in der Folge bleibt See You Yesterday, das auf dem Tribeca Film Festival 2019 Premiere feierte, ganz nah an den Personen dran. Zwar gibt es auch hier immer wieder wissenschaftliche Theorien, kommen komische Gerätschaften zum Einsatz. Doch im Herzen ist der Film ein Drama um eine Familie, die an einer Tragödie zerbricht. Um eine Jugendliche, die zwar so gar nicht wie ihr Bruder ist, nicht cool, nicht groß, dafür aber eben schlau und nichts unversucht lässt, um das Geschehene rückgängig zu machen. Das ist wunderbar von der Newcomerin Duncan-Smith gespielt, sie kombiniert Wärme und Verschrobenheit zu einer der interessantesten Figuren, die solche Jugendfilme in der letzten Zeit hervorgebracht haben.

Für alle etwas
Obwohl die Zielgruppe hier nicht zuletzt wegen der jungen Protagonisten ebenfalls etwas jünger ist, dürfen auch Erwachsene gerne reinschauen. Nicht nur, dass eine Nebenrolle ein dickes Grinsen auf deren Gesichter zaubern dürfte, der Film hat zudem spürbar gesellschaftliche Ansprüche. Das ist naheliegend, produziert wurde der Film schließlich von Spike Lee (BlacKkKlansman). Und so wie in seinen eigenen Filmen befasst sich auch See You Yesterday mit der Situation von farbigen Minderheiten in den USA. Denn Auslöser ist hier mal wieder der alltägliche Rassismus, gekoppelt an eine Polizei, die im Zweifelsfall erst einmal schießt, bevor sie Fragen stellt.

Das ist nicht sonderlich subtil oder differenziert dargestellt, auch die Situation selbst ist nicht übermäßig originell. Muss aber auch nicht, See You Yesterday kombiniert launige Zeitreisen im Stile von Zurück in die Zukunft mit wütenden Rassismusdramen à la The Hate U Give. Eine Mischung, die überrascht, auch im Folgenden, wenn Bristol die vergeblichen Versuche aufzeigt, etwas an der Situation zu ändern. Denn in bester Zeitreisen-Manier passiert immer etwas Unvorhergesehenes, gibt es ungeplante Auswirkungen, wird es eher schlechter denn besser. Der Rassismus und die Gewalt sind in den USA inzwischen so sehr institutionalisiert, so scheint es, dass nicht einmal geniale wissenschaftliche Ideen daran etwas anhaben können.

See You Yesterday
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See You Yesterday
„See You Yesterday“ nimmt die allseits beliebte Zeitreisenthematik mit all ihren Herausforderungen und kombiniert diese mit einem Rassismusdrama. Die einzelnen Bestandteile mögen dabei nicht originell sein, die Mischung aus beiden funktioniert aber sehr gut, wird durch die tollen Auftritte der Jungdarsteller noch weiter verstärkt.
7von 10

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