Das Mädchen im Schnee La chica de nieve Netflix
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Das Mädchen im Schnee

Das Mädchen im Schnee La chica de nieve Netflix
„Das Mädchen im Schnee“ // Deutschland-Start: 27. Januar 2023 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Eigentlich hätte es ein schöner Ausflug für die Familie sein sollen. Stattdessen stellt sich der Tag als der schlimmste in ihrem Leben heraus. Als Ana (Loreto Mauleón) und Alvaro (Raúl Prieto) mit ihrer kleinen Tochter Amaya (Emma Sánchez) einen Umzug anschauen wollen, ist das Kind plötzlich verschwunden. Zunächst glauben sie noch, dass sie sich im Trubel vielleicht verlaufen hat. Doch dann stellt sich heraus, dass sie jemand entführt hat. Aber wer? Und aus welchem Grund? So werden keinerlei Lösegeldforderungen gestellt. Während die Polizei fieberhaft nach Spuren sucht und die verzweifelten Eltern sich an die Öffentlichkeit wenden, hat auch die angehende Journalistin Miren (Milena Smit) ein großes Interesse an dem Fall. Über Jahre hinweg wird sie ihn verfolgen – bis eines Tages tatsächlich ein neuer Hinweis auftaucht, den ihr jemand geschickt hat …

Verbissene Suche nach einem Entführungsopfer

Entführungen gehören in Thrillern zu den beliebten Motiven, um beim Publikum Spannung zu erzeugen. Je hilfloser die Entführungsopfer sind, umso besser. Nicht ohne Grund werden oft Frauen und Kinder für solche Geschichten ausgesucht. Vor allem Letztere sind sehr gut geeignet, um bei den Zuschauern und Zuschauerinnen Herzklopfen auszulösen, zumindest wenn sie selbst Eltern sind. Die Vorstellung, dass der eigene Nachwuchs in den Händen von Fremden ist, das treibt selbst die Nervenstärksten in den Wahnsinn, wie es vor einigen Jahren Prisoners wirkungsvoll vorgemacht hat, wo ein rechtschaffener Vater zunehmend die Kontrolle verliert. Ganz so weit geht man bei Das Mädchen im Schnee zwar nicht, Grenzüberschreitungen in dem Sinne finden hier nicht statt. Die Spannung ist bei der spanischen Netflix-Serie aber ebenfalls auf einem hohen Niveau.

Das liegt aber nur zum Teil an der Situation der Eltern. Natürlich erzwingt diese geradezu das Mitgefühl des Publikums, wenn das Leid von Ana und Alvaro gezeigt wird. Da gibt es die üblichen verzweifelten Appelle an die Entführer sowie kräftige Streitereien innerhalb des Paares, wenn die Krise diverse gegenseitige Vorwürfe nach sich zieht. Das funktioniert alles, ist aber nichts, was man nicht schon in zahlreichen anderen Thrillern gesehen hat. Aber es ist eben auch nur ein Aspekt unter mehreren, wenn in Das Mädchen im Schnee mehrere Geschichten parallel erzählt werden. So ist die eigentliche Hauptfigur in der Serie kein Elternteil oder alternativ jemand von der Polizei, wie man es sonst bei solchen Geschichten hat. Stattdessen nimmt diese Funktion eine Journalistin ein, die verbissener nach dem Täter sucht, als es die eigentlichen Ermittler tun. Damit diese auch möglichst menschlich erscheint, wird ihr eine tragische Vorgeschichte mitgegeben, die aber nur zum Teil etwas mit dem eigentlichen Fall zu tun hat.

Verschachtelt und verstörend

Was die Serie sehr viel mehr auszeichnet: Nachdem anfangs vor allem die Ermittlungen im Mittelpunkt stehen und die damit verbundenen Theorien, wer dahinterstecken könnte, verlagert sich im weiteren Verlauf der Schwerpunkt von Das Mädchen im Schnee auf die Entführerseite. Ohne zu viel vorab verraten zu wollen: Die Adaption eines Romans von Javier Castillo legt großen Wert darauf, diejenigen Personen zu tatsächlichen Menschen zu machen, anstatt allein zu geldgierigen Bösewichtern. Das bedeutet nicht, dass sie deswegen automatisch gut sind. Stattdessen führt dies zu einer Reihe äußerst verstörender Szenen, die zudem von großer Ambivalenz sind. Man weiß an manchen Stellen schlicht nicht, was man von den Leuten halten soll, wenn die üblichen Maßstäbe nicht wirklich greifen.

Der andere interessante Aspekt ist die Erzählstruktur. So spielt die Serie auf mehreren Zeitebenen, die verschiedene Phasen des Falls beleuchten. Diese werden jedoch nicht chronologisch erzählt. Zumindest in den ersten der insgesamt sechs Folgen springt Das Mädchen im Schnee ständig hin und her. Manche Szenen, die zunächst wie Wendepunkte erscheinen, enthüllen erst spät ihren Sinn. Das rätselhafte Verhalten der Entführer wird erst durch die späteren Wechsel verständlich. Damit gleicht die spanische Produktion aus, dass das Publikum nicht erst zur Auflösung erfährt, wer hinter allem steckt. Diese Enthüllung ist dabei schlicht sekundär. Während die Suche nach den Tätern anfangs noch recht konventionell geschieht, ist der eigentliche Inhalt ein anderer. Das ist durchaus spannend, auch wenn man nicht unbedingt alles glauben muss, was hier erzählt wird. Plausibel ist der Thriller nur bedingt. Unter den vielen Thrillerserien, die Netflix ständig veröffentlicht, ist diese dennoch eine der sehenswerteren der letzten Zeit.

Credits

OT: „La chica de nieve“
Land: Spanien
Jahr: 2023
Regie: David Ulloa, Laura Alvea
Drehbuch: Jesús Mesas Silva, Javier Andrés Roig
Vorlage: Javier Castillo
Musik: Julio de la Rosa
Kamera: Paco Belda, David Omedes
Besetzung: Milena Smit, Jose Coronado, Aixa Villagrán, Loreto Mauleón, Raúl Prieto, Cecilia Freire, Julián Villagrán, Marco Cáceres, Emma Sánchez

Bilder

Trailer

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fazit
„Das Mädchen im Schnee“ beginnt als eine zunächst recht konventionelle Thrillerserie, bei dem ein Paar die entführte Tochter sucht. Interessant wird die Buchadaption durch eine nicht-chronologische Erzählweise sowie einen stärkeren Fokus auf die Entführer, was mit ein paar verstörenden Momenten einhergeht.
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