Kritik

Explained Sex Netflix

„Explained: Sex“ // Deutschland-Start: 2. Januar 2020 (Netflix)

Neben unzähligen Filmen und Serien hat Netflix bekanntlich auch eine große Anzahl an Dokumentationen im Programm. Die meisten davon dienen irgendwie der Unterhaltung, von den True Crime Dokus über die unzähligen Koch- und Backshows bis zu Ausflügen in die Welt der Innenarchitektur. Vereinzelt stellt der Streamingiggant aber auch wissenschaftlich orientierte Produktionen online, die tatsächlich der reinen Wissensvermittlung dienen. Eine davon ist die Serie Explained, welche auf einer YouTube-Serie basiert und in monothematischen Folgen von Genmanipulation über Kryptowährungen bis zu Musik alles aufgreift, was die Menschen so umtreibt.

Ein besonders umtriebiges Thema ist natürlich die menschliche Fortpflanzung, weshalb es mit Explained: Sex jetzt eine Spin-off-Miniserie gibt, die sich allein dieses Themas annimmt. Wobei der Titel etwas missverständlich ist. Zwar wird hier über vieles gesprochen, was irgendwie mit Sex zusammenhängt. Über den eigentlichen Sex-Akt erfahren wir jedoch nichts. Stattdessen sind die fünf Folgen den Bereichen sexuelle Fantasien, Anziehungskraft, Schwangerschaftsverhütung, Fruchtbarkeit und Geburt gewidmet. Die einzelnen Folgen sind dabei prinzipiell völlig voneinander unabhängig. Passend ist es aber schon, sie sich in der Standardreihenfolge anzuschauen.

Und wer soll sich das anschauen?
Warum ausgerechnet der Sex an sich ausgespart wurde, ist natürlich ein Rätsel, nicht nur des Titels wegen. Es ist auch bedauerlich, da Aufklärungsarbeit dort sicherlich ebenfalls nicht schaden würde – gerade weil Sex im Internet omnipräsent ist und sich dadurch unrealistische Erwartungen und teils gefährliche Bilder ergeben. Ohnehin ist nicht ganz klar, wer genau mit Explained: Sex überhaupt angesprochen werden sollte. Während beispielsweise die Themen sexuelle Fantasien und Anziehung für alle relevant sind, von jung bis alt, richten sich die anderen Folgen eher an Leute, die sich mit dem Thema des Kinderkriegens auseinandersetzen wollen, was automatisch ein älteres Publikum betrifft. Das wiederum wird sich kaum über Schwangerschaftsverhütung informieren wollen.

Aber auch wenn man sich über das wenig schlüssige Konzept wundern kann, die konkrete Umsetzung ist nicht schlecht. Explained: Sex kombiniert die üblichen Interviews – Expert*innen und Privatleute gleichermaßen – mit jeder Menge Grafiken und Animationen. Man erfährt zudem nicht nur über die aktuelle Situation etwas, oft sind zudem historische Einblicke enthalten, beispielsweise zur Geschichte des Kaiserschnitts. Wer also das nötige Interesse für das Oberthema mitbringt bzw. eines der fünf Unterthemen, dem wird schon was geboten, zumal die Laufzeit überschaubar ist mit 15 bis 25 Minuten pro Folge.

Credits

OT: „Explained: Sex“
Land: USA
Jahr: 2020
Musik: Jackson Greenberg
Kamera: Cory Popp

Trailer



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Explained: Sex
4.15 (83.08%) 13 Artikel bewerten

Explained: Sex
Auch wenn der Titel es verspricht, „Explained: Sex“ handelt nicht von dem Sex an sich, sondern dem, was davor bzw. danach kommt. Das Konzept ist nicht ganz schlüssig, ebenso wenig, wer die Zielgruppe ist. Die Umsetzung der fünf Einzelthemen ist aber durchaus ordentlich, sofern man das nötige Interesse mitbringt.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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