Life After Death with Tyler Henry Netflix
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Life After Death with Tyler Henry – Staffel 1

Life After Death with Tyler Henry Netflix
„Life After Death with Tyler Henry – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 11. März 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

So genannte Medien sind Personen, die Kontakt mit einer Entität oder Entitäten aufnehmen können, welche „normalen“ Menschen verborgen bleiben, meistens Geister. Mit anderen Worten: Es gibt keine Medien. Was es gibt, sind Menschen, die anderen Leuten das Geld aus der Tasche ziehen, indem sie Hinterbliebene mit ein paar psychologischen Zaubertricks überrumpeln und deren emotionale Verwundbarkeit ausnutzen. Anders als etwa Geistheiler versprechen Medien nicht, körperliche Leiden verschwinden lassen zu können, sondern beschränken sich darauf, so etwas wie inneren Frieden zu vermitteln (und begehen im Allgemeinen auch keine sonstigen Untaten, siehe Der göttliche João: Die Verbrechen eines Geistheilers).

Das mag für manche auf den ersten Blick wie eine gute Sache wirken – was soll denn schon so schlimm daran sein, Menschen etwas vorzumachen, wodurch sie sich besser fühlen? So eine Argumentation kommt meist von Leuten, die sich nicht mit der Materie beschäftigt haben, oder die so auch Homöopathie verteidigen. Nichts kann den Verlust eines geliebten Menschen aufwiegen, weshalb viele Hinterbliebene alles für die Möglichkeit geben würden, noch einmal mit ihm zu reden – und Medien, die sich ihre Dienste gut bezahlen lassen, haben kein Problem damit, alles zu nehmen. In gewisser Weise ist es passend, dass Life After Death with Tyler Henry auf der für True-Crime-Dokus bekannten Streamingplattform Netflix erschienen ist.

Eine geschickte Einlullung

Tyler Henry reist durchs Land und trifft sich mit verschiedenen Klienten, welche auf seiner dreihunderttausend Einträge langen Warteliste stehen, um für sie Kontakt mit Verstorbenen aufzunehmen. Wie auch sonstige Shows aus diesem Bereich scheint Life After Death with Tyler Henry eher an der Person des Mediums selbst sowie dessen Hintergrundgeschichte und Umfeld interessiert zu sein statt daran, etwas zu ergründen und zu beweisen, was unser gesamtes Verständnis der Realität auf den Kopf stellen würde, wenn es denn wahr wäre. Die Serie könnte vielleicht als gutes Lehrmaterial für angehende Psychologen dienen: Alles an an Henry wirkt fake, das fratzenhafte Grinsen, die Augenbewegungen, die ganze Körpersprache. Er ist allerdings gut in dem, was er tut. Er versteht es, die zugänglichen Menschen einzulullen. Für sich genommen ist etwa die Frage „Did he ever listen to music when he would walk?“ nichts, was auf übersinnliche Wahrnehmung schließen ließe, wenn die Antwort „ja“ lautet, da es sich schlicht um etwas handelt, das sehr viele junge Leute tun.

In der dritten Folge aber ist die damit konfrontierte hinterbliebene Mutter bereits derart von Henry eingelullt, dass sie gar nicht mehr über die mentale Kapazität verfügt, eine mögliche Scharlatanerei zu durchschauen. Oberflächlich betrachtet mögen uns Opfer solcher Betrüger als dumm oder naiv erscheinen. Es muss sich aber vergegenwärtigt werden, dass wir als Außenstehende nicht emotional involviert sind und dass wir nur das zu sehen bekommen, was die Show uns zu zeigen bereit ist. Wir wissen nicht, inwieweit sie vorher präpariert wurden, vor allem aber teilen wir nicht ihren emotionalen Schmerz und ihre Sehnsucht. Selbst die klügsten und abgeklärtesten Menschen können unter den richtigen (oder genauer gesagt falschen) Umständen auf so eine Masche hereinfallen, wenn sie unvorsichtig oder durch emotionale Manipulation geblendet sind.

Die üblichen Tricks

Um sich rechtlich abzusichern, muss hier wohl stehen, dass natürlich nicht alle Medien Betrüger sind, was bereits das Problem verdeutlicht. Seit über hundert Jahren werden gutgläubige Opfer ausgenommen und es ist ziemlich schwierig, etwas dagegen zu unternehmen. Trotz emsiger Aufklärungsarbeit, unter anderem von der 2020 verstorbenen Skeptikerlegende James Randi, glauben etwa 40% der US-Amerikaner, dass Medien wirklich das sind, was sie vorgeben zu sein. Es gibt natürlich keinen Beweis, dass Henry ein Betrüger ist. Aber wie bei vielen anderen Medien auch dürften so einige Leute es persönlich so empfinden, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich viele der Sessions mit dem entsprechenden Vorwissen als cold readings beziehungsweise hot readings entlarven lassen. Um sich eine solide Basisverteidigung gegen die verbreitesten Tricks anzueignen, empfiehlt sich die Recherche zu diesen Schlagworten.

Credits

OT: „Life After Death with Tyler Henry“
Land: USA
Jahr: 2022
Kamera: José Gonzáles
Mitwirkende: Tyler Henry

Bilder

Trailer

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Life After Death with Tyler Henry – Staffel 1
Fazit
Wäre „Life After Death with Tyler Henry“ eine fiktionale Serie, wäre sie vielleicht als amüsantes Hintergrundrauschen zu empfehlen. Da es sich aber, in Ermangelung eines besseren Wortes, um eine echte Serie handelt, in welcher suggeriert wird, die Kommunikation mit Geistern von Verstorbenen wäre real, fühlt es sich beinahe so an, sich der Gehilfenschaft schuldig zu machen, jedwede Aufmerksamkeit auf sie zu lenken, und sei es nur der Aufklärung wegen.
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