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„Sommer 36“ // Deutschland-Start: 1. Juli 2026 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Nizza im Jahr 1936: Die französische Gesellschaft ist mitten in einem Wandel. So wurde gerade erst eingeführt, dass Angestellte bezahlten Urlaub nehmen dürfen. Viele nutzen das, um in den Süden zu fahren und es sich an der Côte d’Azur gutgehen zu lassen. Den vermögenden Alteingesessen passt das jedoch gar nicht. Schließlich waren sie es gewohnt, dort unter sich zu sein. Die vielen Fremden aus einer unteren Schicht können sie nicht gebrauchen. Während so die Spannungen zunehmen, kommt es zu einem Mord an dem Staatsanwalt Adrien Jacquart (Arnaud Binard). Doch wer steckt dahinter? Und was ist das Motiv? Bei der Suche nach der Wahrheit kreuzen sich die Wege der vier grundverschiedenen Frauen Blanche Ackerman (Julie de Bona), Eugénie Berthier (Sofia Essaïdi), Giulia Vincent (Nolwenn Leroy) und Léonie Morel (Constance Gay) …

Klassischer Krimi in bewährtem Setting

Geschichten rund um Verbrechen sind auf Netflix nun wirklich keine Seltenheit. Kürzlich etwa kam die True-Crime-Doku Worst Neighbor Ever: Tödliche Nachbarschaft heraus, bei der es um eskalierende Nachbarschaften mit fatalem und oft schockierendem Ausgang ging – der Titel verrät es bereits. Eher erwartbar ist Enola Holmes 3, der dritte Teil einer Romanadaption über die bislang unbekannte Schwester des Meisterdetektivs Sherlock Holmes. Und dann war da noch das französische Thrillerdrama Bis zum Ende, wo eine Frau aus Verzweiflung alle Grenzen überschreitet. Ebenfalls aus Frankreich stammt die Serie Sommer 36, mit dem der Streamingdienst beim Publikum zu punkten versucht. Und erneut wandelt man dabei zwischen verschiedenen Genres hin und her.

So ist das hier auf der einen Seite schon ein klassischer Krimi. Recht zu Beginn der Geschichte wird eine Leiche entdeckt, anschließend wird über sechs Folgen hinweg nach der Tatperson gesucht. Sommer 36 richtet sich also an Fans klassischer Whodunits, bei denen unter mehreren verdächtigen Leuten die richtige gefunden werden muss. Motive gibt es dann auch genügend, die gibt es fast immer. Das Setting eines Hotels ist dabei auch ein sehr bewährtes. Nicht wenige Genrevertreter spielen in einem solchen, siehe etwa Die Mausefalle. Nicht nur, dass ein solcher Schauplatz eine ganz eigene Atmosphäre mit sich bringt. Er ist auch ideal, um die unterschiedlichsten Menschen auf einem Raum zu haben und damit für inhaltliche Abwechslung zu sorgen.

Überfrachtetes Gesellschaftsporträt

Bei Sommer 36 ist das sogar noch wichtiger als sonst, da eben dieses Aufeinandertreffen ein wichtiger Faktor der Geschichte ist. Tatsächlich ist er so wichtig, dass man sich darüber streiten kann, ob der Kriminalfall das Thema ist oder einfach nur ein Mittel zum Zweck. Schließlich handelt die Serie von einer Gesellschaft im Umbruch, wenn es auf einmal zu einer Begegnung der verschiedenen Schichten kommt, was erwartungsgemäß für Reibungen sorgt. Die 1930er sind aber auch in einer anderen Hinsicht eine turbulente Zeit, da bereits die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten ihre Schatten vorauswirft. Wenig überraschend spielen in der Serie auch Themen wie Antisemitismus und Rassismus eine Rolle, Konflikte ziehen sich durch die gesamte Staffel.

Die Verbindung verschiedener Themen und Genres klingt erst einmal interessant. Und zumindest in Teilen ist das auch naheliegend, was das Team da zusammengetragen hat und wie die einzelnen Punkte ineinandergreifen. Aber eben nur in Teilen. Insgesamt hat man dann doch oft eher den Eindruck, dass sich da jemand einfach nicht entscheiden konnte, was genau erzählt werden soll. Die Folge: Sommer 36 verliert sich in einzelnen Strängen, macht lauter Fässer auf, die dann wieder vergessen werden. Dadurch bekommen manche Themen auch nicht den Raum, den sie eigentlich bräuchten, um sich entfalten zu könnten. Dafür sieht das Ganze ziemlich schick aus, man holt da aus dem südfranzösischen Setting schon einiges heraus. Der Mix aus Glamour, Krimi und Gesellschaftsporträt hat also schon einiges zu bieten. Aber weniger wäre da am Ende doch mehr gewesen.

Credits

OT: „L’Été 36“
IT: „Summer of 36“
Land: Frankreich, Belgien
Jahr: 2026
Regie: Fred Garson
Drehbuch: Marie Deshaires, Catherine Touzet
Musik: Pascal Lafa
Kamera: Virginie Saint-Martin
Besetzung: Julie de Bona, Sofia Essaïdi, Nolwenn Leroy, Constance Gay

Trailer

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Sommer 36
fazit
„Sommer 36“ spielt im Nizza der 1930er, als es zu gesellschaftlichen Konflikten kommt – und einem Mord. Die Serie kombiniert dabei klassische Genrekost mit Zeitporträt, dazu gibt es eine Menge Glamour. Das sieht schick aus und ist konzeptionell interessant. Man verliert sich aber in zu vielen Strängen, die Themen bekommen nicht den Raum, den sie bräuchten.
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