Dont Look Up Netflix
© Netflix/Niko Tavernise

Don’t Look Up

Inhalt / Kritik

Dont Look Up Netflix
„Don’t Look Up“ // Deutschland-Start: 24. Dezember 2021 (Netflix)

Der Schock ist groß bei der Astronomie-Studentin Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence) und ihrem Professor Dr. Randall Mindy (Leonardo DiCaprio), als sie einen Kometen entdecken. Der ist nicht nur besonders groß, hat einen Umfang von mehreren Kilometern. Er rast auch noch mitten auf die Erde zu und droht damit, alles Leben auf einen Schlag auszulöschen. Gemeinsam mit Dr. Oglethorpe (Rob Morgan) setzen die beiden alles daran, die Menschen vor dem drohenden Unglück zu warnen. Selbst bis zum Weißen Haus dringen sie dabei vor. Dort stoßen sie jedoch auf Gleichgültigkeit: Weder die Präsidentin Janie Orlean (Meryl Streep) noch ihr Sohn Jason (Jonah Hill), der dort als Stabschef arbeitet, scheinen sich für die Geschichte zu interessieren. Und auch Brie Evantee (Cate Blanchett) und Jack Bremmer (Tyler Perry), die gemeinsam eine beliebte Talk Show moderieren, sind keine große Hilfe …

Satirischer Blick auf die Welt

Inzwischen scheint Adam McKay seine filmische Heimat gefunden zu haben: Satiren, mit denen er politische oder auch gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufs Korn nimmt. Bei The Big Short nahm er mit viel bissigem Witz die Verantwortlichen der Immobilien- und Finanzkrise 2008 in den USA auseinander. Anschließend drehte er Vice – Der zweite Mann, in dem er mit nicht weniger Spott aufzeigte, wie sich Vizepräsident Dick Cheney sein Amt und die Wahrheit zurechtbog, um Macht und Reichtum zu mehren. Beim Netflix-Film Don’t Look Up bleibt er grundsätzlich dieser Richtung treu, zeichnet erneut kein besonders schmeichelhaftes Welt seiner Landsleute. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Werken befasst er sich hierbei aber nicht mit einem konkreten historischen Ereignis, sondern entwirft ein Was-wäre-wenn-Szenario.

Dieses ist dabei so originell nicht. Dass die Erde durch Kometen zerstört werden soll, haben wir schon mehrfach gehabt. Katastrophenfilme wie Armageddon, Deep Impact oder zuletzt Greenland nehmen gern die Bedrohung aus dem All, um auf diese Weise überirdische Helden zu schaffen. Don’t Look Up nimmt nun dieses Szenario, zeigt aber eben nicht, wie die gemeinsame Bedrohung zu großen Taten inspiriert. Stattdessen besteht die Problemlösung hier in erster Linie in Problemleugnung. Wer nicht daran glaubt, dass etwas Schlimmes passieren wird, sieht sich nicht in der Pflicht, etwas dagegen zu tun. Beispiele aus der realen Welt sind inzwischen mehr als genug vorhanden: Ob nun Klimawandel oder Corona, Egoismus und eine grundsätzliche Skepsis gegenüber den Wissenschaften führen zu den bizarrsten und erschreckendsten Reaktionen.

Jahrmarkt der dümmlichen Eitelkeiten

Auch wenn Don’t Look Up auf keiner wahren Geschichte basiert, völlig unmöglich scheint sie nicht. Aus gutem Grund findet sich auf dem deutschen Poster der Hinweis „nach ziemlich möglichen Begebenheiten“. Ob es nun die Politik ist, die nur unter größtmöglichem Druck auf Nöte reagiert, Medien, die selbst angesichts des Weltuntergangs nur auf die Quote schauen, oder das einfache Volk, das aus Prinzip schon dagegen ist, weil es keine Lust hat, auf etwas verzichten zu müssen: Da finden sich viele Reaktionen, die einem bekannt vorkommen. Fakten werden umgeschrieben oder schlicht ignoriert. Mediasternchen nutzen die Gelegenheit, um sich selbst inszenieren. Persönlicher Profit zählt im Zweifel mehr als alles andere, wenn die Wirtschaft selbst das Ende der Welt als Gelegenheit der eigenen Bereicherung wahrnimmt.

Gründe zum Spott gibt es also genug. Mehr als genug sogar. Tatsächlich ist eines der Mankos von Don’t Look Up, dass hier keine Gruppe ausgesucht wurde, die gezielt aufs Korn genommen wird. Vielmehr versuchte sich McKay an einem gesamtgesellschaftlichen Porträt, bei dem praktisch jeder einen Knall hat. Die beiden Hauptfiguren stehen mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit auch deshalb auf verlorenem Posten, weil die ganze Welt nur aus Egoisten und Idioten zu bestehen scheint. Das führt jedoch dazu, dass der Film mehr und mehr aufgeblasen wird und sich irgendwann in lauter Details verliert. Eventuell wollte der Regisseur und Drehbuchautor auch einfach so viele Stars wie möglich unterbringen und baute deshalb eine Vielzahl von Figuren ein, die es gar nicht gebraucht hätte. So oder so: Die Laufzeit von knapp 140 Minuten hätte es hier nicht gebraucht, das zieht sich schon ziemlich.

Ein bisschen plump und zäh

Das andere Problem ist der Humor an sich. McKay war noch nie der große Feingeist, zog im Zweifel das direkte Wort der Anspielung vor, buchstabiert lieber aus, anstatt dem Publikum eine geistige Arbeit zu überlassen. Bei Don’t Look Up ist das aber noch einmal schlimmer. Der Film wirkt so, als hätte jemand den Leitfaden „Satire für Dummies“ genommen und sich daran abgearbeitet. Das kann spaßig sein, phasenweise ist die Komödie das auch ohne Zweifel. Nur ist recht früh alles gesagt, was es zu sagen gibt, danach kommt eine Wiederholung nach der anderen. Obwohl es grundsätzlich sympathisch ist, die groteske Anti-Wissenschafts-Bewegung anzugreifen, die völlig ungeniert eine eigene Welt zusammenbaut: Das erhoffte Highlight ist das hier nicht geworden Man hielt sich da für cleverer, als man es letztendlich ist.

Credits

OT: „Don’t Look Up“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Adam McKay
Drehbuch: Adam McKay
Musik: Nicholas Britell
Kamera: Linus Sandgren
Besetzung: Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Cate Blanchett, Rob Morgan, Jonah Hill, Mark Rylance, Hettienne Park, Tyler Perry, Timothée Chalamet, Ron Perlman, Ariana Grande, Scott Mescudi, Himesh Patel, Melanie Lynskey

Bilder

Trailer

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Stell dir vor, ein Komet droht die Erde zu zerstören und keinen interessiert ist. „Don’t Look Up“ ist eine im Grundsatz sympathische und treffende Satire auf eine Gesellschaft, in der Fakten ignoriert bis geleugnet werden und jeder nur an seinem eigenen Vorteil interessiert ist. Doch so amüsant das phasenweise ist, der Film ist zu lang und aufgeblasen, der Humor ein bisschen plump.
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