A Fire There
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A Fire There

A Fire There
„A Fire There“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Im abgelegenen Bergdorf Gandzani in Südgeorgien, nahe der Grenze zu Armenien, verbringen drei junge Männer, die seit ihrer Kindheit miteinander befreundet sind, ihren Alltag mit relativ wenig Input. Henrikh, Karlen und Hagop haben verschiedene Träume und Vorstellungen, Sorgen und Ängste wie etwa den Ukraine-Krieg oder die immer wieder gewaltvollen Spannungen zwischen Armenien und Aserbaidschan, weswegen sie befürchten, dass in Zukunft auch Krieg in ihrer Region ausbrechen könnte. Innerhalb der vornehmlich armenischen Gemeinschaft des Ortes dominieren Sowjetunion-Nostalgie, Landwirtschaft und starre soziale Strukturen. An sich haben sie nichts gegen das Leben, das sie dort führen, und doch setzt immer wieder Wehmut nach etwas Besserem ein.

Coming-of-Age im Bergdorf

Was machen drei Typen im besten Alter an so einem verlassenen Fleckchen Erde? Ihre Familien und generelle Verwurzelung halten sie dort, ebenso die Landschaft, die Bergluft, die Tiere, die Pflanzen, die Berge. Regisseurin Marlene Edoyan reist in A Fire There an die georgisch-armenische Grenze, um eben dieser Frage nachzugehen, und herauszufinden, was die Jugend in dieser sehr spezifischen Location umhertreibt. Und, naja, Dorfjugend halt: Es gibt viele Traditionen, wenige Perspektiven, kaum Infrastruktur, und zudem in diesem Fall die besondere geopolitische Situation dieses Gebiets; genau Georgien und Armenien verbinden viele Jahre der nationalen Selbstfindung und vor allem -behauptung, der Kriege gegen Nachbarn, auch der Genozid an der armenischen Bevölkerung seitens des Osmanischen Reiches 1915-1916 bleibt als generationsübergreifendes Trauma zurück.

Dies alles wird in Edoyans Film angeschnitten, aber nie tiefgreifender erforscht. Obwohl jedes einzelne dieser Themen mehr als spielfilmfüllend sein könnte, bekommt das Publikum davon nie mehr als ein paar Schnipsel in diversen Konversationen mit. Doch auch das ist das echte Leben: Umringt von all diesen Belastungen, sind diese einschneidenden Ereignisse Teil des Alltags, werden immer wieder in Gesprächen erwähnt, die Menschen leben täglich mit Gedanken darüber im Hinterkopf, und doch muss man sich ja aufs Hier und Jetzt konzentrieren und darf nicht in der Vergangenheit und auch nicht in katastrophalen Szenarien der Zukunft verharren, sondern muss sich um Arbeit kümmern, um die Schafe rund ums Dorf, um die Ernte, um die Familie.

Schöne Bilder, und sonst?

Verständlich ist das alles ja, doch reichen diese Eindrücke aus, um einen Dokumentationsfilm damit zu füllen? Leider nur bedingt. A Fire There ist eine Momentaufnahme aus einer Zeit des Transits in den Existenzen von Henrikh, Karlen und Hagop, an denen alles fließend ist und gleichzeitig stillsteht. Die Wahl der Location ist besonders und ein Alleinstellungsmerkmal, und doch wird eher wenig daraus gemacht; Kontexte werden nicht genügend erläutert, politische und gesellschaftliche Probleme nicht eingeordnet, es gibt schlicht keinen wirklichen Hintergrund innerhalb dieses Films, der dessen Existenz rechtfertigt. Und das heißt nicht, dass so ein Film niemals gemacht werden sollte, im Gegenteil – allerdings hätte er das Potenzial zu mehr als schlicht einem weiteren Coming-of-Age-Slow-Direct-Cinema Vertreter, an denen es Festivals in den letzten Jahren nun wirklich nicht mangelt.

Selbst wenn A Fire There inhaltlich schwächelt, machen dies die wundervollen, poetischen Bilder des Kameramannes Étienne Roussy (fast) wieder wett. Sowohl das georgische als auch armenische Kino stehen in der langen Tradition, eine Augenweide zu sein, sei es Sergei Paradschanows Die Farbe des Granatapfels oder die zahlreichen (Kurz-)Filme Otar Iosselianis. Die Kulturen, die Paysagen, die Farben dieser beiden Länder geben so viel her, dass man an sich nur eine Diashow daraus machen könnte, und es wäre unterhaltsam. A Fire There versucht jedoch, die drei jungen Männer in den Vordergrund zu stellen, was am Ende leider schlicht nicht interessant genug erscheint.

Credits

OT: „Un feu au loin“
Land: Kanada
Jahr: 2025
Regie: Marlene Edoyan
Musik: Mathieu Charbonneau, Christophe Lamarche-Ledoux
Kamera: Étienne Roussy

Bilder

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A Fire There
fazit
Die Kameraführung Étienne Roussys ist der wahre Star in dieser sonst kaum Gravitas tragenden Coming-of-Age-Dokumentation von Marlene Edoyan. Während die Szenerien des georgischen Bergdorfes Gandzani wahrlich wunderschön anzusehen sowie die Gedankengänge und die Situationen der drei Kumpel nachvollziehbar sind, fehlt „A Fire There“ zumindest irgendeine Form von übergeordneter Thematik – was schließlich wieder zur Orientierungslosigkeit der porträtierten jungen Männer passt.
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