Kritik

The Expanding Universe of Ashley Garcia Netflix

„The Expanding Universe of Ashley Garcia – Teil 1“ // Deutschland-Start: 17. Februar 2020 (Netflix)

Wenn es um Naturwissenschaften geht, da macht niemand so leicht Ashley Garcia (Paulina Chávez) etwas vor. Gleich zwei Doktortitel hat sie, mit gerade einmal 15 Jahren. Nur das mit der Lebenserfahrung ist bei ihr nicht ganz so toll, gerade im zwischenmenschlichen Bereich hapert es ein wenig. Doch zum Glück ist ihr Onkel Victor (Jencarlos Canela) da ganz anders. Der Womanizer arbeitet als Football Trainer an einem College und bietet Ashley eine Unterkunft, als sich ihr die Chance bietet, bei der NASA zu arbeiten. Bald dominieren jedoch ganz andere Themen das Leben der Jugendlichen, vor allem als sie Tad (Conor Husting) kennenlernt, der in Victors Team spielt …

Wer etwas von Zahlen versteht, von chemischen Formeln oder physikalischen Gesetzen, der ist mit den Menschen und ihrem irrationalen Verhalten überfordert. Ein Klischee? Womöglich. Aber ein äußerst beliebtes, zumindest im Bereich Film und Fernsehen. Immer wieder trifft man dort auf Nerds, die aus dem Stegreif die Welt erklären können, aber schon an den gewöhnlichsten Situationen scheitern, vor allem wenn das andere Geschlecht in diesen auftauchen sollte. Das wird gerne lustvoll übertrieben, besonders in Komödien, die aus dem Kontrast von Supergenie und Alltagsidiot Kapital schlagen wollen.

Ein Genie in der Pubertät
Business as usual heißt es daher in The Expanding Universe of Ashley Garcia, wenn eine Ausnahme-Ingenieurin aus dem Feld Robotik und Raketen auf einmal feststellt: Upps, da gibt es ja die Menschen da draußen! Vieles von dem, was hier geschieht, nutzt eben diesen beliebten Kontrast. Große Überstunden legte man beim Entwerfen der Geschichten nicht ein. Wobei es zumindest zwei Punkte sind, welche die Netflix-Serie etwas von der Konkurrenz abheben. Da wäre zum einen der Umstand, dass es sich bei dem Genie um einen Teen handelt, was quasi automatisch zu Absurdität führt. Jemanden, der erst 15 Jahre alt ist, mit zwei Doktortiteln auszustatten, das verstärkt natürlich den Eindruck, dass da jemand völlig weltfremd ist.

Außerdem handelt es sich hier eben nicht um einen Jungen, sondern um ein Mädchen. Ein Mädchen auch noch, dessen familiäre Wurzeln lateinamerikanisch geprägt sind. In einer Zeit, in der auf alles verbal Jagd gemacht wird, was auch nur im Verdacht steht, Einwanderer zu sein, ist das natürlich schon ein Statement. The Expanding Universe of Ashley Garcia wendet sich zudem gegen das Klischee, dass Frauen in der Wissenschaft nichts zu suchen haben. Schön ist dabei, mit welcher Selbstverständlichkeit die beiden Serienschöpfer Seth Kurland und Mario Lopez diese Besonderheit behandeln. Da werden nicht umständlich irgendwelche Plädoyers für Gleichberechtigung oder Toleranz eingebaut. Es ist einfach so.

Der ganz normale Alltag einer ungewöhnlichen Jugendlichen
Wobei man sich auch Mühe gab, trotz der außergewöhnlichen Begabung und Intelligenz Ashley wie ein normales Mädchen agieren zu lassen. Dann und wann zeigt sie zwar, warum sie in dem Alter schon eine Anstellung bekommen hat. Die meiste Zeit aber konzentriert sich The Expanding Universe of Ashley Garcia darauf, die alltäglichen Schwierigkeiten der Titelfigur zu zeigen. Schwierigkeiten, welche das etwas jüngere Zielpublikum nur zu gut kennt. Woher merke ich, dass ein anderer mich mag? Woran erkenne ich, welche Gefühle ich selbst habe? Wie kann ich in einer neuen und fremden Umgebung Freunde finden? Was genau bedeutet Freundschaft überhaupt?

Das sind alles ausgesprochen universelle Themen. So universell, dass die Serie des Öfteren ins Beliebige abschweift und die Besonderheit des eigenen Szenarios aus den Augen verliert. Dennoch: The Expanding Universe of Ashley Garcia ist eine durchaus nette Sitcom, welche zwar das Genre nicht revolutioniert, aber kurzweilig genug ist, um durch die acht Folgen zu kommen, welche zum Einstieg vorliegen. Anders als etwa Team Kaylie, das sich zu sehr auf seinen Insta-Star konzentrierte, hat man hier einige sympathische Figuren zusammengetragen, auch die Gags sitzen besser als bei der Inhouse-Konkurrenz. Die Chancen, dass man sich länger an die Geschichten hier erinnern wird, die sind zwar gering, für den Moment reicht das aber aus.

Credits

OT: „The Expanding Universe of Ashley Garcia“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Jody Margolin Hahn, Jonathan Judge, Eva Longoria, Melissa Joan Hart, Jeff Melman
Drehbuch: Seth Kurland, Julie Whitesell, David Kendall, Philippe Iujvidin, Molly Haldeman, Camilla Rubis, Jessica Lopez, Sam Stefanak
Idee: Seth Kurland, Mario Lopez
Musik: Danny Lux, Michael Reola
Kamera: John Simmons
Besetzung: Paulina Chávez, Conor Husting, Bella Podaras, Reed Horstmann, Jencarlos Canela

Bilder

Trailer



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The Expanding Universe of Ashley Garcia – Teil 1
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The Expanding Universe of Ashley Garcia – Teil 1
„The Expanding Universe of Ashley Garcia“ zeigt eine 15-Jährige, die bei Wissenschaften einsame Spitze ist, vom wahren Leben und vor allem von Menschen jedoch keine Ahnung hat. Die Serie nutzt das Klischee, wandelt es ein bisschen ab und ist ansonsten eine nette Teenie-Sitcom über Figuren, die sich mit ganz alltäglichen Problemen herumplagen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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