Die legendaere Kokaininsel The Legend of Cocaine Island Netflix

„Die legendäre Kokain-Insel“ // Deutschland-Start: 29. März 2019 (Netflix)

Wer liebt nicht eine gute, alte Schatzsuche? Verwitterte Karten, unzählige Gefahren, die gemeistert werden müssen, Kisten voller Gold, die beispielsweise ein mysteriöser, Pirat vergraben hat. Dazu gibt es schöne Settings von tropischen Inseln, manchmal auch Dschungellandschaften, in denen sich vergessene Städte alter Zivilisationen finden lassen. Bei Die legendäre Kokain-Insel ist das so ähnlich. Mit dem Unterschied, dass hier eben keine Münzen, Juwelen oder Goldbarren ausgebuddelt werden sollen, sondern Säcke voller Kokain.

Das ist sicherlich nicht ganz so romantisch wie die Schätze der Geschichten, mit denen wir aufgewachsen sind. Dafür aber nicht minder ertragreich: Zwei Millionen Dollar sollen die Drogen wert sein, so heißt es zumindest. Und zwei Millionen Dollar könnte Rodney Hyden gut gebrauchen. Schließlich hat seine Familie einen gewissen Lebensstandard zu verteidigen, was mit dem Einsatz der Rezession schwierig geworden ist. Wenn es für einen guten Zweck ist, wird man schon mal zu einem Drogendealer. Und Swimming Pools und schöne Häuser sind ein verdammt guter Zweck, zumindest für den Mann aus Florida.

Schatzsuche mit Hindernissen
Die Netflix-Doku Die legendäre Kokain-Insel erzählt nun, wie der Mann das aufgeschnappte Gerücht zu barer Münze machen will. Dass er keine Ahnung vom Drogengeschäft hat, hält ihn nicht sonderlich ab. Er muss nur die passenden Leute finden, die ihm bei Details wie Verkauf und Transport helfen – der Schatz soll sich auf der puerto-ricanischen Insel Culebra befinden. Der Rest wird sich schon geben. Das tut es natürlich nicht, wäre das Ganze so simpel, wäre daraus kein Film geworden. Vor allem keiner, in dem Hyden selbst auftritt. Wie oft kommt es schließlich schon vor, dass sich ein Mensch in Freiheit öffentlich einer großen Straftat brüstet, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen?

Die Art und Weise, wie der völlig unerfahrene Möchtegern-Verbrecher an die Sache herangeht, erinnert an American Animals, das – ebenfalls auf einer wahren Geschichte basierend – von vier jungen Männern erzählt, die Bücher aus einer Bibliothek klauen wollten. So wie dort geht auch Regisseur Theo Love mit jeder Menge Humor an die Sache, stellt schon zu Beginn in Frage, was von der Geschichte nun wahr ist und was nicht. Es ist vor allem der menschliche Aspekt, der den Filmemacher interessiert, wenn der Schwerpunkt auf der etwas kuriosen Crew liegt.

Ist doch alles nicht so schlimm!
Dass die Sympathien von Love seinem Protagonisten gelten, daraus macht er keinen Hehl. Damit schlägt der Film in eine ähnliche Kerbe wie die Biopics Barry Seal – Only in America und White Boy Rick, die unlängst die schweren Drogenverbrechen der „Helden“ verharmlosen und sie zu Opfern machen wollten. Hyden wird hier als sympathischer Träumer dargestellt, der einmal nicht so richtig durchdacht hat, was er tut. Ein etwas dicklicher Mann und unverbesserlicher Optimist, der eigentlich nur ein kleiner Junge ist und auch entsprechend behandelt werden muss. Erst zum Schluss gewährt der Film einem ehemaligen Crewmitglied eine Zurückweisung dieser Lesart.

Diese etwas befremdliche Ausblendung der Schwere dieser Straftat ist nicht das einzige, was hier negativ auffällt. Love verliert sich immer wieder in Spielereien, beispielsweise in Zeitlupen. Manchmal hat man das Gefühl, er hätte viel lieber eine Komödie gedreht anstatt eines Dokumentarfilms. Möglicherweise hängen der humorvolle Ton und die diversen Tricks aber auch damit zusammen, dass die Geschichte an sich etwas dünn ist. Zu dünn, um einen kompletten Film damit zu füllen. Die legendäre Kokain-Insel, das auf dem Tribeca Film Festival 2018 Weltpremiere hatte, ist sicherlich unterhaltsam, eine etwas kuriose Form des True Crime Dramas. Aber eben auch ein Film, der gern mehr wäre, als er ist – vergleichbar zu seinem Protagonisten.



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Die legendäre Kokain-Insel
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Die legendäre Kokain-Insel
„Die legendäre Kokain-Insel“ erzählt die wahre Geschichte eines gescheiterten Geschäftsmannes, der mit einem vergrabenen Drogenschatz sein bisheriges Leben weiterfinanzieren möchte. Das ist durchaus unterhaltsam, gerade weil niemand hier wirklich Ahnung von Verbrechen hat, aber auch auf eine befremdliche Weise verharmlosend und letztendlich unnötig verspielt.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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