Marilyn ha gli occhi neri Die Augen von Marilyn Netflix
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Die Augen von Marilyn

Marilyn ha gli occhi neri Die Augen von Marilyn Netflix
„Die Augen von Marilyn“ // Deutschland-Start: 15. März 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Diego (Stefano Accorsi) und Clara (Miriam Leone) haben jede Menge gemeinsam. Da wäre beispielsweise die große Liebe zum Essen. Nicht nur dass sie gerne in der Küche stehen, sie träumen auch davon, gemeinsam ein Restaurant aufzumachen! Die Sache hat nur einen Haken: Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden ist, dass sie psychisch ziemlich angeknackst sind. So wie alle, die in ihrer Einrichtung sind und darauf hoffen, dass ihnen jemand helfen kann. Aber das bedeutet ja nicht, dass man ein wenig träumen kann. Clara tut das so oft und so viel, dass sie selbst nicht mehr genau weiß, was noch real ist. Diego wiederum ist an der Realität jede Menge gelegen, vor allem an seiner Tochter, die er aufgrund seiner schwierigen Lage zu verlieren droht …

Psychische Erkrankung als Unterhaltungsmittel

Das mit der Darstellung von psychischen Erkrankungen in Filmen ist immer so eine Sache. Grundsätzlich ist es natürlich schon begrüßenswert, wenn dieses Thema überhaupt aufgegriffen wird. Zu lange war dieses tabuisiert, fand höchstens in Form verrückter Serienkiller größere Verbreitung. Aber es braucht schon ein gewissen Fingerspitzengefühl, damit diese Darstellung sowohl authentisch wie auch respektvoll ist. Zu oft werden Störungen missbraucht, sei es zu manipulativ-tränenreichen Zwecken oder auch zur puren Unterhaltung. Das Motto: Schaut mal, wie komisch die sind! Zumindest teilweise fällt auch der italienische Netflix-Film Die Augen von Marilyn unter diese Sparte. Zwar gibt es hier durchaus Ernstes, worüber gesprochen wird. Insgesamt ist der Ton dann aber doch heiter.

Ganz geglückt ist das nicht. Fragwürdig ist vor allem die Figur einer Frau, die am Tourette-Syndrom leidet. Wenn diese dauernd irgendwelche komischen Beleidigungen um sich wirft, dann soll das Publikum diese Ausfälle lustig finden. Sind sie aber nicht. Selbst wer darüber hinwegsehen kann, dass dies ein recht billiger und herabwürdigender Humor ist, muss sich darauf einstellen, dass es da keine Abwechslung gibt – weder bei den Ausbrüchen noch den Szenen, in denen sie auftreten. Überhaupt ist Die Augen von Marilyn kein wirklich unterhaltsamer Film, zumindest in der beabsichtigten humoristischen Weise. Die Witze sind da einfach zu schwach, Drehbuchautorin Giulia Louise Steigerwalt ist offensichtlich nicht so wahnsinnig viel eingefallen. Immerhin: Der Film ist einigermaßen zurückhaltend und versucht sich nicht ständig an irgendwelchen Kalauern.

Gemeinsamer Kampf gegen eigene Hindernisse

Besser sieht es aus bei den Szenen, die stärker aufs Gefühl abzielen. Von denen gibt es einige, wenn die beiden Hauptfiguren sich mit der Zeit näher kommen. Das geht schon auch in die romantische Richtung, ohne aber diese völlig in den Mittelpunkt zu stellen. Vielmehr helfen sich die beiden, ihre jeweiligen Situationen besser zu meistern oder dies zumindest zu versuchen. Die Augen von Marilyn ist einer dieser Filme, bei denen die Zuschauer und Zuschauerinnen den Charakteren die Daumen drücken sollen, während sie mit zahlreichen Hindernissen zu kämpfen haben. Der Unterschied: Die Hindernisse sind sie selbst. Klar, auch da draußen ist so manches, das ihnen zu schaffen macht, und sei es eine behördliche Genehmigung, die nicht so einfach zu erhalten ist. Letzten Endes darf das Publikum sich aber fragen: Werden die beiden die Kontrolle über sich und ihr Leben zurückgewinnen?

Das hat nicht die Wucht anderer Filme über verkorkste Menschen, etwa Words on Bathroom Walls. Da strebte man doch eher die Lite-Variante an, die nicht weiter fordert oder gar weh tut. Andererseits muss man hier schon zugutehalten, dass man für die Besetzung nicht einfach wieder zwei Models genommen hat, bei denen die Probleme wie aufgeklebt wirken. Stefano Accorsi (Zuhause ist es am Schönsten) und Miriam Leone (Nonna Mia! – Liebe Ohne Abzüge) gelingt es, das Menschliche hinter der kurios-kaputten Fassade zu finden und dieses mit dem Publikum zu teilen. Das Ergebnis ist eine grundsätzlich angenehme, irgendwie sympathische Tragikomödie, die aber nicht den größten Eindruck hinterlässt. Ein netter Film, den man sich gut nebenher anschauen kann.

Credits

OT: „Marilyn ha gli occhi neri“
IT: „Marilyn’s Eyes“
Land: Italien
Jahr: 2021
Regie: Simone Godano
Drehbuch: Giulia Louise Steigerwalt
Musik: Andrea Farri
Kamera: Matteo Carlesimo
Besetzung: Stefano Accorsi, Miriam Leone, Thomas Trabacchi, Mario Pirrello, Andrea Di Casa, Orietta Notari

Trailer

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Die Augen von Marilyn
Fazit
„Die Augen von Marilyn“ erzählt von zwei psychisch angeknacksten Menschen und dem gemeinsamen Traum von einem Restaurant. Die Humorversuche sind nicht sonderlich erfolgreich, zum Teil auch etwas fragwürdig. Davon abgesehen ist die italienische Tragikomödie ein netter, irgendwie sympathischer Film, von dem nicht so wahnsinnig viel zurückbleibt.
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