60 Minuten Netflix Streamen online
© Reiner Bajo/Netflix

60 Minuten

60 Minuten Netflix Streamen online
„60 Minuten“ // Deutschland-Start: 19. Januar 2024 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Im Ring macht Octavio (Emilio Sakraya) so leicht niemand etwas vor, der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer nimmt es mit jedem auf. Endlich hat er nun die Gelegenheit, dies auch gegen Robert (Aristo Luis) unter Beweis zu stellen. Die Vorfreude ist groß, er hat sich lange darauf vorbereitet. Die Sache hat nur einen Haken: Der Kampf findet am Geburtstag seiner Tochter Leonie (Morik Maya Heydo) statt. Als deren getrennt lebende Mutter Mina (Livia Matthes) ihm damit droht, das gemeinsame Sorgerecht zu entziehen, falls er nicht auftaucht, steht er vor einem Dilemma. An und für sich würde Octavio alles stehen und liegen lassen, Leonie ist ihm wichtiger als der Kampf. Allerdings steht für seinen Manager Paul (Dennis Mojen) und Gangster Chino (Paul Wollin) viel Geld auf dem Spiel. Und bei Geld verstehen die alle keinen Spaß …

Tolle Action made in Germany

Zwar hat die große Goldgräberstimmung bei den Streamingdiensten inzwischen nachgelassen, weshalb auch hierzulande nicht mehr so viel produziert wird wie vor einigen Jahren. Aber es gibt sie, die gelegentlichen hiesigen Produktionen, die aufzeigen wollen, dass Deutschland auch andere Stoffe auf Lager hat. Bei Netflix gab es letztes Jahr beispielsweise den Science-Fiction-Thriller Paradise und den Mystery-Thriller Liebes Kind, zwei Genres, die man bei uns eher selten angeht. Nun kommt mit 60 Minuten ein weiterer Beitrag, der eine Lücke schließt. Denn hier wird in erster Linie Action geboten, wenn anderthalb Stunden lang mit Fäusten oder Waffen gekämpft wird. Da durfte man im Vorfeld neugierig sein. Wie oft sieht man das schon bei einem deutschen Film?

Allerdings war auch etwas Skepsis angesagt, eben wegen fehlender Positivbeispiele. Hinzu kommt, dass Regisseur Oliver Kienle in seiner bisherigen Filmografie keinen Beweis lieferte, für solche Actionkracher geeignet zu sein. So dreht er zuvor, ebenfalls für Netflix, die Liebeskomödie Isi & Ossi. Davor arbeite er an dem Thrillerdrama Die Vierhändige. Das war zumindest ebenfalls ein düsterer Genrefilm, aber nicht sonderlich actionreich. Das Verbrechen, welches am Anfang stand, wurde nur kurz abgehandelt. Umso überraschender ist, wie gut die Kämpfe in 60 Minuten tatsächlich geworden sind. In den letzten Jahren hat sich gerade auch in Hollywood die Unsitte etabliert, statt tatsächlicher Action nur Greenscreen-Hampeleien und Schnittgewitter zu zeigen, die eine Dynamik vortäuschen sollen, wo keine ist. Der deutsche Beitrag hingegen arbeitet mit Leuten, die tatsächlich kämpfen können.

Inhaltlich genügsam

Aushängeschild ist dabei natürlich Emilio Sakraya, der seit einigen Jahren musikalisch wie schauspielerisch auf sich aufmerksam macht. Dass er die Physis für eine solche Rolle mitbringt, hat er zuvor unter anderem in Rheingold demonstriert, wo er den kriminellen Rapper Xatar verkörperte. Während seine dortige Figur aber maximal ambivalent ausfiel, da ist der Fall in 60 Minuten klarer. Sicher hat Ocatavio seine Schwächen, vor allem seine Unzuverlässigkeit macht ihn zu einer echten Herausforderung. Aber der überforderte Vater bleibt Sympathieträger, auch weil fast der gesamte Rest der Figuren schlimmer ist. Vielschichtig sind sie hingegen nicht. Tatsächlich gibt es hier ausschließlich Stereotype, man erinnert sich allenfalls der Besetzung wegen an die einzelnen Figuren.

Allgemein ist das hier inhaltlich sehr dürftig, wenn nicht viel mehr getan wird, als Klischees auf einen Haufen zu werfen. Anfangs sorgt noch der Zeitdruck für Spannung, wenn der Protagonist die titelgebenden 60 Minuten hat, um zur Tochter zu kommen und damit das Unglück noch aufzuhalten. Leider wird das aber frühzeitig wieder aufgegeben, was der ohnehin schon wenig interessanten Geschichte endgültig ihren Reiz nimmt. Wer inhaltliche Ansprüche jeglicher Art hat, ist hier deshalb falsch, selbst geringe Erwartungen werden unterboten. Wem es hingegen allein auf die Action ankommt, der findet hier einen der besseren Genrevertreter der letzten Zeit. Tatsächlich muss sich das Werk nicht vor der internationalen Konkurrenz verstecken, lockt mit brachialen Kämpfen und einigen netten Schauplätzen.

Credits

OT: „60 Minuten“
Land: Deutschland
Jahr: 2024
Regie: Oliver Kienle
Drehbuch: Philip Koch, Oliver Kienle
Musik: Michael Kadelbach
Kamera: Marcus Nestroy
Besetzung: Emilio Sakraya, Dennis Mojen, Marie Mouroum, Florian Schmidtke, Paul Wollin, Morik Maya Heydo, Livia Matthes

Bilder

Trailer

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60 Minuten
fazit
Inhaltlich ist „60 Minuten“ nicht zu gebrauchen. Und doch ist der Actionfilm über einen Vater, der wortwörtlich darum kämpft, rechtzeitig zum Geburtstag seiner Tochter zu kommen, sehenswert. Ausnahmsweise wird hier mal nicht nur so getan, als würde etwas geschehen. Das kampferfahrene Ensemble zeigt, dass Genrebeiträge aus Deutschland tatsächlich nach etwas aussehen können.
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