Ollies Odyssee Lost Ollie Netflix
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Ollies Odyssee Lost Ollie Netflix
„Ollies Odyssee“ // Deutschland-Start: 24. August 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Der Plüschhase Ollie hat auch schon mal bessere Tage gesehen. Das glaubt er zumindest. So richtig erinnern kann er sich nicht. Er hat auch keine Ahnung, was ihn in den Gebrauchtwarenladen geführt hat, in dem er zu sich kommt. Er weiß nur, dass er eigentlich dem Jungen Billie (Kesler Talbot) gehört. Also macht er sich auf den Weg, wieder zu ihm und seinen Eltern (Gina Rodriguez, Jake Johnson) zurückzufinden, die irgendwo schon auf ihn warten. Einfach ist das nicht, da sein Gedächtnis voller Lücken ist und nur Bruchteile übrig sind. Doch zum Glück gibt es noch den Spielzeugclown Zozo, der sich gemeinsam mit seiner rechten Hand Rosy bereit erklärt, ihm bei seiner Odyssee zu helfen, wo immer diese auch hinführen mag …

Ein vergesslicher Plüschhase will nach Hause

Gleiches Recht für alle! Nachdem diesen Monat bereits Halbtote (The Dead Center), verunglückte Schülerinnen (Alma), Reisende (The Tourist: Duell im Outback) und Weltraumkriminelle (Solitary – Gefangen im All) ihr Gedächtnis verloren haben, da hat ein kleiner Plüschhase in diesem Sommer des Vergessens gerade noch gefehlt. Wie bei den zahlreichen zuletzt veröffentlichten Titeln, so beginnt auch die Netflix-Serie Ollies Odyssee damit, dass die Hauptfigur ohne Erinnerungen zu sich kommt. Mal ist alles weg, selbst die Identität der betroffenen Figur. Bei anderen sind immerhin noch Bruchstücke übrig. So auch bei Ollie, dem zumindest noch das Grundszenario seines Daseins bewusst ist: Er ist ein Spielzeug, das einem Jungen gehört. Nur wo ist dieser Junge? Und was ist mit ihm selbst geschehen, dass er an diesem Ort zu sich kommt?

Wie bei den obigen Beispielen gibt es auch bei Ollies Odyssee einen größeren Mystery-Anteil. Gemeinsam mit der Hauptfigur bzw. den beiden anderen Spielzeugen, die ihn begleiten, begibt sich das Publikum auf eine große Reise, an deren Ende die Lösung aller Rätsel steht. Die Zielgruppe ist dabei deutlich jünger angesetzt als bei den obigen Thrillern. Es gibt auch keine Bösewichter oder andere bedrohlichen Figuren, vor denen unser Trio auf der Flucht ist. Die Spannung ist damit quasi notgedrungen auf einem niedrigeren Niveau. Denn darum geht es gar nicht zwangsläufig. Die eigentlichen Themen von William Joyce, auf dessen Kinderbuch Die Abenteuer des Ollie Glockenherz die Serie basiert, sind andere.

Ein Wunderwerk zwischen Glück und Trauer

Es dauert aber eine Weile, bis klar wird, welche das sind. Das liegt auch an der Erzählstruktur: Ollies Odyssee wechselt immer wieder zwischen zwei Strängen hin und her. Der gegenwärtige zeigt Ollie, wie er mit Zozo und Rosy durch die Gegend irrt, immer auf der Suche nach irgendwelchen Hinweisen, die sie näher zu Billie führen. Das hat ein bisschen etwas von einer Schnitzeljagd, wobei die einzelnen Spuren dem brüchigen Gedächtnis des Plüschhasen erst entlockt werden müssen. Der andere Strang folgt dem Jungen selbst und erzählt aus dessen Alltag. Dass die beiden Stränge irgendwann zusammenfinden ist klar. Regisseur Peter Ramsey (Spider-Man: A New Universe) lässt sich dabei jedoch vier Folgen Zeit, bis wirklich alle Puzzleteile ihren Platz gefunden haben. Das meiste wird man, zumindest als erwachsener Mensch, zwar schon vorher erschlossen haben. Ein Manko ist das aber nicht, vielmehr hat man hier die Zielgruppe fest im Blick.

Doch auch den Kinderschuhen entwachsen, darf man bei dieser ganz eigenen Abenteuerreise leuchtende Augen bekommen. Das liegt einerseits an der umwerfenden Optik: Es gelang dem Team meisterhaft, die auf realen Spielzeugpuppen basierenden Figuren mittels Computer zum Leben zu erwecken. Wie hier Technologie und Herz in Einklang gebracht werden, das muss man erst einmal schaffen. Aber auch der Inhalt kann Spuren in den Augen hinterlassen, wenn die Geschichte einem immer mal wieder Tränen abverlangt – mal aus Rührung, mal aus Schmerz. Glück und Trauer liegen hier eng beieinander. Natürlich, ganz ohne Pathos geht es hier nicht. Dennoch ist es bemerkenswert, wie offen die Serie schwierige Themen anspricht, die sich mit dem Aufwachsen befassen, mit Trauer und Tod, aber auch Zusammenhalt. Losgelöst von dem Wohlfühlkitsch, der in solchen Produktionen immer droht, ist Ollies Odyssee ein echter Höhepunkt im Angebot des Streamingdienstes, das zu oft auf Algorithmen und zynische Berechnung basiert, anstatt sich um Geschichten zu bemühen. Auch wenn hier unzählige Vergleiche bemüht werden können, allen voran natürlich Toy Story: Es gelingt bei diesem Abenteuer, das Universelle und das Persönliche zu einer ganz eigenen Vision zusammenzuführen.

Credits

OT: „Lost Ollie“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Peter Ramsey
Drehbuch: Shannon Tindle, Joanna Calo, Marc Haimes, Kate Gersten
Idee: Shannon Tindle
Vorlage: William Joyce
Musik: Scot Stafford
Kamera: C. Kim Miles
Besetzung: Kesler Talbot, Gina Rodriguez, Jake Johnson

Bilder

Trailer

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Ollies Odyssee
Fazit
„Ollies Odyssee“ ist ein echter Höhepunkt, wenn ein von Gedächtnislücken geplagter Plüschhase den Jungen sucht, dem er gehört. Klar gibt es viele Filme und Serien, die als Vergleiche herangezogen werden können. Und doch ist die auf zwei Zeitebenen erzählte Mischung aus Realszenen und animierten Figuren das Ergebnis einer ganz eigenen Vision, die einen staunen lässt und zugleich schwer zu Herzen geht.
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