Kritik

Teenage Bounty Hunters Netflix

„Teenage Bounty Hunters – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 14. August 2020 (Netflix)

Eigentlich sind die Zwillingsschwestern Sterling (Maddie Phillips) und Blair Wesley (Anjelica Bette Fellini) zwei ganz normale Schülerinnen, die in einem streng religiösen Haushalt aufwachsen. Bis zu jenem Tag, als sie versehentlich in ein Auto krachen und auf diese Weise einen gesuchten Mann aufhalten. Denn dadurch machen sie die Bekanntschaft von Bowser Simmons (Kadeem Hardison), einem mal mehr, mal weniger erfolgreichen Kopfgeldjäger. Nach anfänglichen Meinungsverschiedenheiten beschließen die drei, in Zukunft gemeinsame Sache zu machen, denn das Geld, das man dabei verdienen kann, das können sie alle drei gut gebrauchen. Ganz einfach ist die neue Nebentätigkeit der Jugendlichen jedoch nicht, zumal niemand sonst von ihr erfahren darf …

Kopfgeldjäger stellt man sich gern als knallharte Männer vor, mit vielen Muskeln, noch mehr Waffen und einem Coolness-Faktor, der einen schon vom Zusehen her erfrieren lässt. Das wusste natürlich auch Kathleen Jordan, als sie ihre Serie entwickelte und mit der Netflix-Produktion Teenage Bounty Hunters das genaue Gegenteil vorführte. Teenagerinnen aus einem streng religiösen Umfeld, die so ziemlich nichts in ihrem Leben erfahren haben? Wie soll das denn gehen? Doch es funktioniert, sowohl innerhalb der zehn Folgen, welche die Abenteuer der beiden Schwestern festhalten, wie auch beim Publikum, das hier ein ums andere Mal überrascht wird.

Moment, wovon redet ihr da?
Die erste betrifft die Schwestern selbst. Der Titel Teenage Bounty Hunters lässt eigentlich auf eine dieser kreuzbraven Familienproduktionen schließen, in denen junge Protagonisten und Protagonistinnen sich als Helden beweisen dürfen – siehe etwa Spy Kids. Stimmt aber nicht. So demonstrieren die beiden gleich zu Beginn, dass sie zwar über nur wenige sexuelle Erfahrungen verfügen, dies aber schnellstmöglich ändern wollen. Nicht grundlos war ein Arbeitstitel der Serie Slutty Teenage Bounty Hunters. Aber auch sonst werden immer wieder Themen angeschnitten, die man in einem solchen Umfeld nicht erwarten würde, von Rassismus über Homosexualität bis zu Bigotterie.

Teenage Bounty Hunters tut dies zunächst auf eine humorvolle Weise. Tatsächlich ginge die Serie in der ersten Hälfte an diversen Stellen als Satire durch. Ganz konsequent verfolgt wird das aber nicht. Wo andere Satiriker oft doch eine bestimmte Aussage verfolgen, damit verbunden der Wunsch, etwas an den Umständen zu ändern, da scheint man hier lediglich damit Spaß haben zu wollen und bleibt entsprechend lieber an der Oberfläche, ohne groß Wellen schlagen zu wollen. Verbunden werden diese kurzen Einblicke in die amerikanischen Abgründe nämlich immer wieder mit Gags, die zwischen albern und absurd wechseln. Das betrifft einerseits das besagte Szenario, das so bescheuert ist, dass das alleine schon unterhält. Das Drehbuchteam hatte zusätzlich aber noch ein paar andere skurril-unsinnige Einfälle, die es mit dem Publikum teilen wollte.

Aus Spaß wird Ernst
Umso überraschender – mal wieder – ist der plötzliche Sinneswandel, den die Serie im weiteren Verlauf zeigt. Anstatt weiter auf die episodisch angelegten Aufträge zu setzen, konzentriert sich Teenage Bounty Hunters dann stärker auf die Figuren. Ansätze dafür gibt es zwar von Anfang an. Dennoch ist es irritierend, wie hier auf einmal eine Themenverschiebung stattfindet. Zumal sie mit einer Genreverschiebung einhergeht: Auf einmal bewegt sich der Netflix-Titel überwiegend im Dramabereich, handelt nach und nach die üblichen Problematiken ab, die es in diesem Segment immer gibt, und verbindet sie mit den Themen, die ursprünglich nur satirisch gebraucht wurden. Jetzt aber in ernst.

Das ist schon irritierend, vielleicht auch enttäuschend, kann dem positiven Gesamteindruck aber nicht ernsthaft schaden. Denn irgendwie passt es auch zu einer Serie, die ständig etwas anders macht, als man erwartet hat, dass sie sich solchen Stimmungsschwankungen hingibt. Nah am Alltag und doch irgendwie gaga, komplett verspielt, dabei mit dem Herzen dabei. Tatsächlich rund ist die Mischung nicht, dafür aber unterhaltsam und mit einem schrägen Charme. Das wird naturgemäß nicht allen gefallen, es gibt vieles, an dem man sich hier stören kann. Im Meer der ewig gleichen Teenie-Serien, welche gerade bei Netflix herumschwappen, ist dieser ungewöhnliche Zugang aber erfrischend eigen.

Credits

OT: „Teenage Bounty Hunters“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Jesse Peretz, Mark A. Burley, Andrew DeYoung, Lauren Morelli, Rebecca Asher, Angela Barnes Gomes, Diego Velasco, Stephanie Laing, Stephen Falk, Nick Sandow
Drehbuch: Kathleen Jordan, Robert Sudduth, Shane Kosakowski, Aziza Barnes, Zoë Jarman, Earl Davis, Megan King Kelly, Tara Herrmann, Jenji Kohan
Idee: Kathleen Jordan
Musik: Jonathan Sanford
Kamera: Michael Berlucchi
Besetzung: Maddie Phillips, Anjelica Bette Fellini, Kadeem Hardison, Virginia Williams, Mackenzie Astin, Spencer House, Devon Hales, Myles Evans

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Teenage Bounty Hunters – Staffel 1
„Teenage Bounty Hunters“ erzählt, wie der Titel verrät, von jugendlichen Kopfgeldjägern. Die Serie ist dabei so, wie man es erwartet, gleichzeitig ganz anders, mischt Satire und Melodram, ausgelassene Albernheit und ernste Themen auf eine Weise, die sicherlich nicht ganz stimmig ist, aber so eigen und charmant, dass sie in mehrfacher Hinsicht überrascht.
7von 10

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