Purple Hearts Netflix
© Netflix/Hopper Stone/Mark Fellman

Purple Hearts

Purple Hearts Netflix
„Purple Hearts“ // Deutschland-Start: 29. Juli 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Cassie Salazar (Sofia Carson) hat einen Traum: Sie möchte als Sängerin richtig groß durchstarten! Bislang halten sich ihre Erfolge aber sehr in Grenzen. Anstatt im Ruhm zu baden, schwimmt sie in Schulden – umso mehr seitdem die Versicherung die Kosten für ihre Diabetes-Behandlung nicht mehr tragen will. Aber vielleicht gibt es ja einen Ausweg aus der Misere? Sollte sie ihren alten Freund Frankie (Chosen Jacobs) heiraten, bevor er mit den Marines in den Irak geht, käme sie in den Genuss zahlreicher Vorteile und staatlicher Unterstützungen. Der lehnt daraufhin zwar ab, auch mit dem Hinweis auf seine Freundin. Doch dafür springt deren Kamerad Luke Morrow (Nicholas Galitzine) ein, der selbst ganz dringend Geld braucht, um Schulden bezahlen zu können. Gemeinsam wollen sie sich die finanzielle Hilfe erschleichen. Einfach ist das nicht, müssen sie doch so tun, als würden sie sich wirklich lieben. Dabei sind sie eigentlich grundverschieden und geraten bei jeder Situation aneinander …

Interessanter Ansatz für Diskussionen

An Liebesgeschichten mangelt es auf Netflix bekanntlich eher nicht. Selbst außerhalb der Hochphasen Valentinstag und Weihnachten, wenn jede Woche neue Titel mit romantischen Absichten veröffentlichen werden, bringt der Streamingdienst regelmäßig Nachschub für Ausgehungerte. Zuletzt gab es beispielsweise die Jane Austen Adaption Überredung und das sommerliche Unter der Sonne Amalfis. Mit Purple Hearts steht nun der nächste Versuch an, die Herzen der Zuschauer und Zuschauerinnen zu erobern. Eines muss man dem Drama dabei auch lassen: Das Szenario ist nicht ganz alltäglich. Nur weil etwas anders ist, ist es aber nicht besser. Oder gut. Es reicht ja nicht einmal für Durchschnitt.

Dabei hat die Adaption des gleichnamigen Romans von Tess Wakefield durchaus inhaltlich interessante Ansätze. Dass in einem Liebesfilm zwei Menschen aufeinanderstoßen, die auf den ersten Blick völlig inkompatibel sind, das ist zwar nichts Ungewöhnliches. Es entspricht vielmehr einem der ältesten Tricks, dass sich zwei erst streiten und dann lieben. Wenn aber ein Soldat und eine pazifistische Liberale ein Paar bilden sollen, dann lässt das einige kontroverse Gespräche erwarten. Die gibt es in Purple Hearts auch, jedoch nur am Anfang und ohne jeglichen Tiefgang. Ob Krieg ein notwendiges Übel ist oder der Ausdruck nationaler, menschenverachtender Arroganz – durchaus immer eine Diskussion würdig – wird nie abschließend geklärt. Man redet einfach nicht mehr darüber.

Anstrengend und unsympathisch

Auch eine andere Diskussion wird nie wirklich geführt: Ist das marode Gesundheitssystem der USA moralische Begründung genug, um den Staat betrügen zu dürfen? Denn zumindest das haben die beiden Hauptfiguren gemeinsam: Sie haben keinerlei Bedenken, Tausende von US-Dollar zu stehlen. Selbst als später Cassie als Sängerin durchstartet und zu einer richtigen Sensation wird, ist nie die Rede davon, ob das richtig ist, was sie tun. Das ist insofern schwierig, weil Purple Hearts vom Publikum will, dass es mit den beiden mitfühlt. Wenn sie durch andere Stärken diesen Punkt ausgleichen würden, wäre das vertretbar. Ein bisschen Ambivalenz hat noch keiner Figur geschadet. Cassie und Luke sind aber allgemein so anstrengende und unsympathische Figuren, dass nie ganz klar wird: Warum sollte ich den beiden die Daumen drücken?

Damit einher geht die zweite Schwierigkeit: Es wird nie klar, was die beiden aneinander finden. Natürlich sind Sofia Carson (Feel the Beat) und Nicholas Galitzine (Handsome Devil) attraktive Menschen. Für einen Film, der von ganz tiefen Gefühlen erzählen will, ist das aber ein bisschen wenig. Wenn zum Ende hin persönliches Leid instrumentalisiert wird und einige zwischenmenschliche Beziehungen sich sehr plötzlich zum Guten wenden, darf man auch das eine oder andere Fragezeichen setzen. Oder man lässt es gleich bleiben: Purple Hearts versagt als Romanze ziemlich. Die Power Balladen, welche Cassie singt und die ganz persönlich sein sollen, sind ebenso seelenlos wie der Rest des Films.

Credits

OT: „Purple Hearts“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Elizabeth Allen Rosenbaum
Drehbuch: Liz W. Garcia, Kyle Jarrow
Vorlage: Tess Wakefield
Kamera: Matt Sakatani Roe
Besetzung: Sofia Carson, Nicholas Galitzine, Chosen Jacobs, John Harlan Kim, Kat Cunning, Linden Ashby

Bilder

Trailer

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Purple Hearts
Fazit
„Purple Hearts“ beginnt mit einem potenziell interessanten Szenario, wenn ein Soldat und eine pazifistische Liberale ein Paar bilden wollen, um den Staat zu betrügen. Draus gemacht wird nichts. Die Diskussionen werden frühzeitig erstickt, auch die Romanze an sich wird nie fühlbar, weil nie klar wird, was genau sie aneinander finden sollen.
Leserwertung488 Bewertungen
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von 10