Kritik

Der Moerder in Aaron Hernandez Killer Inside The Mind of Aaron hernandez Netflix

„Der Mörder in Aaron Hernandez“ // Deutschland-Start: 15. Januar 2020 (Netflix)

Neben Spielfilmen und Serien gehören Dokus zum Grundstock der Erfolgsgeschichte von Netflix. Die thematische Auswahl ist dabei riesig, ein Bereich erfreut sich aber immer einer besonderen Beliebtheit: True Crime Dokus. Die fallen grundsätzlich in zwei Kategorien. Die einen Titel nehmen sich einen ungelösten Fall vor, meistens einen Mord, und gehen verschiedenen Spuren nach (Wer hat den kleinen Grégory getötet?). Andere wiederum widmen sich lieber einem konkreten, manchmal mutmaßlichen Verbrecher und erzählen dessen Geschichte, so wie es beispielsweise Geständnisse eines Mörders oder I Am a Killer getan haben.

Der Mörder in Aaron Hernandez fällt nun ebenfalls in diese zweite Kategorie. Hierzulande dürfte der Name eher wenigen Leuten geläufig sein, in den USA war die Geschichte um den American Football Spieler aber ein großes Thema. Drei Jahre spielte er für die New England Patriots in der National Football League (NFL), bis er plötzlich des Mordes an Odin Lloyd angeklagt wurde, ein semiprofessionaler Spieler, der mit der Schwester von Hernandez’ Verlobten liiert war und tot in der Nähe von dessen Villa aufgefunden wurde. In einem Prozess wurde der Football-Star später des Mordes für schuldig gesprochen. Eine zweite Anklage zu einem separaten Doppelmord führte hingegen zu einem Freispruch aus Mangel an Beweisen.

Schwierige Suche nach dem Motiv
Dass Hernandez Lloyd ermordet hat oder zumindest unmittelbar daran beteiligt war, das wird von den wenigsten angezweifelt. Die Frage nach dem „warum“, die ist hingegen nach wie vor nicht befriedigend gelöst. Der Mörder in Aaron Hernandez macht sich deshalb auf die Spurensuche, versucht den Menschen hinter dem Football-Helm zu rekonstruieren und eine Erklärung zu finden, weshalb ein Mensch, der Erfolg, Reichtum, Ruhm, eine Verlobte und ein Kind hat, also eigentlich alles, auf einmal jemanden ermordet. So richtig plausibel ist das schließlich nicht. Tatsächlich ist das Fehlen eines eindeutigen Motives bis heute der Punkt, der einen immer wieder an der Geschichte zweifeln lässt.

Eine tatsächliche Antwort findet Der Mörder in Aaron Hernandez nicht. Vielmehr geht die Dokuserie zwei hauptsächlichen Spuren nach, die eine Rolle gespielt haben könnten. Die eine betrifft die mutmaßliche Homosexualität des Spielers. Darüber wurde immer mal wieder gemunkelt, zuletzt sogar in der Öffentlichkeit. Bei der anderen handelt es sich um wiederkehrende Kopfverletzungen, die Hernandez während der Spiele davongetragen hat und die eventuell sein Gehirn derart in Mitleidenschaft zogen, dass dies möglicherweise Auswirkungen auf seine Persönlichkeit hatte. So hieß es, dass er irgendwann krankhaft paranoide Züge entwickelte.

Wichtige Themen, offenen Fragen
Ist ein solcher Mensch dann noch für sein Verhalten verantwortlich? Hätte das Ganze vielleicht irgendwie verhindert werden können? Das sind nur zwei der vielen Fragen, welche in Der Mörder in Aaron Hernandez aufgeworfen, letztendlich aber nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Anders als der englische Originaltitel Killer Inside: The Mind of Aaron Hernandez impliziert, gelingt es der Serie nicht, tatsächlich einen Blick in den Kopf des verstorbenen Spielers zu werfen. Es wird gemutmaßt, spekuliert, auch mit Unterstützung von Nahestehenden, die etwas über ihn zu erzählen haben. Doch bis zum Schluss bleibt der Sportler ein Phantom, das nicht eingefangen werden kann.

Wer sich allein für den kriminologischen Aspekt interessiert, für den ist das hier dann auch weniger befriedigend. Weder wird der Tathergang noch das Motiv ausreichend aufgeklärt, letztendlich weiß man am Ende trotzdem nicht, was genau passiert ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Serie nicht auf ihre Weise sehenswert wäre. Zum einen ist natürlich der Blick in die Abgründe immer irgendwo faszinierend, wenn hinter einer Erfolgsgeschichte eine ganz andere wartet. Zudem spricht die Netflix-Produktion gleich zwei Tabuthemen im Profisport an: Homosexualität und Gesundheit. In dem Zusammenhang werden auch diverse andere Schicksale in den Mittelpunkt gerückt, denn Aaron Hernandez war kein Einzelfall. Er ist vielmehr das erschreckendste Beispiel, was alles geschehen kann in einem System, das sich wenig für die Menschen interessiert und der Profit über allem steht.

Credits

OT: „Killer Inside: The Mind of Aaron Hernandez“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Geno McDermott
Musik: Jeremy Turner

Bilder

Trailer



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Der Mörder in Aaron Hernandez
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Der Mörder in Aaron Hernandez
„Der Mörder in Aaron Hernandez“ versucht herauszufinden, wie der NFL-Spieler zu einem Verbrecher werden konnte. Das bleibt sehr spekulativ, viele Fragen sind am Ende doch unbeantwortet. Dafür spricht die True Crime Doku zwei Tabuthemen des Profisports an, die noch viel mehr Opfer erfordern – selbst wenn das Ergebnis weniger spektakulär ausfällt als hier.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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