Inhalt / Kritik

Liebe2 Squared Love Milosc do kwadratu Netflix

„Liebe²“ // Deutschland-Start: 11. Februar 2021 (Netflix)

Bei Enzo (Mateusz Banasiuk) läuft es gerade nicht so toll. So wurde er von seiner Freundin aus der Wohnung geworfen und muss deshalb erst einmal bei seinem Bruder (Krzysztof Czeczot) unterkommen. Der Deal: Enzo kümmert sich um Haushalt und Tochter Alicja (Agnieszka Zulewska), dafür darf er bleiben. Richtig gut ist er darin nicht, ist es der Frauenheld doch nicht gewohnt, auf andere achten zu müssen. Richtig kompliziert wird es aber, als er Alicjas Lehrerin Monika (Adrianna Chlebicka) und das Model Klaudia (ebenfalls Adrianna Chlebicka) kennenlernt und nach einem schwierigen Anfang für beide Gefühle entwickelt, ohne zu wissen, dass es sich um dieselbe Frau handelt. Und auch sonst darf niemand etwas von Monikas Zweitberuf wissen, den sie ausübt, um die Schulden ihres Vaters zu bezahlen …

Wo steckt die Liebe?

Netflix ist bekanntlich nie darum verlegen, wenn es darum geht, Festtage zum eigenen Vorteil zu nutzen und massenhaft entsprechende Titel zu veröffentlichen. Weihnachten und Halloween sind die offensichtlichsten Kandidaten, wenn man sich vor Horrortiteln und Familienkomödien kaum noch retten kann. Normalerweise zählt auch der Valentinstag dazu, wird zum Anlass, eine ganze Reihe romantischer Filme und Serien ins Programm aufzunehmen. 2021 ist das irgendwie anders. Der letzte Paradiso und Malcolm & Marie handeln zwar von Beziehungen, tun das aber nicht unbedingt auf eine werbewirksame Weise. Vielmehr überzeugen sie einen davon, dass das Singledasein vielleicht doch besser ist. Und so stehen mit Liebe2 und To All The Boys: Always and Forever gerade mal zwei der üblichen Liebeskomödien an, die der Streamingdienst ansonsten ständig ausspuckt.

Das zuerst veröffentlichte Liebe2 kann man sich zudem gleich direkt sparen. Die erwähnenswerteste Erkenntnis ist, dass auch in Polen, wo Netflix zuletzt diverse eher düstere Titel eingekauft hat, harmlose und belanglose Berieselung produziert wird. Denn mehr als das springt hier nicht heraus. Das darf man natürlich mögen, vor allem in Zeiten, in denen irgendwie alles zu einem Problem wird und ein reguläres Leben in weite Ferne gerückt ist, kann oberflächlicher Eskapismus gut tun. Man sollte nur nicht erwarten, in dem Film irgendetwas zu sehen, das auch nur im Entferntesten mit realen Gefühlen zu tun hat oder mit Charakteren, welche die Bezeichnung verdienen.

Alles wie immer

Dabei wirft das Drehbuchduo Wiktor Piatkowski und Marzanna Polit zwei größere inhaltliche Elemente zusammen. Das eine ist, wie ein oberflächlicher Frauenheld, der das mit den Bindungen und der persönlichen Verantwortung, nicht so ernst nimmt, auf einmal doch in seine Rolle hineinwächst. Zu dem Zweck wird er etwas umständlich an seine Nichte Alicja gekoppelt und muss sich irgendwie um diese kümmern und dadurch zu einem besseren Menschen werden. Sowas kann man dann rührend finden oder ziemlich langweilig, das Motiv wurde in Filmen nun nicht gerade selten verwendet. Außerdem wird damit in Liebe2 mal wieder eine recht konservative Auffassung von Partnerschaft und Familie propagiert.

Etwas interessanter ist das Motiv des Doppellebens, wenn Monika einerseits die brave Lehrerin, gleichzeitig das etwas verruchte Model gibt. Dass sie diese Täuschung erfolgreich aufrecht erhält und Enzo sich in beide Frauen verliebt, ist natürlich nicht so wahnsinnig glaubwürdig. Andererseits haben beispielsweise gerade Comics und deren Adaptionen mit solchen nicht minder grotesken Geheimidentitäten gearbeitet. Dieses Prinzip auf eine Liebeskomödie anzuwenden, die eh nicht realistisch sein will – warum nicht? Man hätte daraus natürlich sogar ein parodistisches Element machen können, welches diesem Motiv mit Ironie begegnet. Das wollte aber offensichtlich niemand, vielleicht kam man bei Liebe2 auch einfach nicht auf die Idee.

Klischees im Quadrat

Allgemein fehlt es an Ideen, fehlt es an tatsächlichen Witzen, die einen zum Lachen bringen. Enttäuschend ist vor allem, dass Liebe2 aus der Idee der zwei grundverschiedenen Frauen, die ein und dieselbe sind, so gar nichts rausholt. Es gibt keine komischen Verwechslungen, keine Überlegungen zu Identität, auch am Frauenbild wird nicht gerüttelt. Die dürfen zwar immerhin klug sein und etwas sagen. Aber nur, wenn sie dann auch wie ein Model aussehen. Anstatt mit Klischees zu spielen, werde diese bestätigt. Schlimmer noch: Durch die Kombination aus Familienläuterung und Liebeskomödie gibt es hier Klischees im Quadrat. Wer sich daran nicht stört oder besser noch so etwas sogar will, nicht mehr braucht als ein gut aussehendes Happy End, der kann hier von wahren Gefühlen nach der Standardprozedur träumen und im Anschluss alles wieder vergessen.

Credits

OT: „Milosc do kwadratu“
IT: „Squared Love“
Land: Polen
Jahr: 2021
Regie: Filip Zylber
Drehbuch: Wiktor Piatkowski, Marzanna Polit
Besetzung: Adrianna Chlebicka, Mateusz Banasiuk, Agnieszka Zulewska, Krzysztof Czeczot, Miroslaw Baka, Tomasz Karolak

Trailer

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Liebe²
In „Liebe²“ muss ein Frauenheld erkennen, worauf es im Leben wirklich ankommt, und verliebt sich dabei in zwei grundverschiedene Frauen, die doch dieselbe sind – was aber niemand wissen darf. Die Liebeskomödie mischt zu dem Zweck zahlreiche Klischees zusammen, hat mit wahren Gefühlen oder tatsächlichem Witz wenig zu tun. Was bleibt, ist seichte Berieselung, die nichts aus den eigenen Themen macht.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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