The Pentaverate Netflix
© Zoe Midford/Netflix

The Pentaverate

The Pentaverate Netflix
„The Pentaverate“ // Deutschland-Start: 5. Mai 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Nuklearphysiker Dr. Hobart Clark (Keegan-Michael Key) wird von der im Verborgenen agierenden Organisation The Pentaverate entführt, welche seit der Pest 1347 versucht, die Geschicke der Welt zu lenken, und sich von anderen Geheimverbünden dadurch unterscheidet, dass sie nett ist. Vorstandsmitglied Jason Eccleston ist gestorben und muss durch ihn ersetzt werden, wie Clark von den restlichen Vorsitzenden Bruce Baldwin, Shep Gordon, Mishu Ivanov und Lord Lordington (gesamter Vorstand: Mike Myers) erfährt. Nachdem Clark sich mit den Umständen abgefunden hat, findet er schon bald die Lösung für den Klimawandel. Parallel dazu findet der für Ermittlungen hinzugerufene Maester of Dubrovnik (Jennifer Saunders) heraus, dass Eccleston nicht einfach nur starb, sondern ermordet wurde. Kurz darauf ergeht es Clark und schließlich auch dem Maester nicht anders. Währenddessen verliert Ken Scarborough (einmal mehr Myers) seinen Job als lokaler Reporter, stößt aber bald auf Hinweise den Geheimbund und hofft, mit einer Enthüllungsstory wieder ins Geschäft einzusteigen …

Ein Comeback aus dem Nichts

Wenn nach der Eröffnungssequenz von The Pentaverate die Einblendungen „created by MIKE MYERS“ und „written by MIKE MYERS“ erscheinen, ist das für Fans des in gewissen Kreisen in Ungnade gefallenen Kanadiers ein beinahe nicht in Worte zu fassender, ganz surrealer Moment. Das sind Einblendungen, von denen seit 2008 wohl niemand mehr zu hoffen wagte, sie jemals wieder zu lesen. Mit dem seinerzeit erschienenen Der Love Guru hatte sich Myers bei den Kritikern ins Aus geschossen. Nach einem kleineren Auftritt in Inglourious Basterds im Folgejahr und natürlich als Stimme des Protagonisten in Für immer Shrek im Jahre 2010, wurde es ziemlich still um ihn. 2018 übernahm er eine Rolle in Terminal – Rache war nie schöner, welcher mehr Schein als Sein war. Im selben Jahr tauchte er in Bohemian Rhapsody auf, in welcher er eine Anspielung auf Wayne’s World machen durfte, und angesichts der Tatsache, was das gleichnamige Lied für ihn bedeutet, ist es auch kaum vorstellbar, dass diese Rolle irgendjemand anderem hätte angeboten werden können. Dennoch hätte niemand damit rechnen können, dass Mike Myers ein richtiges Comeback haben würde.

Zahlreiche Mike Myers Anspielungen

The Pentaverate enthält zahlreiche Anspielungen auf andere Werke, an denen Myers beteiligt war. Am offensichtlichsten ist sicher der obskure Auftritt des Ogers Shrek, dem Myers seine Stimme lieh (im entsprechenden Franchise wie auch hier in seiner neunten Rolle), während andere Allusionen schon eine genauere Detailkenntnis verlangen. So ist etwa ein bestimmter Witz beinahe verbatim aus Austin Powers in Goldständer übernommen, außerdem ist einer der von Myers verkörperten Charaktere, Shep Gordon, eine tatsächlich existierende Persönlichkeit, welche in Supermensch – Wer ist Shep Gordon? behandelt wurde – der interessante, aber wenig beachtete Dokumentarfilm aus dem Jahre 2013 stellt Myers‘ einzige Regiearbeit dar. Nicht zuletzt ist die Miniserie als solche ein Ableger des generell in Vergessenheit geratenen, vom harten Kern der Fanbase aber immer noch wertgeschätzten Film Liebling, hältst Du mal die Axt?, welcher im Zuge von The Pentaverate hoffentlich wieder etwas mehr Aufmerksamkeit erfahren wird.

Aber auch sonst gibt es einige Ausflüge in die Metaebene. Am Ende der ersten Episode gesteht Ken Scarborough, dass er Angst hat, und fragt seine Verbündete Reilly (Lydia West), ob er das Richtige tue. Sie antwortet, dass gerade die Angst Zeichen dafür sei, dass er das Richtige tue, und dass er so wieder seinen Job erhalten würde. Natürlich bangt hier nicht Ken Scarborough um seinen Job als lokaler Reporter. Das ist Mike Myers selbst, der mit The Pentaverate wieder seinen Platz in der Entertainmentindustrie einnehmen möchte. Eine berechtigte Angst, aber Reilly scheint nicht falsch gelegen zu haben: Während die erste Folge von The Pentaverate wohl viele den Wunsch äußern lässt, die Miniserie wäre nie gedreht worden, werden wahrscheinlich nicht wenige, die bis zum Ende durchhalten, auf eine wie auch immer geartete Fortsetzung hoffen.

Achterbahnfahrt des Humors

Das Hochgefühl, welches sich beim Lesen von „written by MIKE MYERS“ im Vorspann der ersten Episode von The Pentaverate einstellt, weicht in einer rasanten Talfahrt dem Gefühl der Fremdscham, der Enttäuschung und schließlich der Verzweiflung. Während das Schauspiel von vor allem Key und dem seiner vierhunderttausend Millionen Rollen wegen omnipräsenten Myers überzeugt und auch die Handlung Potenzial zeigt, ist der Humor in der ersten Folge absolut furchtbar. Zwei im Vergleich gute Witze gibt es, einer davon ist ein Wortspiel mit Key, auf welches der Komiker die vierte Wand durchbrechend reagiert (und welches in der deutschen Übersetzung komplett verloren geht, wie überhaupt die Serie nach Möglichkeit im Original rezipiert werden sollte). Der Rest aber ist infantiler Fäkal- und Sexualhumor ganz übler Sorte, und niemandem kann ein Vorwurf gemacht werden, wenn er die Serie vorzeitig abbricht.

Tatsächlich war der Rezensent selbst kurz davor, mitten in der Folge abzuschalten und aus Respekt vor Myers seinen Chefredakteur zu bitten, ihn von der traurigen Aufgabe zu entbinden, diese betrübliche Katastrophe zu verreißen. Wer sich aber durch den unsäglichen Humormorast der ersten Episode zu quälen vermag, der wird mit zunehmender Laufzeit erfreut feststellen, dass Myers sich von dieser Art Gags weitgehend emanzipiert; einige Peinlichkeiten gibt es zwar noch, etwa wenn die Show in der zweiten Folge vom Netflix-Zensor „unterbrochen“ wird und eine Szene mit besonders vielen Schimpfworten in der neuen Fassung wiederholt wird, aber unterm Strich wird es dem Zuschauer erheblich leichter gemacht, die restlichen fünf Episoden in einem Rutsch anzuschauen. Bei einer Gesamtlaufzeit von knapp 160 Minuten eignet sich die Serie sowieso dafür, am Stück gesichtet zu werden.

Viel Liebe zum Detail

Neben dem Schauspiel und der Handlung zeichnet sich The Pentaverate vor allem durch Liebe zum Detail aus. Setdesign, Kostüme, insbesondere aber das Makeup erhöhen den Anschauungswert. Die verschiedenen von ihm verkörperten Charaktere sind zwar immer noch eindeutig Myers zuzuordnen, aber ebenso eindeutig voneinander zu unterscheiden. Bruce Baldwin wirkt wie eine Mischung aus Dan Aykroyd und Dr. Evil, während Verschwörungstheoretiker Anthony Lansdowne an Goldständer erinnert, letztere beides Bösewichte aus dem Austin Powers-Franchise. Jennifer Saunders als Maester of Dubrovnik beziehungsweise dessen Schwester Saester of Dubrovnik überzeugt ebenfalls sowohl schauspielerisch als auch maskentechnisch. Myers und West haben eine fantastische Chemie zusammen, wie auch Myers mit Myers selbst hervorragend harmoniert. Mehrere von einem Schauspieler verkörperte Rollen gleichzeitig auf dem Bildschirm miteinander agieren zu lassen, ist zwar nichts Neues, aber doch immer wieder schön anzusehen, gerade wenn das Timing so sitzt wie hier.

Credits

OT: „The Pentaverate“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Tim Kirkby
Drehbuch: Mike Myers, Roger Drew, Ed Dyson
Kamera: Jamie Cairney
Besetzung: Mike Myers, Lydia West, Jennifer Saunders, Jeremy Irons, Ken Jeong, Debi Mazar, Rob Lowe

Bilder

Trailer

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The Pentaverate
Fazit
Mit „The Pentaverate“ meldet sich Mike Myers nach fast anderthalb Dekaden Abstinenz wieder als Autor und Hauptdarsteller zurück. Was in der ersten Folge aufgrund des verwendeten Humors noch wie ein katastrophal gescheitertes Comeback wirkt, entpuppt sich im weiteren Verlauf der Serie als richtige Entscheidung. Es bleibt zu hoffen, dass Myers nicht einfach nur wieder da ist, sondern dass er bleibt.
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