Maya und die Drei Maya and the Three Netflix
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Inhalt / Kritik

Maya und die Drei Maya and the Three Netflix
„Maya und die Drei“ // Deutschland-Start: 22. Oktober 2021 (Netflix)

Eigentlich war Prinzessin Maya ein Leben in Ruhm und Glanz vorgesehen, ist sie doch die nächste Königin eines mächtigen Königreichs. Dabei ist sie sehr viel mehr an Abenteuern interessiert, schleicht sich schon mal aus dem Palast, um heimlich an Kämpfen teilzunehmen. Das größte Abenteuer steht ihr dabei noch bevor: An ihrem 15. Geburtstag tauchen auf einmal die Götter der Unterwelt auf und fordern ihr Leben, der Preis für eine lang zurückliegende Schuld. Sollte sie sich weigern, würden nicht nur sie und ihre Familie, sondern alle Menschen die Rache der Götter zu spüren bekommen. Doch Maya weigert sich, sich dem Willen der Götter zu unterwerfen. Stattdessen macht sie sich auf, eine uralte Prophezeiung zu erfüllen, der zufolge sie und drei mächtige Krieger die Menschheit retten werden …

Mexikobilder mal anders

In den letzten Jahren hat es eine Reihe sehr fantasievoller Animationsfilme gegeben, die uns andere Seiten Mexikos aufzeigten. Xicos Weg kombinierte beispielsweise mythologische Elemente mit einer ökologischen Aussage. A Costume for Nicolas wiederum erzählte von den Abenteuer eines Jungen mit Downsyndrom. Gemeinsam ist ihnen, dass es immer darum geht, wie junge Protagonisten und Protagonistinnen die Welt vor einer großen Gefahr schützen müssen. Mit der Netflix-Serie Maya und die Drei liegt nun ein weiterer Titel vor, der einem solchen Szenario folgt. Zwar handelt es sich hier streng genommen nicht um keine reine mexikanische Produktion, sondern eine US-amerikanische und kanadische Coproduktion. Dafür tauchen wir hier ein in eine mesoamerikanische Welt, die geprägt ist von indigenen Kulturen.

Das kann bei einer fremdländischen Produktion schon mal danebengehen, wenn sich jemand Kulturen aneignet. Doch der mexikanische Serienschöpfer, Regisseur und Co-Autor Jorge R. Gutiérrez bewies schon in Manolo und das Buch des Lebens, dass er es versteht, die Geschichten seiner Vorfahren aufzugreifen und neu zu erzählen. Beschäftigte er sich damals mit dem inzwischen weltweit bekannten Tag der Toten, reist er bei Maya und die Drei in eine weit zurückliegende Vergangenheit, als die indigenen Völker Amerikas noch ihrer Kultur nachgehen konnten, vor der Kolonisierung durch die Europäer. Gefahren gibt es aber auch ohne Einflüsse von außerhalb mehr als genug. Hier sind es „nur“ die Götter, die Tod und Verderben bringen.

Visuelles Wunderwerk

Die Geschichte ist dabei altbekannt und doch irgendwie neu. Das grundsätzliche Szenario – die Hauptfigur muss ein Team versammeln, welches dann die Welt rettet – ist nicht übermäßig originell. Vieles von dem, was hier geschieht, lässt sich doch recht einfach vorhersagen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Gutiérrez immer nur auf Nummer sicher geht. Zwischendurch gibt es auch recht düstere und tragische Passagen, die Maya und die Drei eine dunkle Färbung geben. Besonders reizvoll ist aber die Mythologie der Serie. Vergleichbar zu einigen Mythologien der uns näherliegenden Welt, etwa die griechische oder die nordische, gibt es hier einen regen Austausch zwischen Menschen und Göttern. Das kann die Form inniger Liebe annehmen, aber auch tiefer Verachtung. Wenn Maya und die anderen sich gegen die Götter erheben, dann bedeutet dies eben auch einen Akt der Selbstbehauptung und Loslösung.

Das ist nicht nur fantasievoll. Es sieht vor allem auch fantastisch aus. Das kanadische Animationsstudio Tangent Animation hatte schon bei Das Mädchen und ihr Roboter – Die nächste Generation ein Talent für die visuelle Ausgestaltung bewiesen. Bei Maya und die Drei haben sich die Künstler und Künstlerinnen aber selbst übertroffen. Jede Figur ist einzigartig gestaltet, kombiniert Bekanntes mit Unbekanntem zu einem reizvoll-exotischen Mix. Wo viele CGI-Produktionen eine recht ähnliche Richtung nehmen und dabei austauschbar werden, entwickelt die Netflix-Serie einen ganz eigenen Look. Das Ergebnis ist überwältigend, sogar einer der optisch spannendsten Animationstitel der letzten Jahre. Die Flut liebevoller Details und die Kombination aus düsteren Passagen und leuchtenden Farben machen das Abenteuer zu einem visuellen Genuss. Auch technisch gibt man sich hier keine Blöße, das ist alles sehr sauber umgesetzt.

Tipp für die gesamte Familie

Sicher, inhaltlich hätte das noch etwas ambitionierter sein dürfen. Auch die immer wieder eingebauten humorvollen Szenen sind ein eindeutiger Hinweis, dass die Serie letztendlich ein etwas jüngeres Zielpublikum vor Augen hatte. Aber selbst wer sich nicht zu dieser zählt, sondern schon ein bisschen älter ist, sollte dieser Zeitreise eine Chance geben. Maya und die Drei ist ein spannendes und unterhaltsames Abenteuer, actionreich und märchenhaft zugleich. Und auch wenn es keine Fortsetzung der in sich abgeschlossenen Geschichte geben dürfte, bleibt doch zu hoffen, dass Jorge R. Gutiérrez und Tangent Animation noch weitere gemeinsame Titel angehen werden. Von den zahlreichen animierten Serien, die Netflix in der letzten Zeit veröffentlicht hat – etwa Eine dunkle & grimmige Geschichte und Inside Job –, ist diese hier die schönste.

Credits

OT: „Maya y los tres“
IT: „Maya and the Three“
Land: Mexiko, USA, Kanada
Jahr: 2021
Regie: Jorge R. Gutiérrez
Drehbuch: Jorge R. Gutiérrez, Mafer Hernandez, Candie Langdale, Doug Langdale, Silvia Cardenas Olivas
Idee: Jorge R. Gutiérrez
Musik: Tim Davies
Animation: Tangent Animation

Bilder

Trailer

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„Maya und die Drei“ ist ein fantasievolles Animationsabenteuer, inspiriert von der mesoamerikanischen Mythologie vor der Kolonisierung. Das ist spannend und unterhaltsam. Vor allem aber die unfassbar schöne Optik, detailverliebt, eigenwillig und farbenfroh, sorgt dafür, dass man diese Zeitreise nicht wieder vergisst.
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