The Red Sea Diving Resort Netflix Chris Evans

„The Red Sea Diving Resort“ // Deutschland-Start: 31. Juli 2019 (Netflix)

Für den israelischen Geheimagenten Ari (Chris Evans) ist die Reise nach Äthiopien noch einmal gut ausgegangen, er ist sicher und wohlbehalten wieder zurück in seiner Heimat. Doch wie steht es um die vielen anderen Juden, die noch dort sind und um ihr Leben fürchten müssen? Und so fasst er mit anderen einen unglaublichen Plan: Sie kaufen eine aufgegebene Hotelanlage im Sudan, die als Fassade dienen soll, während sie so viele äthiopische Juden wie möglich aus dem Land schaffen. Bald schon stößt die Truppe dabei auf ungeplante Schwierigkeiten, während ihre Verfolger ihnen bereits auf der Spur ist.

Hochriskante Rettungsaktionen, welche die Helden nur mit aller Not und in letzter Minute schaffen, erfreuen sich seit jeher großer Beliebtheit in Action-Thrillern. Umso mehr, wenn sie irgendwie auf realen Geschichten basieren oder zumindest das Gefühl erwecken, dass es so ist. Dann kann man sich als Zuschauer und Zuschauerin im Anschluss so richtig freuen und staunen, was diese Helden alles so hinbekommen haben. Ob es nun die Geiselbefreiung in 7 Tage in Entebbe ist oder die diversen Beispiele, wie Juden während des Holocausts gerettet wurden, das kombiniert im besten Fall Spannung und Herz.

Schön und nichtssagend
Beim neuen Netflix-Film The Red Sea Diving Resort trifft höchstens Ersteres zu. Riskant ist der Einsatz natürlich, so riskant, dass keiner hier müde wird zu betonen, wie furchtbar riskant das doch ist. Ben Kingsley zum Beispiel, der sich als Chef von Ari ganz furchtbar über dessen Furchtlosigkeit aufregen darf. Fürs Herz ist das hingegen weniger gedacht. Dafür geben die Figuren einfach nicht genug her. Nicht die Helden, die sich maximal eine Charaktereigenschaft beim Drehbuchschreiben mit nach Hause nehmen durften. Nicht die Flüchtlinge, die bei der Vergabe gleich ganz leer aus gingen – einer der Gründe, weshalb der Film sich mit dem „White Saviour“-Vorwurf herumplagen muss.

Möglicherweise war Regisseur und Drehbuchautor Gideon Raff der Ansicht, dass man bei der Besetzung nicht viel tun müsse, um die Figuren attraktiv zu machen. Der erste Auftritt von Michiel Huisman (Spuk in Hill House, Für immer Adaline) findet ganz ohne Klamotten statt, Chris Evans darf auch gerne mal ein bisschen Haut zeigen. Das muss zusammen mit dem natürlichen Rebellencharme von Captain America – hier mit Bart, weil aufmüpfig –, ausreichen. Ein bisschen Hintergrundgeschichte gibt es in Form einer vernachlässigten Tochter zwar schon. Doch Raff vernachlässigt sie selbst so sehr, dass er sie gern auch ganz hätte weglassen können. Das wäre ehrlicher gewesen.

Ist das jetzt komisch?
Aber auch unabhängig von der Starpower hat The Red Sea Diving Resort durchaus etwas zu bieten: ein Szenario, so kurios, wie man es bei Rettungsmissionen nur selten findet. Ein Hotel, das dafür genutzt wird, um Verfolgte außer Land zu schmuggeln? Das ist schon komisch. Und da Raff sich dieser Komik bewusst ist, schraubt er auch schon mal ein bisschen am Ton herum. Wenn Ari und die anderen sich als Hotelbetreiber tarnen, um die tatsächlichen und ahnungslosen Gäste zu bespaßen, dann ist der Film einem Ocean’s Eleven schon recht ähnlich. Ein humorvoller Heist Thriller mit lauter Schlawinern.

Das ist unterhaltsam, keine Frage. Und doch auch eine fragwürdige Umsetzung, wenn gleichzeitig die Grausamkeiten des Krieges thematisiert werden. Zwinkernder Kumpel-Humor und menschenverachtende Verfolgung, das passt irgendwie nicht so recht zusammen. The Red Sea Diving Resort kann oder will sich nicht entscheiden, was der Film sein will und ist auf diese Weise am Ende vieles – und irgendwie nichts. Ein Film, der einem ganz nahe gehen will, auch mit den obligatorischen Texttafeln zum Schluss. Ein Film, der einen dabei aber auch etwas kalt lässt. Für das ungewöhnliche Szenario und die gut aufgelegten Darsteller kann man sich das durchaus anschauen. Das Thema selbst hätte aber mehr verdient. Die Menschen, die damals durch die Hölle gingen, auch.

The Red Sea Diving Resort
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The Red Sea Diving Resort
In „The Red Sea Diving Resort“ nutzt der israelische Geheimdienst ein Hotel als Fassade, um äthiopische Juden aus dem Land zu schmuggeln. Das ist als Szenario interessant. Der Film selbst kann sich aber nicht entscheiden, ob er die Absurdität auskosten oder doch einen klassischen Action-Thriller draus machen will. Und auch bei den Figuren wäre mehr Entschlossenheit gut gewesen.
5von 10

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