365 Days Dieser Tag 365 Dni: Ten Dzień Netflix
© Netflix/Karolina Grabowska

365 Days: Dieser Tag

365 Days Dieser Tag 365 Dni: Ten Dzień Netflix
„365 Days: Dieser Tag“ // Deutschland-Start: 27. April 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Nachdem sie von Massimo (Michele Morrone) entführt und verführt wurde, mit dem Ziel, dass sie sich in ihn verliebt, hat Laura (Anna Maria Sieklucka) tatsächlich Ja gesagt. Ja zur Liebe. Ja zur Hochzeit. Doch von den Hochgefühlen, die sie in den 365 Tagen Gefangenschaft entwickelt hat, ist nicht mehr viel übrig. So zweifelt sie zunehmend daran, dass diese Entscheidung eine gute war. Denn eigentlich wäre sie gern mehr als nur das Lustobjekt in der Luxusvilla. Hat das Leben als Frau nicht mehr zu bieten? Auch der Verlust ihres gemeinsamen Kindes macht ihr weiterhin zu schaffen. Da trifft es sich doch ganz gut, dass der unglaublich attraktive Gärtner Nacho (Simone Susinna) in ihrem Leben auftaucht und ihr schnell den Kopf verdreht …

Skandalös erfolgreiche Erotik

Jede Woche veröffentlicht Netflix mehrere Filme, aufs Jahr hochgerechnet kommen so mehrere Hundert zusammen. Die meisten davon verschwinden sofort wieder in der Versenkung. Wenn es sich nicht gerade um eines der mit Stars vollgestopften Spektakel oder einer der seltenen Prestigetitel handelt, mit dem der Streamingdienst nach Anerkennung lechzt, stehen die Chancen auf größere Aufmerksamkeit eher gering. Einer, der es ohne Stars und ohne Prestige geschafft hat, sein Publikum zu finden, war 2020 365 Days. Tatsächlich wurde unser Beitrag zu dem Werk über 100.000 Mal innerhalb kurzer Zeit gelesen – davon können selbst Blockbuster nur träumen. So begehrt der Film auch war, so umstritten war er. Während ein Teil der Zuschauerinnen die Vorstellung, von einem Mann entführt und zu Sex genötigt zu werden, für romantisch hielten, waren andere umso schockierter. Wie kann es sein, dass nach #MeToo Vergewaltigungsfantasien derart gefeiert werden können?

Nun ist 365 Days: Dieser Tag da, der nahtlos an den ersten Teil anschließt. Und erneut dürfte der Film das Publikum spalten. Das tut er jedoch auf eine etwas unerwartete Weise. Der Einstieg kommt einem noch recht bekannt vor, wenn es viel Sex innerhalb kürzester Zeit gibt. Neue Techniken haben die beiden zwar keine drauf, da ist schon recht schnell der Alltag eingezogen. Selbst die Fesseleinlage sorgt kaum mehr für Kribbeln. Die Dialoge sind sowieso wieder grausam, das Duo hat nach wie vor das Schauspielen nicht gelernt. Also alles wie gehabt. Zwei Punkte sind es, die für etwas Abwechslung sorgen. Zum einen turnen nun auch Lauras Freundin Olga (Magdalena Lamparska) und deren Liebhaber Domenico (Otar Saralidze) durch die Betten oder nutzen andere Orte, wann auch immer sie Lust überwältigt. Zum anderen ist Laura selbstbewusster, will jetzt über Liebe und Sex mitbestimmen.

Langweilig und unfreiwillig komisch

Das ist einerseits erfreulich, da die frauenverachtenden Tendenzen dadurch stark reduziert wurden. In 365 Days: Dieser Tag dürfen Frauen tatsächlich mitbestimmen und haben etwas zu sagen. Gleichzeitig war es nun einmal dieser fragwürdige Inhalt, der den Film zu dem machte, was er war. Ließ man das Szenario weg, blieb ein zwar attraktives Paar, aber auch ein Werk, das zwar als Erotikthriller verkauft wurde, dabei jedoch keinerlei Spannung bot. Eigentlich war alles an dem Film Murks. Die Geschichte war nicht gehaltvoller als ein Porno, nur sehr viel länger. Die aufdringliche Musik war grauenvoll. Ein paar der Locations waren ganz schön, aber auch nicht genug, um von der inhaltlichen Misere abzulenken. In der Fortsetzung sind diese ganzen Schwächen unverändert da, nur ohne das Aufregerpotenzial.

Offensichtlich war das den Verantwortlichen auch bewusst, weshalb später der Film eine völlig andere Richtung einschlägt. Da 365 Days im kriminellen Umfeld spielte, war natürlich der Schritt zu einem richtigen Genrebeitrag nicht weit. Und doch überrascht es, wenn „365 Days: Dieser Tag“ auf einmal ein tatsächlicher Mafiathriller sein will und zu dem Zweck sogar die Erotik vergisst. Denn es dürfte bei dem Vorgänger keine besonders hohe Zahl an Leuten gegeben haben, die tatsächlich der Geschichte wegen dabei waren. Der Fokus auf diese ist gewagt und letztendlich – wenig überraschend – völlig missglückt. Lediglich die völlig absurden Wendungen und der Ernst, mit dem dieser Blödsinn vorgetragen wird, sorgen noch für ein wenig Unterhaltung. Die polnische Produktion ist zumindest als unfreiwillig komischer Trash zu verkraften.

Credits

OT: „365 Dni: Ten Dzień“
Land: Polen
Jahr: 2022
Regie: Barbara Bialowas, Tomasz Mandes
Drehbuch: Blanka Lipinska, Tomasz Mandes, Mojca Tirs
Vorlage: Blanka Lipinska
Musik: Benjamin Patrick
Kamera: Andrew Wheeler
Besetzung: Anna Maria Sieklucka, Michele Morrone, Simone Susinna, Magdalena Lamparska, Otar Saralidze

Bilder

Trailer

Weitere Netflix Titel

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365 Days: Dieser Tag
Fazit
„365 Days“ wurde mit seiner als Romantik verkauften sexuellen Nötigung zu einem kontroversen Riesenhit. „365 Days: Dieser Tag“ schließt nun daran an, streicht aber das Skandalöse. Übrig bleibt erneut ein langweiliger Pseudo-Porno mit schlechter Musik, einem schlechten Ensemble und schlechten Dialogen. Lediglich später, wenn sich der Film mit absurden Wendungen als Mafiathriller versucht, wird es unfreiwillig komisch.
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