True Story Netflix
© Netflix/Adam Rose/Tyler Golden

True Story

Inhalt / Kritik

True Story Netflix
„True Story“ // Deutschland-Start: 24. November 2021 (Netflix)

Kid (Kevin Hart) hat es geschafft: Er hat Millionen von Fans, die seine Comedy-Shows besuchen und ihm überall hin folgen, auch Hollywood erobert er gerade im Sturm. Sicher, das eine oder andere Problem gibt es schon, gerade im privaten Bereich oder hinter den Kulissen. Aber da ist nichts, was er nicht lösen könnte. Das ändert sich jedoch, als er nach einer durchfeierten Nacht neben dem Körper einer toten Frau aufwacht, welche offensichtlich einer Überdosis erlegen ist. In seiner Not wendet sich Kid daher an seinen älteren Bruder Carlton (Wesley Snipes), mit der Bitte, ihm aus der Patsche zu helfen. Das tut er auch, hat der doch Beziehungen zu kriminellen Kreisen, die ihm jetzt nützlich sein können. Kurze Zeit später steht bereits der griechische Gangster Ari (Billy Zane) vor ihm und unterstützt ihn dabei, die Leiche zu entsorgen. Aber damit fangen die Probleme erst richtig an …

Ein Komiker macht Ernst

Wie das so ist, wenn man als Künstler oder Künstlerin das Gefühl hat, alles erreicht zu haben: Man versucht sich an was Neuem und will weiter wachsen. Manche aus dem Schauspielfach wechseln dann die Position und entdecken dann schreibende oder inszenierende Ambitionen in sich. Kevin Hart wäre ja schon froh, wenn man ihn als Schauspieler ernst nehmen würde. Als Comedian auf der Bühne feierte er enorme Erfolge, auch in Filmkomödien wie Jumanji: Willkommen im Dschungel war er für die eine oder andere Million Einspielergebnis verantwortlich. Aber mehr wäre schon schön, muss er sich wohl gedacht haben. Zumindest ist seine neuere Filmografie recht auffallend. In dem Drama Fatherhood wollte er sich in der Rolle eines alleinerziehenden Vaters als Charakterdarsteller zeigen. Mit der Netflix-Serie True Story wechselt er nun etwas überraschend ins Thrillerfach.

Überraschend ist das auch deshalb, weil er in der Serie selbst einen Comedian spielt. Komische Szene gibt es dennoch nicht. Nicht einmal die wenigen Momente, in denen Kid tatsächlich mal lustig sein soll und will, bieten wirklich Grund zum Lachen. Aber der Schwerpunkt liegt ohnehin woanders. Denn schon relativ zu Beginn der recht knapp gehaltenen Miniserie schlittert er in eine Katastrophe, als eine ausgelassene Feier mit einem Mordskater endet. Und das ist nur der Anfang von True Story: Eric Newman, der sich die Geschichte ausgedacht hat, genießt es, die Ereignisse immer weiter eskalieren zu lassen. Wer einen Fehler macht, begeht den nächsten, der dann noch ein bisschen größer sein darf. Am Ende wurde so viel falsch gemacht, dass es keine einfache Lösung mehr gibt und geben kann.

Ehrlich bescheuert

Auch wenn der Titel True Story dies natürlich impliziert, so liegt der Serie dabei keine wahre Geschichte zugrunde. Es ist auch keine Geschichte, die man so ohne weiteres glauben kann, denn dafür ist sie einfach zu absurd. Newman und seine sieben weiteren Co-Autoren und Co-Autorinnen – nicht gerade wenig bei sieben Folgen, die nur so 30 bis 40 Minuten lang sind – waren ganz offensichtlich der Ansicht, dass die Qualität einer Geschichte mit der Anzahl der Wendungen einhergeht. Und so drehen sie sie mit der Zeit immer mehr auf und bieten ein Potpourri bekannter wie bescheuerter Twists. Denn hier ist nichts so, wie man es gerade erwartet. Oder vielleicht doch: Eben weil sich da eine gewisse Routine einschleicht, ahnt man hier schon vor dem großen Finale, wie das Ganze wirklich gewesen ist.

Wie viel Spaß man damit hat, hängt maßgeblich davon ab, ob es einem gelingt das eigene Gehirn auf Durchzug zu schalten. Von Anfang an sollte man über vieles nicht näher nachdenken, sonst droht Ärger. Später wird einem als Zuschauer richtig viel abverlangt, wenn die Ereignisse so überzogen sind, dass sie doch komisch werden – unfreiwillig. Aber es hat eben auch Unterhaltungswert, wie hier alles völlig außer Kontrolle gerät. Hinzu kommt, dass die meisten Figuren völlig unsympathisch sind und es schon Freude macht, ihnen dabei zuzusehen, wie sie alles noch viel schlimmer machen. Wo man bei den meisten Thrillern den Protagonisten die Daumen drückt, dass sie es irgendwie schaffen, da darf man bei True Story inständig hoffen, dass irgendjemand ihnen den Garaus macht.

Gut gespielter Hochglanzschund

Das ist durchaus gut gespielt. Hart und Snipes als ungleiche Brüder, bei denen man nie weiß, ob sie nun die Blutsbande oder gemeinsam erlebte Scheiße zusammenhält, können sich sehen lassen und gehen mit einer erstaunlichen Ernsthaftigkeit an die Arbeit. Auch das hohe Tempo trägt dazu bei, dass einem hier zumindest nicht langweilig wird. Ausnahmsweise ist eine Netflix-Serie mal nicht darauf angelegt, alles in die Länge zu ziehen. Das reicht dann zwar nicht für eine tatsächlich gute Serie. Dafür hätte es bei True Story eine bessere Geschichte gebraucht: Die hier erzählte könnte aus einem billigen Groschenroman stammen. Auch bei der Inszenierung der High Society wäre weniger mehr gewesen, das ist alles schon ziemlich plakativ. Aber so ein bisschen überzogener Hochglanzschund taugt manchmal dann doch zum Zeitvertreib.

Credits

OT: „True Story“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Stephen Williams, Hanelle Culpepper
Drehbuch: Matthew Kellard, Eric Newman, Glenda L. Richardson, Cameron Litvack, Devon Shepard, Janeika James, JaSheika Ashel James, Gladys Rodriguez
Idee: Eric Newman
Musik: Wendy Melvoin, Lisa Coleman
Kamera: Tobias Datum
Besetzung: Kevin Hart, Wesley Snipes, Tawny Newsome, Theo Rossi, William Catlett, Paul Adelstein

Bilder

Trailer

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„True Story“ folgt einem erfolgreichen Comedian, der auf einmal eine Leiche an der Backe hat. Das Ergebnis ist keine Komödie, sondern ein allenfalls unfreiwillig komischer Thriller, der Wendungen als Qualitätsmerkmal ansieht und auch sonst völlig überzogen ist. Wer es schafft, hier sein Gehirn auszuschalten, kann aber schon unterhalten werden, zumal das hohe Tempo keine Zeit für Langeweile lässt.
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