Kritik

A California Christmas Netflix

„A California Christmas“ // Deutschland-Start: 14. Dezember 2020 (Netflix)

Joseph (Josh Swickard) ist fest entschlossen: Er will endlich seiner Mutter beweisen, dass er zum Geschäftsmann in ihrer Firma taugt! Dafür fährt er sogar raus in die Provinz Kaliforniens, um dort einen guten Deal rauszuholen und einer Familie ihr Land abzuschwatzen. Ganz so einfach ist das jedoch nicht, da Callie (Lauren Swickard), die Besitzerin der Farm, ebenso entschlossen ist, alle von ihrem Grund und Boden zu vertreiben, die nicht dorthin gehören. Zu seinem Glück wird er bei der Ankunft jedoch mit dem neuen Gehilfen verwechselt, der zwei Tage später dort auftauchen sollte. Und so beschließt er mit seinem Chauffeur Leo (Ali Afshar), den echten Hilfsarbeiter Manny (David Del Rio) abzufangen und dessen Rolle zu spielen, um sich so in den Haushalt einzuschleichen. Was bald ungeahnte Folgen für alle hat …

Mogelpackung Weihnachten
Bei dem Versuch das weihnachtshungrige Publikum zu schröpfen, hat Netflix bekanntlich recht wenig Skrupel. Nicht nur, dass der Streamingdienst ständig irgendwelche Weihnachtsfilme veröffentlicht. Er veröffentlicht auch solche, die sich als Weihnachtsfilme ausgeben, dabei aber keine sind. Weihnachten in der Wildnis und Holidate waren solche Mogelpackungen, bei denen zwischendurch zwar auch mal Weihnachten ist, was für die jeweiligen Geschichten aber völlig unwichtig ist. Mit A California Christmas kommt nun der nächste Film, der etwas verspricht, was er gar nicht zu halten gedenkt, wenn das im Titel angekündigte Fest gerade mal die letzten fünf Minuten ausmacht.

Das wird so manche daheim vor den Bildschirmen vielleicht enttäuschen. Aber das ist auch schon die einzige Überraschung, welche Lauren Swickard, die hier die Hauptrolle spielt, das Drehbuch schrieb und auch noch produzierte, dem Publikum zumutet. Ansonsten weiß man schon nach fünf Minuten, was alles passieren wird, von der ersten Lüge über die allmähliche Annäherung der beiden Hauptfiguren bis zu dem obligatorischen Moment, wenn das Kartenhaus zusammenfällt, nur um dann größer, echter und schöner wieder aufgebaut zu werden. Dafür gibt es in A California Christmas dann noch einmal fünf Minuten extra, man will die Fans ja nicht lange im Unklaren lassen, ob da vielleicht etwas böse ausgehen kann.

Zynische und oberflächliche Liebelei
Das tut es natürlich nicht. Dafür baute Swickard aber jede Menge anderes Drama in die Geschichte. So hat die von ihr gespielte Figur nicht nur bei einem Autounfall ihren Vater verloren, sondern den Verlobten gleich dazu. Ach ja, die Mutter liegt auch im Sterben, Krebs. In A California Christmas taucht sie zwar kaum auf, obwohl sie nur wenige Meter vom Ort des Geschehens ans Bett gefesselt ist. Sie wird aber im passenden Moment noch einmal rausgeholt, damit der Film noch mal die Dringlichkeit der Situation zuspitzen darf. Das ist nicht nur Zeichen eines auf dreiste Weise faulen Drehbuchs. Es ist zudem sehr zynisch bis geschmacklos: Der Film wirft einerseits dem bösen Unternehmen vor, die Krankheit für eigene Zwecke zu missbrauchen, tut es dann aber auch selbst.

Nun werden Filme wie A California Christmas natürlich nicht gedreht, um erlesenen Geschmack zu demonstrieren oder tiefschürfende Gedanken zu fördern. In erster Linie geht es darum, wie zwei unverschämt attraktive Menschen zusammenfinden, obwohl die Situation das eigentlich unmöglich machen sollte. Wer nur das will, bekommt das auch. Hauptdarsteller Josh Swickard, der im wahren Leben mit Lauren bereits verheiratet ist, bekommt zudem die Gelegenheit, frühzeitig sein Hemd auszuziehen und den Schmachtfaktor zu erhöhen. Ansonsten wird aber nicht viel dafür getan, die beiden Figuren sich wirklich annähern zu lassen. Callie tritt von Anfang an derart passiv-aggressiv auf, ohne zu wissen, mit wem sie da redet, dass jede Form von Romantik im Staub erstickt wird. Zumal Joseph auch nicht gerade der Sympathieträger ist. Das sollen beide später sein, funktioniert aber auf Knopfdruck, ist ebenso plötzlich wie die Lösung der finanziellen Probleme, die ihnen vor die Füße plumpst.

Glaubwürdig ist das natürlich nicht, soll es aber auch gar nicht sein. Die Geschichte um das Paar ist ein Hochglanzmärchen, das ausnahmsweise mal nicht vor schick dekorierten Kulissen stattfindet, sondern den staubigen Provinzen Kaliforniens. Das bringt zwar nicht viel Abwechslung mit sich, kann sich aber sehen lassen. Abgesehen von der humorvollen Nebenhandlung um den echten Manny, der sich sein Schweigen gute bezahlen lässt, hält sich der Unterhaltungsfaktor aber schwer in Grenzen. Das Zielpublikum darf natürlich trotz allem Spaß damit haben. Wer sich nicht dazu zählt, den erwartet in A California Christmas aber nur trockene Einöde – visuell wie inhaltlich.

Credits

OT: „A California Christmas“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Shaun Paul Piccinino
Drehbuch: Lauren Swickard
Musik: Jamie Christopherson
Kamera: Brad Rushing
Besetzung: Lauren Swickard, Josh Swickard, Ali Afshar, David Del Rio, Gunnar Anderson

Trailer

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A California Christmas
Ein angehender Geschäftsmann gibt sich als Stallbursche aus, um einer Farmbesitzerin ihr Land abzuluchsen. „A California Christmas“ schert sich nicht groß um Glaubwürdigkeit oder Tiefgang, bietet stattdessen eine oberflächliche, teils zynisch-manipulierende Romanze, die in erster Linie von der Attraktivität des Duos lebt und völlig frei von Überraschungen ist.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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