In the Shadow of the Moon Netflix

„In the Shadow of the Moon“ // Deutschland-Start: 27. September 2019 (Netflix)

1988 in Philadelphia: Ein seltsamer Serienmörder treibt sein Unwesen, indem er scheinbar wahllos Menschen ein tödliches Gift injiziert. Der ehrgeizige Polizist Thomas Lockhart (Boyd Holbrook) geht der Sache nach, ist fest entschlossen, denjenigen zu finden und auszuschalten. Tatsächlich gelingt es ihm nach einem weiteren Zwischenfall, den Täter zu verfolgen und zu stellen, erlebt dabei jedoch eine große Überraschung. Was hat das zu bedeuten? Wer ist diese Person? Warum tötet sie? Bevor er die Antworten erhält, die er sucht, ist der ganze Spuk jedoch bereits vorbei. So dachte er. Viele Jahre hat Thomas daraufhin Ruhe – bis die Geschichte von vorne losgeht …

Man kann sich über die vielen Billigproduktionen mokieren, mit denen Netflix sein Publikum überschwemmt, eines muss man dem Streaminganbieter aber lassen: Er hat durchaus ein Auge für Talent. Vor allem im Genreumfeld suchen sie unentwegt die Zusammenarbeit mit etablierten wie neuen Regisseuren, die durch Thriller, Horrorfilme oder ähnliches aufgefallen sind. Jeremy Saulnier (Wolfsnächte), Adam Wingard (Death Note), Gareth Evans (Apostle), Mike Flanagan (Das Spiel) – das ist schon eine beeindruckende Liste an Filmemachern, die im Laufe der letzten zwei Jahre exklusive Titel inszeniert haben. Auch wenn das Ergebnis mitunter etwas enttäuschte.

Das nächste Opfer?
Nun wurde diese Liste um einen weiteren Namen reicher. Wer sich für düstere Stoffe erwärmen kann, der könnte bereits über die Filme von Jim Mickle gestolpert sein. Vor allem sein Kannibalenporträt We Are What We Are und das Krimidrama Cold in July wurden vom Publikum wie auch Kritikern sehr positiv aufgenommen. Da erhoffte man sich natürlich ähnliche Reaktionen vom nunmehr fünften Spielfilm des US-Regisseurs, sowohl bei Netflix wie auch daheim vorm Fernseher. So ganz geht diese Hoffnung jedoch nicht in Erfüllung, das Kritikerecho ist bislang eher verhalten. Manch einer ulkt schon, der Netflix-Fluch hätte wieder zugeschlagen: Wer auch immer mit ihnen einen Film dreht, macht am Ende irgendwie Murks.

Ganz so schlimm ist In the Shadow of the Moon natürlich nicht, man kann sich hiermit durchaus die Zeit vertreiben. Nur nicht so gut, wie man es sich im Vorfeld vielleicht ausgemalt hatte. Dabei fängt der Film eigentlich recht vielversprechend an. Nicht allein, dass gleich zu Beginn mehrere Leute auf mysteriöse Weise sterben, man erkennt auch so gar kein Muster darin, weshalb es nun gerade diese Opfer sein mussten. So etwas weckt natürlich schnell die Neugierde des Publikums, man will ja schließlich wissen, was gespielt wird. Und es bleibt nicht der einzige rätselhafte Aspekt der Geschichte, wenn schnell klar wird, dass der Mörder mehr ist als nur ein herumlaufender Irrer. Mehr sein muss.

Nach dem Höhepunkt die dezente Langeweile
Das Problem dabei: Was gut anfängt, muss nicht gut enden. Tatsächlich ist es so, dass In the Shadow of the Moon mit der Zeit immer uninteressanter wird. Je länger der Film dauert, je näher wir an unser Ziel kommen, umso mehr zieht er sich. Das liegt auch daran, dass die Geschichte – bedingt durch das Konzept – über einen sehr langen Zeitraum erzählt werden muss. Das geht zwar mit einer passenden Ausstattung einher, auch der optische Wandel von Hauptdarsteller Boyd Holbrook (Narcos, Logan – The Wolverine) ist überzeugend. Aber es braucht zu lange, bis dann auch mal alles erzählt ist. Vieles geschieht nur tröpfchenweise, manches ist auch sehr unbefriedigend. Stattdessen erhöht Mickle einfach den Actionanteil. Der ist zwar insgesamt in Ordnung, aber trägt dazu bei, dass der Film schon sehr in die Länge gezogen wird.

Zumal man sich auch darüber streiten darf, ob das Ende die Vorbereitungszeit wirklich wert gewesen ist. Auf der einen Seite geben einem die Drehbuchautoren Gregory Weidman und Geoff Tock noch ein bisschen Stoff zum Nachdenken aus dem Bereich der Moralität. Wie weit dürfen wir gehen, um das Gute zu erreichen? Wann heiligt der Zweck nicht mehr die Mittel? Gleichzeitig schlägt In the Shadow of the Moon, das auf dem Fantastic Fest 2019 Weltpremiere hatte, aber eine Richtung ein, die irgendwie umständlich und absurd ist. Der Film mischt die unterschiedlichsten Genres zusammen, ohne dass daraus eine homogene Masse würde. In der Summe ist der Thriller damit zwar noch solide und dürfte das Zielpublikum eine Weile beschäftigen. Das erhoffte Highlight ist das hier aber nicht.



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In the Shadow of the Moon
4 (80%) 20 Artikel bewerten

In the Shadow of the Moon
Ein Serienmörder treibt sein Unwesen und tötet auf eigenartige Weise die unterschiedlichsten Leute: „In the Shadow of the Moon“ beginnt mysteriös und dürfte bei den meisten sicherlich die Neugierde wecken, was genau dahintersteckt. Anschließend ist der Thriller jedoch weniger interessant, wenn die Geschichte kaum vorankommt. Und auch über die Auflösung darf man sich streiten.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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