Donde Hubo Fuego Glühendes Feuer Netflix
© Ana York/Netflix

Glühendes Feuer – Staffel 1

Donde Hubo Fuego Glühendes Feuer Netflix
„Glühendes Feuer – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 17. August 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Poncho (Iván Amozurrutia) ist eigentlich Stripper, unterwandert aktuell aber die Feuerwehrwache Raul Padilla Arellano in Mexiko-Stadt, um dem Mord an seinem Zwillingsbruder Daniel (Mauricio Hénao) auf den Grund zu gehen. Daniel, ein Journalist, arbeitete gerade an einer Story über einen alten Kriminalfall – ist er dabei vielleicht jemandem zu nahe getreten? Unter Ponchos neuen Kollegen befindet sich Olivia (Esmeralda Pimentel), die schon bald herausfindet, warum der junge Mann der Truppe wirklich beigetreten ist, und ihn daraufhin bei seinen Ermittlungen unterstützt. Ricardo Urzúa (Eduardo Capetillo) indessen wurde in Texas vor 25 Jahren zu einer ebenso langen Haftstrafe verurteilt, da er mehrere Frauen ermordet haben soll. Beweise gab es allerdings keine. Urzúa wird schon bald nach seiner Freilassung der neue Chefinspektor der Wache, zieht aber ebenso schnell Ponchos Verdacht auf sich …

Viel Chaos und nackte Haut

Hinweis: Für diese Rezension wurden die ersten zwanzig Folgen der Serie gesichtet.

„Wo sind die nackten Weiber […]?“, wird in der vierten Episode gefragt, als die Feuerwehrmannschaft im Aufenthaltsraum einen Film zusammen schaut. „[Ich würde] dir empfehlen, dir Pornos anzuschauen und uns andere in Ruhe den Film sehen zu lassen“, lautet die Antwort, und angesichts der Tatsache, dass Glühendes Feuer bis zu diesem Zeitpunkt aufgrund einiger überflüssiger Sexszenen mit viel nackter (überwiegend, aber keinesfalls ausschließlich männlicher) Haut selbst wie eine Mischung aus Softporno und Telenovela wirkte, muss das einfach eine Art selbstironischer Seitenhieb auf der Metaebene sein. Es handelt sich auch nicht um die einzige Instanz einer solchen Selbstreferentialität (inklusive Bezug auf Netflix).

Ansonsten ist die Serie zu Beginn recht chaotisch, versucht zu viele Charaktere und Handlungsstränge in die an sich recht großzügig bemessene Zeit von 30 bis 45 Minuten pro Folge zu quetschen. Wer mit Seifenopern vertraut ist, wird damit aber wahrscheinlich weniger ein Problem haben. Optisch ist die Serie ebenfalls klar im Stil einer solchen gehalten, welcher eine (vergleichsweise) schnelle und günstige Produktion erlaubt. Tatsächlich scheint es so, als wäre der Großteil des Budgets in den Steroid-Stack der Darsteller geflossen, zumindest wenn so etwas legal wäre, denn hier wird natürlich niemand ohne handfeste Beweise einer Straftat bezichtigt; die prallen Arme und definierten Sixpacks werden selbstverständlich alle ausschließlich durch eisenhartes Training und disziplinierte Ernährung zustande gekommen sein, da kann es keine zwei Meinungen geben. Aber nicht nur visuell ist Glühendes Feuer eine Telenovela: Sowohl die Schauspieler als auch die Komponisten scheinen die Aufgabe erhalten zu haben, alles so dramatisch wie möglich zu gestalten. Das geht bei ersteren in der deutschen Übersetzung (für die mit Peter Flechtner immerhin einer der profiliertesten Synchronsprecher Deutschlands gewonnen werden konnte) zwar etwas verloren, die Musik aber ist sprachübergreifend aufdringlich melodramatisch.

Zwischen Seifenoper und Krimi

Wer sich durch das erste Viertel von Glühendes Feuer gearbeitet hat, ist entweder deshalb so lange drangeblieben, weil er Erzählweise und Ereignisse der Serie genießt, oder hat nur deswegen nicht früher abgeschaltet, weil er in seiner Fassungslosigkeit gefangen ist oder zumindest der scheinbar vergebenen Hoffnung erliegt, es würde sich im weiteren Verlaufe vielleicht doch noch etwas ändern. In jedem Falle markiert die zehnte Episode eine Zäsur, woraufhin das Interesse der ersten Gruppe schwinden mag, jenes der zweiten aber ansteigt. Plötzlich scheint die Serie nämlich selbst mehr Aufmerksamkeit für ihren eigenen Plot entwickelt zu haben, obwohl dieser retrospektiv betrachtet etwa seit der fünften Folge langsam aber stetig in den Vordergrund rückte. Ab der fünfzehnten Episode intensiviert sich der Fokus noch weiter, aber bis dahin ist es eben schon ein langer Weg.

Angesichts der wahnwitzigen Folgenanzahl von 39 dürfte es langsam einmal Zeit werden, konträr zum bereits etablierten Begriff der Miniserie jenen der Maxiserie einzuführen. Strukturell scheint Stoffentwickler José Ignacio Valenzuela die Kritik an seiner vorherigen Serie Wer hat Sara ermordet? zwar mitbekommen, aber falsch verstanden zu haben. Deren erste Staffel fing als Mix aus Krimi und Rachethriller an und rutschte dann in den Seifenoper-Abgrund, hier ist es beinahe umgekehrt. Auch in Glühendes Feuer wird mit Flashbacks gearbeitet, außerdem scheinen sich Szenen unabhängig davon in den ersten Folgen zu wiederholen, nur mit anderen Kameraeinstellungen und etwas abgeänderten Dialogen, etwa wenn Poncho den Chefinspektor ein ums andere Mal konfrontiert.

Credits

OT: „Donde Hubo Fuego“
Land: Mexiko
Jahr: 2022
Regie: Jorge Michel Grau, Laura Marco, Moisés Ortíz Urquidi, Danny Gavidia
Drehbuch: Jean Pierra Fica, José Ignacio Valenzuela, Valentina Pollarola
Musik: Tonalli J. Villaseñor, Mauricio Baez
Kamera: Luis Ávila, Juan Pablo Ambris, Sandra De Silva De La Torre
Besetzung: Eduardo Capetillo, Itatí Cantoral, Iván Amozurrutia, Esmeralda Pimentel, Mauricio Hénao, Oka Giner, Plutarco Haza

Bilder

Trailer

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Glühendes Feuer – Staffel 1
Fazit
„Glühendes Feuer“ ist ein überlanger Mix aus Seifenopfer und Rachethriller. Wer an nackter Haut muskulöser Männer interessiert ist, wird in den ersten Folgen fündig, während die eigentliche Handlung erst nach mehreren Episoden Anlauf einsetzt.
Leserwertung98 Bewertungen
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von 10