Mein Bruder meine Schwester Mio fratello mia sorella Netflix
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Mein Bruder, meine Schwester

Inhalt / Kritik

Mein Bruder meine Schwester Mio fratello mia sorella Netflix
„Mein Bruder, meine Schwester“ // Deutschland-Start: 8. Oktober 2021 (Netflix)

Lange ist es her, dass sich die beiden Geschwister Nikola (Alessandro Preziosi) und Tesla (Claudia Pandolfi) das letzte Mal gesehen haben. Das Verhältnis der beiden ist schon seit vielen Jahren schwierig. Und wäre da nicht der Tod ihres Vaters, vermutlich wäre es dabei auch geblieben. Doch nun können sie gar nicht anders, hat dieser doch in seinem letzten Willen festgelegt, dass die beiden sich das Haus teilen sollen. Die Begeisterung Teslas hält sich schwer in Grenzen, nun ständig ihren sorgenfreien Chaosbruder um sich haben zu müssen. Vor allem treibt sie die Sorge um ihren an Schizophrenie leidenden Sohn Sebastiano (Francesco Cavallo) an, den sie um jeden Preis beschützen will. Ihre Tochter Carolina (Ludovica Martino) wiederum ist ganz froh darüber, jetzt einen Anlass gefunden zu haben, endlich von zu Hause auszuziehen …

Zurück in die Heimat

Das Motiv des verlorenen Sohnes, der wieder heimkommt, mag sicherlich nicht ganz neu sein. In Filmen erfreut es sich aber nach wie vor großer Beliebtheit und findet in den unterschiedlichsten Varianten seine Anwendung, darunter auch in der Version „verlorene Tochter“. Oft geht das damit einher, dass ein Familienangehöriger gestorben ist (Manchester by the Sea) oder der Tod zumindest unmittelbar bevorsteht (Back Home), was zu einer mindestens ungeplanten, oft ungewollten Heimkehr führt. Wenn in dem italienischen Netflix-Film Mein Bruder, meine Schwester der entfremdete Nik wieder auf seine Familie stößt, dann bedeutet das also zunächst einmal business as usual. Zumindest für das Publikum, das vergleichbare Geschichten schon ziemlich oft hat sehen dürfen.

Wobei Regisseur und Drehbuchautor Roberto Capucci schon noch einiges versucht hat, um sich zumindest ein wenig von dieser abgegriffenen Blaupause zu lösen. So setzt er beispielsweise auf einen größtmöglichen Kontrast zwischen den beiden Geschwistern. Während Nik ein verantwortungsloser Freigeist ist, der sich um wenig kümmert, da ist sie ein verbissener Kontrollfreak, die in einer Welt voller Merkzettel lebt. Dass das nicht so ganz harmonisiert, zumal unter einem Dach, das ist klar. Zumindest am Anfang könnte man meinen, dass Mein Bruder, meine Schwester eine dieser Komödien ist, in denen mithilfe dieser ständigen Reibungen die Zuschauer und Zuschauerinnen zum Lachen gebracht werden sollen.

Eine Krankheit als Mittel und Zweck

Zum Teil ist das sicherlich der Fall, insbesondere da beide Figuren ein ganzes Stück überzeichnet sind. Das ist teilweise schon einer Karikatur nahe. Insgesamt ist der Film dann aber doch überwiegend ein Drama. Im Mittelpunkt dessen steht der junge Sebastiano, der so wenig lebensfähig ist, dass er von seiner Mutter ins Zimmer gesperrt wird. Denn nur dort ist er sicher – so ihre Überzeugung. Mein Bruder, meine Schwester ist an dieser Stelle jedoch wenig überzeugend. Auch hier wird gerne übertrieben und richtig dick aufgetragen. Außerdem wird irgendwie Schizophrenie und Autismus zusammengeworfen, ohne dass sich daraus ein klares Bild ergeben würde. Sebastiano ist mehr eine Ansammlung von Störungen als ein wirklicher Mensch.

Ohnehin hat man bei Mein Bruder, meine Schwester den Eindruck, dass die Krankheit des Jugendlichen ein wenig missbraucht wird, um die eigentliche Geschichte zu erzählen – die zwischen den beiden Geschwistern. Sebastiano, der sofort Zugang zu seinem Onkel sucht, wird zu einem Bindeglied, nachdem es Nik und Tesla selbst nicht auf die Reihe bekommen. Das ist schon als Prinzip etwas fragwürdig. Das Ergebnis dieser Annäherung ist auch etwas zwiespältig. Auf der einen Seite gibt es zweifelsfrei einige schöne Szenen, wenn die Figuren nach vielen schwierigen Jahren langsam zu sich finden und es zumindest wieder eine Perspektive eines gemeinsamen Lebens ging.

Bizarrer Endspurt

Nur reichte das Capucci offensichtlich nicht. Was über längere Strecken zwar nicht übermäßig tiefsinnig, aber doch irgendwie gefällig ist, entgleist auf den letzten Metern völlig. So erfahren wir später den Grund für die Entfremdung zwischen den beiden, welcher gelinde gesagt Schwachsinn ist. Und dann wäre da noch das bizarre Ende, das offensichtlich ganz besonders zu Tränen rühren sollte. Das ist nicht nur auf dreiste Weise manipulativ. Es passt auch nicht zum Rest des Films. Natürlich kann man über all das hinwegsehen. Wer einfach nur mal wieder das Bedürfnis nach einer emotionalen Geschichte hat, findet in Mein Bruder, meine Schwester eine Mischung aus Wohlfühlunterhaltung und Tragödie. Unbedingt notwendig wäre die Begegnung mit diesem verlorenen Sohn aber nicht gewesen.

Credits

OT: „Mio fratello mia sorella“
Land: Italien
Jahr: 2021
Regie: Roberto Capucci
Drehbuch: Roberto Capucci
Musik: Valerio Calisse
Kamera: Andrea Arnone
Besetzung: Alessandro Preziosi, Claudia Pandolfi, Ludovica Martino, Francesco Cavallo, Stella Egitto, Caterina Murino

Trailer

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In „Mein Bruder, meine Schwester“ kommen zwei ungleiche Geschwister nach dem Tod des Vaters noch mal zusammen und sind gezwungen, unter einem Dach zu leben. Das hat teils komische Momente, ist ansonsten aber ein Drama, welches sowohl Wohlfühlelemente wie auch Tragödie bereithält. Fragwürdig ist, wie der psychisch kranke Sohn als reines Mittel zum Zweck missbraucht wird. Zum Ende wird es zudem richtig bizarr.
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