Ein anderes Selbst Zeytin Ağacı Another Self Netflix
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Ein anderes Selbst – Staffel 1

Ein anderes Selbst Zeytin Ağacı Another Self Netflix
„Ein anderes Selbst“ // Deutschland-Start: 28. Juli 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Eigentlich hatte Sevgi (Boncuk Yilmaz) gehofft, den Krebs endlich besiegt zu haben. Doch nun ist er zurück, so stark wie eh und je und damit der Zwang, die Behandlung wieder von vorne zu beginnen. Aber vielleicht gibt es ja eine Alternative? Eine solche erhofft sie sich zumindest von dem Heiler Zaman, der in dem kleinen Ort Ayvalik tätig ist und von dem sie viel Gutes gehört hat. Schaden kann der Versuch zumindest nicht, nachdem die traditionelle Medizin ihr bislang nicht helfen konnte. Ada (Tuba Büyüküstün), die selbst als Ärztin arbeitet, kann dem zwar nicht viel abgewinnen. Dennoch beschließt sie, ihre Freundin zu begleiten. Und auch die Influencerin Leyla (Seda Bakan), die Dritte im Bunde, ist mit von der Partie. Gemeinsam treten sie die Reise an, auf der Suche nach Heilung – und auch sich selbst …

Eine spirituelle Reise

Wer sich für türkische Filme und Serien interessiert, der fand dieses Jahr auf Netflix eine reiche Auswahl. Dabei ist es nicht allein die Zahl an importierten Titeln auf dem Streaminganbieter, welche beeindruckt. Hinzu kommt die recht große Bandbreite an Inhalten und Genres. Ob nun das Liebesdrama Eine dem Untergang geweihte Liebe, die Science-Fiction-Serie Yakamoz S-245 oder die Zeitreisen in Mitternacht im Pera Palace, da war schon einiges dabei, selbst wenn man sich über die Qualität immer etwas streiten konnte. Und das gilt dann auch für den neuesten Zuwachs im Programm, die Dramaserie Ein anderes Selbst über drei Freundinnen, die jeweils eine innere Reise vollbringen müssen, um zu sich finden zu können.

Dabei wird schon früh ein großer Schwerpunkt auf das Thema Spiritualität deutlich. Tatsächlich scheint die Serie anfangs eine Absage an die traditionelle Medizin zu sein, wenn ein Wunderheiler das zu richten scheint, was die Ärzte zuvor nicht hinbekamen. In einer Zeit, in der sich Befürworter und Gegner von Impfstoffen oder auch wissenschaftlichen Erkenntnissen im Allgemeinen unversöhnlich gegenüberstehen, ist das zumindest bemerkenswert. Ganz so einfach wird es in Ein anderes Selbst dann aber doch nicht. So betont Zaman von Anfang an, dass er den Frauen zwar dabei helfen kann, sich einiger Sachen bewusst zu werden und stärker in sich hineinzuhören. Das wäre aber kein Ersatz von Medizin, er sei kein Heiler in dem Sinn.

Erfahrungen als familiäres Kollektiv

Dafür wird in anderer Hinsicht Spiritualität wichtig. In einer sicher nicht für alle leicht zu schluckenden Weise werden Probleme der drei auf Erfahrungen ihrer Vorfahren zurückgeführt. So wird beispielsweise die Angst vorm Wasser dadurch erklärt, dass zuvor eine Großmutter ertrunken ist. Diese Erfahrung wurde danach weitergegeben, nicht verbal, sondern intuitiv. Wer mit solchen kollektiven Entwicklungen und dem Konzept eines seelischen Erbes nichts anfangen kann, der kann sich Ein anderes Selbst mehr oder weniger sparen. Die acht Folgen sind voll von solchen Geschichten. In der Dramaserie ist alles mit allem, jeder mit jeder verbunden. Die Selbsterkenntnis der drei besteht maßgeblich auch darin, dass sie mehr über die Lebensgeschichten anderer erfahren, die uns selbst dann prägen, wenn wir sie gar nicht kennen. So die Überzeugung.

Als Idee ist das interessant, gleich ob man an so etwas glaubt oder nicht. Aber selbst wer offen ist für solche Weltsichten, wird nicht unbedingt glücklich mit der Serie. So irritiert Ein anderes Selbst durch die Vielzahl tragischer Geschichten, die hier auf engem Raum stattfinden. Offensichtlich war das Kreativteam der Ansicht, dass die Qualität eines Dramas mit der Zahl der Schicksalsschläge oder Probleme steigt. Und so wird hier wie in einer Seifenoper Schicht um Schicht ab- bzw. aufgetragen, bis es irgendwann so viel ist, dass man dem Drehbuch gar nichts mehr glaubt. Das darf einem natürlich gefallen. Filme und Serien dieser Art gibt es schließlich mehr als genug. Bei einer Serie, in der es auch um Ausgleich und Balance geht, ist das aber schon ein bisschen arg viel. Es ist fast schon unfreiwillig komisch, wie auf Schritt und Tritt irgendein Unglück passiert, so viele Sachen ganz „zufällig“ geschehen, dass es bei anderen für ein ganzes Leben reichen würde. So richtig viel Selbsterkenntnis ist hier deshalb doch nicht drin, dafür bewegt sich das Drama zu weit von dem weg, was noch mit gutem Gewissen als menschlicher Alltag bezeichnet werden kann.

Credits

OT: „Zeytin Ağacı“
IT: „Another Self“
Land: Frankreich
Jahr: 2022
Regie: Burcu Alptekin
Drehbuch: Nuran Evren Sit
Musik: Aytaç Bayladi, Özgür Buldum
Kamera: Gökhan Tiryaki
Besetzung: Tuba Büyüküstün, Seda Bakan, Boncuk Yilmaz, Murat Boz, Firat Tanis, Serkan Altunorak, Riza Kocaoglu, Füsun Demirel, Umut Kurt

Bilder

Trailer

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Ein anderes Selbst – Staffel 1
Fazit
„Ein anderes Selbst“ ist ein Fall für Fans spiritueller Weltsichten, wenn drei Freundinnen auf der Suche nach Heilung und sich selbst sind. Die Idee, dass vieles von dem, was uns geschieht, auf Erfahrungen von Vorfahren zurückzuführen ist, ist dabei prinzipiell interessant. Die Art und Weise, wie hier aber auf Schritt und Tritt ein Unglück geschieht, die alle irgendwie zusammenhängen sollen, machen das Drama eher unfreiwillig komisch.
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