Inhalt / Kritik

„Blutsbrüder: Malcolm X und Muhammad Ali“ // Deutschland-Start: 9. September 2021 (Netflix)

Literaturverfilmungen gibt es noch und nöcher, vor allem in der letzten Dekade nahm ihr prozentualer Anteil am Markt immer mehr zu. Dokumentationen hingegen basieren nur selten auf Büchern, obwohl das durchaus vorkommen kann. So etwa bei der neuesten Netflix-Doku Blutsbrüder – Malcolm X und Muhammad Ali, für welche das Buch Blood Brothers: The Fatal Friendship Between Muhammad Ali and Malcolm X von Randy Roberts und Johnny Smith zugrunde liegt. Ein Gutteil der Recherche war also schon vorweggenommen, worauf sich hier aber nicht ausgeruht wird. Regisseur Marcus A. Clarke hat einen Haufen Videomaterial zusammengetragen, um die Geschichte der Freundschaft zwischen zwei der ikonischsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhundert zu erzählen.

Über beide Männer gibt es bereits etliche Bücher, Biographien, Dokumentationen und nicht zuletzt mit Ali von Regisseur Michael Mann beziehungsweise Malcolm X von Regisseur Spike Lee auch Biopics. All diese Werke fokussieren sich aber (verständlicherweise) auf den jeweiligen Protagonisten – in Ali bekommt der Zuschauer beispielsweise lediglich mit, dass der Boxer sich von dem Bürgerrechtler distanziert –, so ist Blutsbrüder: Malcolm X und Muhammad Ali eben nicht nur eine weitere Fußnote in diesem Themenkosmos, sondern ein legitimer Neueintrag, welcher ein in der Form eher unbearbeitetes Sujet angeht. Über die einzelnen Individuen ist genug bekannt, auch dass die beiden eine Weile gut miteiander auskamen ist bereits dokumentiert. Einen derart gebündelten Einblick in die knapp drei Jahre ihrer Freundschaft gab es bisher allerdings kaum.

Gut recherchiert mit etwas dünnen Interviews

Bevor die Dokumentation das Titelthema jedoch angeht, werden wie in einem gut strukturierten Film erst einmal beide Hauptcharaktere vorgestellt. In unterschiedlichen Verhältnisse, unter gänzlich anderen Voraussetzungen aufgewachsen, schien es unwahrscheinlich, dass die beiden überhaupt jemals zueinander finden würden. „Muhammad Ali und Malcolm X gehen in eine Bar …“ klingt wie der Anfang eines Witzes, ist aber tatsächlich eine halbwegs akkurate Beschreibung davon, wie das Treffen begann. Trotz Alis weltweiter Popularität kannte Malcolm X ihn nicht, war nur im Namen der Nation of Islam dort, im Auftrage des damaligen Anführers, Elijah Muhammad – ein Name, der das Leben beider Männer noch weiter prägen sollte und letzten Endes auch eine Rolle bei ihrem Zerwürfnis spielte.

Archivaufnahmen sind immer gerne gesehen, aber Zeitzeugen und sonstige talking heads geben oft erst die richtige Würze. Blutsbrüder; Malcolm X und Muhammad Ali bildet da keine Ausnahme. So kommen etwa die beiden Buchautoren zu Wort wie auch Cornel West oder Al Sharpton; vor allem Letzterer trägt aber nicht unbedingt viel bei, wohl weil er wie West zu der fraglichen Zeit zu jung war. An ihrer statt hätten vielleicht Leute interviewt werden sollen, die direkt am Geschehen beteiligt waren. Da die Dokumentation inhaltlich sehr gut recherchiert ist, lässt sich nicht vermuten, dass die Macher hier wohl geschlampt hätten. Es kann zahlreiche Gründe geben, jemanden nicht zu interviewen, beispielsweise zeitliche Konflikte. Khalilah Camacho Ali, Alis zweite Frau, die zwar selbst ebenfalls noch zu jung war, deren Eltern aber engen Kontakt mit Elijah Muhammad pflegten, hätte sicher einige interessante Dinge zu berichten, angesichts der hässlichen Scheidung 1977 kann aber wohl niemand erwarten, dass sie sich jemals wieder zu Ali äußern möchte. Rahman Ali, Alis jüngerer und einziger Bruder, hat hingegen jede Menge aus erster Hand zu erzählen und ist ganz klar ein Pluspunkt, dennoch fällt der Interviewaspekt der Doku insgesamt ein wenig zu dünn aus.

Credits

OT: „Blood Brothers: Malcolm X & Muhammad Ali“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Marcus A. Clarke
Vorlage: Randy Roberts, Johnny Smith
Kamera: Justin Janowitz
Musik: Thomas Brenneck

Bilder

Trailer

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Blutsbrüder: Malcolm X und Muhammad Ali
„Blutsbrüder: Malcolm X und Muhammad Ali“ beleuchtet die Freundschaft zweier Ikonen. Während manche Interviews mit Zeitzeugen neue Einblicke bieten, ist die Dokumentation insgesamt ein exzellentes Kompendium bereits bekannter historischer Fakten.
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