Das dritte Auge 2 Mata Batin 3rd Eye Netflix
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Das dritte Auge 2

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Das dritte Auge 2 Mata Batin 3rd Eye Netflix
„Das dritte Auge 2“ // Deutschland-Start: 13. Juni 2019 (Netflix)

Lange hatten Alia (Jessica Mila) und Abel (Bianca Hello) darunter gelitten, das sogenannte dritte Auge zu haben, das sie die Geister der Toten sehen lässt. Doch inzwischen sehen sie diese besondere Fähigkeit als eine Gabe an, schließlich erlaubt sie den beiden, anderen zu helfen. Dies wollen sie auch in einem Waisenhaus tun, in dem von seltsamen Vorkommnissen berichtet wird. Geräusche hinter den Wänden beispielsweise. Schatten, die an den verschiedensten Stellen auftauchen. Etwas ist hier, das nicht hierher gehört, dessen sind sich alle bald sicher. Nur was dieses etwas ist, weiß keiner so genau. Dabei heißt es schnell eine Antwort finden, denn bald kostet die Geschichte ihr erstes Opfer …

Inzwischen dürfte der Name Rocky Soraya fleißigen Netflix-Schauern geläufig sein, innerhalb weniger Monate hat der Streamingdienst eine ganze Reihe seiner Filme ins Programm aufgenommen. Der neueste Streich ist Das dritte Auge 2, der nunmehr sechste Titel im Sortiment und Fortsetzung von Das dritte Auge, das die Flut vor einem dreiviertel Jahr begonnen hat. Die Geschichte schließt auch mehr oder weniger an den ersten Teil an, zu Verständniszwecken ist es daher ratsam, Letzteren zuvor gesehen zu haben. Wer das aus welchen Gründen auch immer nicht möchte und gleich beim Nachfolger einsteigen will: Kein Problem, eine kurze Einführung klärt darüber auf, was dieses dritte Auge sein soll.

Alles kann, nichts muss
Theoretisch zumindest. War in Das dritte Auge diese besondere Ausstattung in erster Linie dafür da, die umherschwirrenden Geister zu erkennen, wird das Arsenal nach und nach erweitert. Vermutlich ist es Riheam Junianti und Fajar Umbara, die schon den ersten Teil geschrieben haben, völlig egal, wenn das Konzept ein bisschen schwammig ist und lediglich als Sammelsurium übernatürlicher Fähigkeiten benutzt wird. So wie vieles hier letztendlich egal ist, willkürlich, und irgendwo auch ziemlich billig. Aber auch das sind wir von Soraya und seinen Filmen gewohnt, die große Kunst sind sie nie.

Das demonstriert mal wieder eindrucksvoll die Musik. Dass die im Horrorgenre gern mal etwas aufgetragen ist, gehört nicht unbedingt zu den Geheimnissen. Die Kombination aus dramatischen Klängen und Jump Scares dominiert gerade bei den Kinovertretern inzwischen stark. So extrem wie in Das dritte Auge 2 ist das aber nicht. Der Score beackert das Publikum derart penetrant, als hätte er Angst vor der Stille. Das ist nicht nur überflüssig. Es ist sogar kontraproduktiv: Die Wirkung verfliegt schnell, wenn aus Akzenten ein Dauereinsatz wird. Manchmal meint man sogar, dass das hier eher eine Parodie auf schlechte Horrorfilme sein soll.

Ist das euer Ernst?
Aber Humor ist Soraya völlig fremd, zumindest der freiwillige. Unfreiwillig komisch ist natürlich schon einiges, allen voran die Masken der Geister, die auf eine falsche Weise schauerhaft sind. Auch die Kameraführung lässt einen schmunzeln, wenn sie wie eine Figur panisch von links nach rechts schaut und damit das letzte Gefühl von Immersion zunichtemacht. Wenigstens in einer Hinsicht stellt Das dritte Auge 2 jedoch eine Verbesserung zu Sorayas anderen Filmen dar: Hier wird ausnahmsweise mal nicht jedes Mal ein Gewitter beschworen, wenn es besonders gruselig werden sollte. Geister dürfen jetzt auch bei Sonnenschein auftauchen.

Das kommt dem Film sogar wirklich etwas zugute, da das Waisenhaus selbst – ganz genreuntypisch – kein düsterer Klotz ist, sondern ein richtig schickes Anwesen. Der größte Spaß ist noch, durch Gebäude, Garten und Gelände zu schlendern und sich hoffnungslos zu verlaufen, man entwickelt hier nie wirklich ein Gespür dafür, wo jetzt was ist. Das alleine reicht aber nicht aus, um Das dritte Auge 2 zu einem empfehlenswerten Film zu machen. Nach dem passablen Einstieg wird das Werk zunehmend schlimmer und dümmer. Es dauert auch viel zu lang: Spätestens nach der Hälfte wünscht man sich, die Geister würden alle Menschen auf dem Bildschirm zu sich nehmen und damit der sterbend langweiligen Geschichte ein Ende zu setzen. Doch das scheint ein frommer Wunsch zu bleiben, nach knapp zwei Stunden droht Soraya an, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist und der Albtraum in eine dritte Runde gehen könnte.



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Der erste Teil war ein Totalausfall, die Fortsetzung ist nicht wirklich besser. Wenn in „Das dritte Auge 2“ die zwei übernatürlich begabten Schwestern in einem seltsamen Waisenhaus nach dem Rechten sehen, dann ist das sicher grauenvoll. Das Gefühl von Grauen wird aber kaum vermittelt, dank exzentrischer Kamera, mieser Masken und einer absurd aufdringlichen Musik ist das eher unfreiwillig komisch als spannend. Die langweilige Geschichte rundet das Elend noch ab.
3
von 10