Kritik

Pandemie Pandemic: How to Prevent an Outbreak Netflix

„Pandemie – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 22. Januar 2020 (Netflix)

Der Zeitpunkt ist sicherlich günstig, auf eine doch recht erschreckende Weise. Gerade sind die Nachrichten voll von dem sogenannten Corona-Virus, der in Asien wütet. China hat sogar die 11-Millionen-Metropole Wuhan abgeriegelt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Genau zu dem Zeitpunkt eine Dokuserie namens Pandemie zu veröffentlichen, deren Thema die Ausbreitung solcher Seuchen sind bzw. der Kampf dagegen, das dürfte Netflix jede Menge Zuschauer und Zuschauerinnen verschaffen. Ein beträchtlicher Teil dürfte im Anschluss aber enttäuscht oder irritiert sein. Das Problem ist dabei nicht, dass statt dieses Virus Klassiker wie Grippe oder Ebola besprochen werden. Vielmehr hat der Streamingdienst ein Sammelsurium aus Geschichten und Themen veröffentlicht.

Gemeinsam gegen den Untergang
Der englische Titel Pandemic: How to Prevent an Outbreak ist da noch etwas irreführender, was zu einer Reihe erboster Kommentare im Internet geführt hat. Gesprochen wird zwar schon über die Gefahren einer Pandemie, also einer Krankheit, die sich über mehrere Länder, wenn nicht gar Kontinente ausbreitet. Doch das bleibt ein hypothetisches Szenario, wer sich eine „was wäre wenn“-Doku erhofft, eine wissenschaftlich angemalte Apokalypse, der ist an der falschen Adresse. Vielmehr erzählen die sechs Folgen von Menschen aus dem Gesundheitssystem, die gegen Krankheiten ankämpfen, seien es konkrete Fälle oder auch vorsorglich, in Form von Forschung.

Das wiederum lenkt die Aufmerksamkeit auf eine weitere Kontroverse: die wachsende Zahl von Impfgegnern. Die USA beispielsweise erklärten sich vor 20 Jahren als frei von Masern. Inzwischen ist die Krankheit aber wieder auf dem Vormarsch, nicht zuletzt weil eine noch kleine, aber wachsende und sehr lautstarke Gruppe sich aus Prinzip nicht vorschreiben lassen will, was mit ihren Körpern zu geschehen hat. Dem Gedanken kann man nun aus Prinzip zustimmen oder ablehnen. Auf welcher Seite die Leute von Pandemie stehen, daran lassen sie keinen Zweifel, wenn bei den Impfgegnern nur die bekannten Spinner und Verschwörungstheoretiker zu Wort kommen, die grundsätzlich allem misstrauen, was auch nur irgendwie nach Staat riecht.

Viel Stoff, kein Zusammenhang
Eine tatsächliche Auseinandersetzung findet damit nicht statt, ebenso wenig mit Menschen, die aus religiösen Gründen solche Eingriffe ablehnen. Allgemein sollte man sich nicht allzu viel Tiefgang von dem Ganzen hier erhoffen. Dafür folgt der Inhalt zu sehr dem Zufallsprinzip. Mal schauen wir einem Wissenschaftlerteam über die Schultern, die ein neues Mittel an Schweinen ausprobiert, mal wagen wir einen Ausflug nach Indien, wo das medizinische Versorgungssystem schnell an seine Grenzen stößt. Aber auch Einzelschicksale, sowohl Kranke wie auch Pfleger, werden zwischendrin eingeworfen, um ein bisschen Identifikationsfläche in dem Informationsrausch zu schaffen.

Vereinzelt ist das nicht uninteressant. In der Menge und der willkürlichen Anordnung jedoch wird Pandemie schnell unnötig anstrengend. Anstatt den einzelnen Folgen ein jeweiliges Thema zu geben, das näher ausgearbeitet wird, entschied man sich dafür, lieber ständig Orte, Personen und Unterthemen zu wechseln. Das hat dann zwar alles mit Gesundheit zu tun bzw. mit der Bekämpfung von Krankheiten, lässt aber jeglichen roten Faden oder ein erkennbares Konzept vermissen. Innerhalb der Folgen wird zwar in Kapitel unterteilt, was einen Fortgang der Ereignisse impliziert. Eingehalten wird dieses Versprechen aber nicht. Im Gegenteil, nach der Staffel hat man das Gefühl, wieder dort angekommen zu sein, wo man anfangs stand. Vielleicht wollte man auf diese Weise ein Publikum mit Aufmerksamkeitsdefiziten ansprechen oder ein Gefühl von Dringlichkeit erzeugen. Es führt aber eher dazu, dass man die Ereignisse in China weiter verfolgt, die trotz der Entfernung spannender und konkreter sind.

Credits

OT: „Pandemic: How to Prevent an Outbreak“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Isabel Castro, Arianna Lapenne, Ryan McGarry, Danni Mynard, Doug Shultz
Kamera: Brian Dawson, Jeff Johnson, Jeremy Leach, Todd Liebler, Jerry Risius, Doug Shultz, Isabel Castro, Ora Dekornfeld, Jeff Feller, Zachary Fink, Omar Mullick, Arianna Lapenne



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Pandemie – Staffel 1
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Pandemie – Staffel 1
„Pandemie“ spricht über die Möglichkeit von globalen Krankheitsausbrüchen und Menschen, die eben das verhindern wollen. Das ist als Thema interessant, in der Ausführung jedoch weniger. Die ständigen Wechsel von Orten, Personen und Unterthemen führen dazu, dass nichts vertieft wird, es fehlt das Konzept, um die ganzen Bestandteile sinnvoll zu vereinen.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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