Kritik

Für Quinn Ackerman (Sabrina Carpenter) gibt es derzeit nur ein Thema: Sie will unbedingt auf das College ihrer Träume. Doch der Weg ist hart, sie steht in einem heftigen Konkurrenzkampf mit vielen anderen Mädchen, die alle wie sie einen makellosen Lebenslauf vorzuweisen haben. Eine Chance hat sie dabei, sich von den anderen zu unterscheiden und damit die Nase vorn zu haben, schließlich war man beim Vorstellungsgespräch ganz angetan von ihrer Tanztätigkeit. Das Ganze hat nur einen Haken, genauer zwei. Zum einen war sie immer nur für die Beleuchtung zuständig, selbst getanzt hat sie nie. Und nicht einmal das tut sie noch, seitdem sie rausgeworfen wurde. Also bleibt ihr nichts anderes übrig, als mit ihrer besten Freundin Jasmine Hale (Liza Koshy) eine eigene Tanztruppe zu gründen und darauf zu hoffen, dass das ehemalige Tanzgenie Jake Taylor (Jordan Fisher) ihnen bei der Choreografie hilft …

Zuletzt durften sich Fans von Tanz-Filmen über richtig viel Nachschub freuen. Aus aller Welt strömten Geschichten zu uns über größtenteils junge Menschen, die mittels des Tanzes nach einem Platz für sich suchen. In dem deutschen Jugenddrama Into the Beat – Dein Herz tanzt entdeckte eine Balletttänzerin den Hiphop und damit eine ganz neue Form sich auszudrücken und zu verwirklichen. Feel the Beat erzählte von einer angehenden Broadway-Tänzerin, die in ihrer alten Heimat in der Provinz neuen Schwung findet. In Feel That Beat musste ein russischer Tänzer nach einem schweren Unfall einen neuen Lebensinhalt für sich erarbeiten. In allen Fällen ging es um bereits erfahrene Tänzer und Tänzerinnen, die aufgrund äußerer Umstände an einem Scheideweg angekommen waren.

Tanzen als Bullet Point
Bei Work It ist das grundsätzlich natürlich ganz ähnlich: Auch hier geht es darum, einen neuen Lebensweg einzuschlagen, geht es darum, sich dank des Tanzes seiner selbst bewusst zu werden und Gefühle ausdrücken zu können. Was den Netflix-Film aber zunächst von der Konkurrenz entscheidet, ist dass der Tanz für die Protagonistin keine Leidenschaft darstellt, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Quinn würde alles tun, um auf das College zu kommen, Tanzen ist da prinzipiell nichts anderes als Cello oder Naturwissenschaft, ein bloßer Punkt zum Abhaken auf einer Liste. Entsprechend ungelenk sind die anfänglichen Versuche, wenn eine Nichttänzerin auf einmal über die Bühne stolpert.

Da werden natürlich Erinnerungen an Dirty Dancing und Konsorten wach. Allerdings verzichtet Work It dabei auf die tragische Ausrichtung des Klassikers, Themen wie Klassenunterschiede oder Geschlechterrollen haben in der bunten Welt der Netflix-Komödie keinen Platz. An einer Stelle wird zwar versucht, den Ereignissen noch ein tieferes emotionales Fundament zu verleihen. Viel investiert wird in der Hinsicht jedoch nicht, das wirkt eher wie ein weiter Punkt auf der To-Do-Liste, ähnlich zu den Aktivitäten Quinns. Man hätte diesen sogar komplett weglassen können, ohne dass es wirklich was verändert hätte. Gleiches gilt für die erzwungene Romanze zwischen Quinn und Jake, die wohl in erster Linie drin ist, damit das weibliche Publikum noch jemanden zum Anhimmeln bekommt.

Mehr witzig als erinnerungswürdig
Wer sich den Film anschauen möchte, um dadurch emotional überwältigt zu werden, kann sich das Vorhaben also sparen. Aber auch die Tanzszenen könnten manche im Publikum enttäuschen. Eben weil Quinn keine geborene Tänzerin ist, dauert es sehr lang, bis da mal etwas Vorzeigbares rauskommt. Und selbst später, wenn es um den Sieg des Wettbewerbs geht und das Niveau entsprechend ansteigt: Work It wird eher weniger hierfür in Erinnerung bleiben. Nicht, dass der Film überhaupt um viel Nachhaltigkeit bemüht wäre. Das Drehbuch von Alison Peck (UglyDolls) ruht sich schon sehr auf Klischees aus, ist in vielerlei Hinsicht austauschbar.

Dafür überzeugt der Film in anderer Hinsicht. Zum einen ist er erstaunlich witzig, was sowohl den Dialogen wie auch den Darbietungen zu verdanken ist. Gerade Liza Koshy darf immer mal wieder ihr komisches Talent zeigen. Außerdem ist Work It charmanter als so mancher Kollege aus dem Jugendbereich. Da zudem die zugrundeliegende Aussage, sich nicht von den Erwartungen anderer definieren zu lassen, sondern stattdessen lieber ein eigenes Leben anzustreben, sympathisch und wichtig ist – wenn auch formelhaft vorgetragen –, kann man sich durchaus an diesem Tanz-Workshop erfreuen, sofern man in der Stimmung für ein bisschen seichte Feel-Good-Unterhaltung ist.

Credits

OT: „Work It“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Laura Terruso
Drehbuch: Alison Peck
Musik: Germaine Franco
Kamera: Rogier Stoffers
Besetzung: Sabrina Carpenter, Liza Koshy, Jordan Fisher, Keiynan Lonsdale, Drew Ray Tanner, Michelle Buteau, Naomi Snieckus

Bilder

Trailer

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Work It
In „Work It“ versucht sich eine Vorzeigeschülerin am Tanzen, um damit die Chancen auf ihr Wunsch-College zu erhöhen. Die Geschichte ist vorhersehbar, klappert einige Punkte auch lediglich pflichtbewusst ab, anstatt viel zu investieren. Die Komödie ist aber witziger und charmanter als so manches, was man in diesem Bereich zu sehen bekommt.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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