Inhalt / Kritik

Reif für einen Mord W jak morderstwo Netflix

„Reif für einen Mord“ // Deutschland-Start: 19. Oktober 2021 (Netflix)

Magda Borowska (Anna Smolowik) staunt nicht schlecht, als sie eines Abend beim Ausführen ihres Hundes im Park die Leiche einer jungen Frau findet. Und so schrecklich dies natürlich auch ist, für den großen Krimifan bedeutet dies, dass sie endlich einmal etwas zu tun bekommt. Schließlich kennt sie als Mutter zweier Kinder und Ehefrau des despotischen Tomasz (Przemyslaw Stippa) ansonsten nur die Hausarbeit, Tag für Tag. Gegen den Willen des ermittelnden Polizisten Jason Sikora (Pawel Domagala) beschließt sie dann auch, selbst ein wenig auf Spurensuche zu gehen. Doch es ist nicht allein die Langeweile ihres eintönigen Alltags, der sie zu einer Hobbydetektivin werden lässt. Vielmehr entdeckt sie bald, dass die Tote ein Halsband trug, das Magdas vor Jahren verschwundenen besten Freundin Weronika gehörte …

Mörder jagen kann doch jeder!

Wenn es in Krimis darum geht, einen Mord aufzuklären, dann wird in erster Linie die Polizei zur Hilfe gerufen. Dann und wann versuchen sich auch Privatdetektive an dieser Aufgabe oder auch Leute, die anderweitig mit dem juristischen Bereich zu tun haben. Aber es gibt sie auch, die kleine, aber feine Gruppe an Protagonisten und Protagonistinnen, denen völlig die Berechtigung für eine Spurensuche fehlt, die sich davon aber nicht abhalten lassen möchte. Zu groß ist da oft die Neugierde. Ein Musterbeispiel hierfür ist sicherlich Agatha Christies Miss Marple, eine alte Jungfer, die sich immer für Morde interessiert. Wenn der Netflix-Film Reif für einen Mord auf die berühmte britische Autorin verweist, dann ist das also mehr als nur ein bisschen Namedropping.

Tatsächlich erinnert der polnische Film gerade am Anfang an die 60er Jahre Adaptionen wie 16 Uhr 50 ab Paddington, in denen Margaret Rutherford mehrfach in die Rolle der Hobbyschnüfflerin schlüpfte. So wie diese kommt es auch zwischen Magda und der Polizei, symbolisiert durch Jason, zu diversen Reibereien. Magda will sich nicht damit abfinden, einfach nur zuzusehen, sondern will selbst kräftig mitmischen. Schließlich habe sie Krimis gelesen, das ist Qualifikation genug. Umso mehr, da die offiziellen Stellen dezent unfähig sind. Letzteres wird dabei schon etwas überspitzt, so wie viele Charaktere überzeichnet sind. Das geschieht durchaus bewusst, denn Reif für einen Mord versteht sich als ein humorvollerer Vertreter des Genres.

Der Triumph einer unterdrückten Frau

Zu Beginn klappt das ganz ordentlich. Später fiel Regisseur Piotr Mularuk, der gemeinsam mit der Autorin Katarzyna Gacek, auf deren Roman der Film basiert, nicht mehr so wahnsinnig viel ein. Dann und wann gibt es in Reif für einen Mord noch komischere Momente. Man sollte sich aber nicht zu viele Lacher erwarten. Da hat der Bereich der Krimikomödie schon deutlich Besseres zustande gebracht. Teilweise hat der Film sogar vielmehr dramatische Züge, gerade im Hinblick auf die Hauptfigur. Nicht nur, dass sie darunter leidet, dass ihre Freundin seinerzeit spurlos verschwunden ist. Sie leidet zudem unter ihrem aufgeblasenen Ehemann, der Frauen grundsätzlich als Untertaninnen ansieht. Ein Mitspracherecht hat sie praktisch nie, nicht einmal bei der Wahl der Freizeitaktivitäten.

Reif für einen Mord hat deshalb auch eine gewisse feministische Ausrichtung. Wenn Magda das Rätsel um die tote Frau lösen will, dann bedeutet das automatisch auch eine Form der Selbstbehauptung gegenüber männlicher Unterdrückung. Ob nun der Ehemann, der sie nicht für voll nimmt, oder der Polizist, der auf die Hierarchie besteht: Der Film ist auch die Geschichte eines Triumphes innerhalb eines patriarchischen Systems. Das ist nicht unsympathisch, wenngleich ein bisschen arg gewollt. Schwerwiegender ist jedoch, dass der Krimi an sich nicht sonderlich viel taugt. Da ergibt einiges nicht so wirklich viel Sinn, wenn Magda bei den Ermittlungen Sachen über die Verstorbene erfährt, die sie eigentlich selbst hätte wissen müssen durch ihre Freundschaft zu Weronika. Durchdacht ist das nicht. Auch die Auflösung überzeugt nicht wirklich, ist eher langweilig. Dadurch ist in der Summe der Film zwar schon nett, aber nichts, das man unbedingt gesehen haben müsste – weder als Krimi noch als Komödie.

Credits

OT: „W jak morderstwo“
IT: „In for a Murder“
Land: Polen
Jahr: 2021
Regie: Piotr Mularuk
Drehbuch: Piotr Mularuk, Katarzyna Gacek
Vorlage: Katarzyna Gacek
Musik: Pawel Lucewicz
Kamera: Adam Bajerski
Besetzung: Anna Smolowik, Pawel Domagala, Szymon Bobrowski, Piotr Adamczyk, Dorota Segda, Rafal Królikowski, Przemyslaw Stippa

Trailer

Weitere Netflix Titel

Ihr seid mit Die Schlacht um die Schelde schon durch und braucht Nachschub? Dann haben wir vielleicht etwas für euch. Unten findet ihr alle Netflix-Titel, die wir auf unserer Seite besprochen haben.

D
T

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Reif für einen Mord
Eine unterdrückte Hausfrau entdeckt eine Leiche und versucht sich als Hobbydetektivin: „Reif für einen Mord“ nimmt bekannte Versatzstücke und reichert diese mit Humor an. Das ist anfangs ganz unterhaltsam, eigentlich auch sympathisch, letztendlich aber nicht mehr als nett – dafür ist der Krimiteil zu schwach.
5von 10
Leserwertung: (19 Votes)
4.0

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

Hinterlasse eine Antwort