Kritik

Fearless Babysitten ist Heldensache Netflix

„Fearless – Babysitten ist Heldensache“ // Deutschland-Start: 14. August 2020 (Netflix)

Reid ist nicht unbedingt das, was man ein leuchtendes Vorbild nennen würde. An der Schule bekommt er nicht wirklich was auf die Reihe, Ambitionen oder Ziele hat er auch keine. Nur eine Sache gibt es, in der er tatsächlich etwas drauf hat: Computerspiele! Den ganzen Tag ist er am Daddeln, kämpft sich von Level zu Level und ignoriert dabei, was in der Außenwelt so vor sich geht. Diese friedliche Abgeschiedenheit wird eines Tages jedoch empfindlich gestört. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass er sich mit Melanie zusammensetzen muss, um an einem doofen Schulprojekt zu arbeiten, tauchen plötzlich Babys mit Superkräften bei ihm auf, die eigentlich nur Teil eines Computerspiels sind. Und sie kommen nicht allein, ist ihnen doch eine Gruppe fieser Aliens auf den Fersen, welche die Erde erobern wollen …

Es ist eines der beliebtesten Motive in Animationsfilmen: Die Helden oder Heldinnen stolpern irgendwie in eine Fantasy-Welt oder machen anderweitig mit Fabelwesen die Bekanntschaft, was nicht nur in jeder Menge Chaos endet, sondern auch einem Abenteuer, welches die Figuren am Ende ein bisschen erwachsener gemacht hat. Der Netflix-Titel Fearless – Babysitten ist Heldensache nimmt dieses Motiv dankbar auf und steht damit in der Tradition solcher Filme wie Chihiros Reise ins Zauberland, Peter Pan oder Little Nemo – Abenteuer im Schlummerland. Mit einem Unterschied: Anstatt alte Legenden oder Märchen anzuzapfen, kommen die fremdartigen Kreaturen aus dem Computer, genauer einem Computerspiel.

Kein Sinn? Auch egal
Als Szenario ist das eigentlich nicht verkehrt, weil das viele Möglichkeiten der Absurdität mit sich bringt. Wie soll man sich schon verhalten, wenn auf einmal Figuren vor dir stehen, die du gerade noch virtuell abgeknallt hast? Und wie werden die sich verhalten? Eine wirkliche Verbindung zwischen den beiden Welten stellt Fearless – Babysitten ist Heldensache dabei aber gar nicht her. Eigentlich ist es sogar völlig egal, dass sowohl die Babys wie auch die Gegenspieler einem Game entsprungen sind, so wie es Regisseur und Co-Autor Cory Edwards nicht sonderlich wichtig war, eine Erklärung für dieses Phänomen zu liefern. Die Wesen sind einfach da, das Abenteuer kann beginnen, der Rest ist Nebensache.

In einem Animationsfilm für Kinder ist das nicht wirklich überraschend, die wenigsten machen sich da wirklich die Mühe, am Inhalt zu arbeiten, Hauptsache es wird actionreich und hektisch, verbunden mit Humor. Enttäuschend ist es aber schon, da die einzige nennenswerte inhaltliche Komponente, die Fearless – Babysitten ist Heldensache aus dem Ganzen zieht, die ist, dass man in der Realität leben sollte. Das ist als Fazit zwar gut gemeint, aber billig, zudem scheinheilig erkauft, schließlich verzichtet der Film ja selbst auf die Realität. Außerdem ist es irgendwo auch ziemliche Verschwendung. Zwei Welten zusammenzuführen, ohne dass es wirkliche Anknüpfungspunkte gibt – egal ob inhaltlich oder auch humorvoll –, das kann man sich irgendwie sparen.

Billige Bilder
Äußerst sparsam ist zudem die Optik des Films. Während man bei den Designs der Figuren zumindest noch versucht hat, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, begnügte man sich bei der Ausgestaltung der Hintergründe und Settings mit dem absoluten Minimum. Natürlich kann nicht jeder Animationsfilm mit dem Budget von Disney, Pixar oder DreamWorks Animation aufwarten, was zwangsläufig auch zu visuellen Qualitätsunterschieden führt. Dass man hier aber mit Liebe zum Detail und einem stärkeren Willen zur Stilisierung einiges erreichen kann, das zeigte vor einigen Wochen der Netflix-Kollege Familie Willoughby. Hier fehlt das, Fearless – Babysitten ist Heldensache sieht wie eine der vielen Direct-to-Video-Produktionen aus, die schnell in der Ramschauslage verschwinden.

Das könnte man alles vielleicht noch verschmerzen, wenn der Film wenigstens irgendwie lustig wäre. Aber auch da sollte man sich nicht allzu viel erwarten, vor allem nicht in der deutschen Fassung, deren Synchro leider ziemlich missglückt ist. Fearless – Babysitten ist Heldensache ist sicher hektisch genug, um so manche in dem Zielpublikum zu beschäftigen. Hier ist ständig etwas los, damit niemand mit einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne überfordert wird. Das allein ist aber nicht genug. Nachdem Netflix in den letzten Monaten doch eine Reihe von animierten Highlights herausgebracht hatte, ist der Neuzugang eine herbe Enttäuschung, für die es in einem derart überlaufenen Markt nicht wirklich Platz gibt.

Credits

OT: „Fearless“
Land: Kanada
Jahr: 2020
Regie: Cory Edwards
Drehbuch: Cory Edwards, John Paul Murphy
Musik: Anne Kathrin Dern
Animation: Vanguard Animation

Bilder

Trailer

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Fearless – Babysitten ist Heldensache
In „Fearless – Babysitten ist Heldensache“ muss sich ein Jugendlicher plötzlich um Babys mit Superkräften kümmern, die durch ein Computerspiel in die Welt gekommen sind. Das hört sich witzig an, ist trotz des hohen Tempos aber letztendlich langweilig, da sowohl Humor wie auch Optik bescheiden ausfallen.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

2 Responses

  1. MikeM

    Prinzipiell eine nette Geschichte, aber die Synchronisation ist echt mies! Man merkt richtig wie der Sprecher abliest, ohne richtiges Gefühl.

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