Kritik

Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten! A Christmas Journey Netflix

„Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten!“ // Deutschland-Start: 13. November 2020 (Netflix)

Wenn es um Spielzeuge geht, da macht ihm keiner etwas vor: Jeronicus Jangle (Forest Whitaker) ist der größte Erfinder aller Zeiten, hat unzählige kleine Wunderwerke kreiert! Doch damit ist es vorbei, nachdem sein Gehilfe Gustafson (Keegan-Michael Key) sich mit den Plänen auf und davon gemacht hat und diese Erfindungen nach und nach als seine eigenen verkauft – mit überwältigendem Erfolg! Jahre später ist von dem Ruhm des einst so verehrten Jeronicus nicht mehr viel übrig geblieben, zudem sitzt ihm die Bank im Nacken und will endlich ihr Geld. Wenn ihm nicht bald etwas wirklich Revolutionäres einfällt, wird er seinen Laden schließen müssen, so viel steht fest. Da passt es ihm so gar nicht in dem Kram, als auch noch seine Enkelin Journey (Madalen Mills), die er wegen der Entfremdung von seiner Tochter nie kennengelernt hatte, auftaucht und alles durcheinander bringt …

Ein kleines Wunder
Weihnachten rückt immer näher, und damit auch der festlich bestimmte Content auf Netflix. Nachdem die ersten Filme zu dem Thema äußerst mäßig ausgefallen waren und damit nicht unbedingt die Vorfreude steigerten, trudeln nun auch Titel ein, die deutlich hoffnungsvoller stimmen. Dash & Lily ist eine charmante Serie um zwei grundverschiedene Jugendliche, die sich Hinweise in einem Notizbuch Hinweise hinterlassen und dadurch näherkommen. Ein Fall für das romantisch veranlagte Publikum also. Mit Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten! folgt ein Film, der für die ganze Familie gedacht ist, vor allem, aber nicht nur, bei den ganz Kleinen ein paar Augen zum Leuchten bringen dürfte.

Dabei gestaltet sich der Einstieg noch ein wenig zäh. Auch wenn es natürlich schon ganz nett ist, die zuletzt wieder sehr aktive Phylicia Rashad (Die Bill Cosby Show) als Märchenoma zu sehen, die ihren Enkeln ganz klassisch vor dem Kaminfeuer eine Geschichte erzählt, dem Film selbst bringt das nicht wirklich etwas. Im Gegenteil: Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten! wird dadurch nur unnötig aufgeblasen, eine Laufzeit von über zwei Stunden ist in diesem Segment nicht wirklich angebracht. Danach kommt ein ausgiebiger Prolog, der aufzeigen soll, wie Jeronicus überhaupt in seine aktuelle triste Lage geraten ist. Bis es dann mal so weit ist und der Film überhaupt loslegt und die eigentliche Hauptfigur auftaucht, da ist schon richtig viel Zeit vergangen.

Schwungvolles Weihnachts-Steampunk-Musical
Wobei es vorher auch keine wirkliche Langeweile gibt. Regisseur und Drehbuchautor David E. Talbert hat hier ein weihnachtliches Steampunk-Musical auf die Beine gestellt, das sich sehen und hören lassen kann. Vor allem das Zuhause von Jeronicus ist vollgestopft mit Krimskrams und den unsinnigsten Erfindungen, deren einziger erkennbarer Zweck der ist, sich bezaubern zu lassen. Das gelingt auch gut. Obwohl es in dem Film keine wirklichen Fantasy-Elemente gibt, fühlt man sich hier doch wie in einer Märchenwelt, in der alles möglich ist, die einzigen Grenzen die sind, die man sich selbst setzt. Sowohl in der Rahmenhandlung rund um die Kamingeschichte wie auch in dem Hauptteil geht es dann auch maßgeblich darum, den Glauben an sich selbst zu haben und sich von nichts und niemanden unterkriegen zu lassen.

So etwas droht immer schnell kitschig zu werden. Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten! schafft dabei jedoch gut die Kurve. Wo sich andere auf Zucker verlassen, da gibt es hier viel Energie. Hauptdarstellerin Madalen Mills gefällt als Wirbelwind, der zum Vorbild für viele andere Mädchen werden kann, wenn Journey mit Mut, Eifer und Erfindungsreichtum zur Sache geht. Und dann gibt es natürlich noch die zahlreichen Musical-Nummern. Die werden nicht nur mit viel Aufwand betrieben. Die Lieder haben zudem tatsächlichen Ohrwurm-Charakter. Anders als etwa bei Die bunte Seite des Mondes, wo die langweiligen Gesangseinlagen immer wieder das Tempo verlangsamten, sind die Stücke hier Teil eines Gesamtpaketes, tragen zum Schwung bei, anstatt ihn rauszunehmen. Da auch das erwachsene Ensemble prima aufgelegt ist und viel Arbeit in Kostüme und Ausstattung investiert wurde, gehört das gutgelaunte Weihnachtsabenteuer zu den schönsten der letzten Jahre, verbindet dabei eine nostalgische Stimmung mit sehenswert verspielter, moderner CGI-Technik.

Credits

OT: „Jingle Jangle: A Christmas Journey“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: David E. Talbert
Drehbuch: David E. Talbert
Musik: John Debney
Kamera: Remi Adefarasin
Besetzung: Madalen Mills, Forest Whitaker, Keegan-Michael Key, Hugh Bonneville, Anika Noni Rose, Phylicia Rashad

Bilder

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Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten!
„Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten!“ erzählt von einem desillusionierten Spielzeugerfinder in Nöten und seiner aufgeweckten Enkelin, die für frischen Wind sorgt. Der Film ist ein bisschen lang geraten, gefällt aber ansonsten durch seinen Schwung, eingängige Lieder und eine schöne Steampunk-Optik, die zum Träumen und Staunen einlädt.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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