Kritik

What Did Jack Do David Lynch Netflix

„What Did Jack Do?“ // Deutschland-Start: 20. Januar 2020 (Netflix)

Netflix ist ja immer wieder für eine Überraschung gut, seien es Produktionen, von denen niemand etwas ahnte, plötzliche Einkäufe begehrter Titel oder auch Absetzungen von Serien, deren Logik man als Außenstehender kaum erkennen kann. Und dann wären da noch die diversen Filme, die aus heiterem Himmel auf dem Streamingdienst erscheinen, ohne Ankündigung, ohne Vorbereitung. Das neueste Beispiel ist What Did Jack Do?, ein Kurzfilm von David Lynch. Und als wäre das nicht schon verblüffend genug, handelt es sich auch noch um ein Werk aus dem Jahr 2016. Warum das jetzt veröffentlicht wurde? Keinen Schimmer.

Aber es passt ja auch zu dem Kult-Regisseur, der es in seinen Werken immer wieder schafft, dass das Publikum nach dem Anschauen mehr Fragen hat als vorher. Dieses Mal ist es jedoch Lynch selbst, der Fragen hat, sie zumindest stellt. Denn in What Did Jack Do? spielt er einen Polizisten, der einen Verdächtigen verhört. Das Besondere: Dieser Verdächtige ist ein Affe namens Jack Cruz. Im Gegensatz zu seinen Artgenossen ist dieser durchaus der menschlichen Sprache mächtig, was auch an seinem Mund liegt. Der gehört ganz offensichtlich nicht dem Tier selbst, sondern einem Menschen und wurde lediglich mittels Computertechnik auf den Affenkopf montiert.

Wie in einem Noir Film, nur anders
Überzeugend sieht das natürlich nicht aus, soll es aber auch gar nicht. Lynch spielt in dem in Schwarzweiß gehaltenen Kurzfilm mit den Stilmitteln des Noir Films, so sehr, dass man sich gar nicht ganz sicher sein kann, ob er sich nicht sogar darüber lustig macht. Absurd ist es zumindest, was in What Did Jack Do? vor sich geht. Ein Affe, der ein Huhn liebt und jemand umgebracht haben soll, das ist nicht unbedingt eine geläufige Situation. Der Regisseur, der auch das Drehbuch verfasst hat, nutzt diese Situation dabei gar nicht so wahnsinnig viel aus. Stattdessen gibt es Dialoge, die sich konsequent eines roten Fadens verweigern. Die Antworten von Jack haben beispielsweise nicht unbedingt etwas mit den vorangegangenen Fragen zu tun. Aber auch die Fragen selbst bleiben ohne Kontext.

Das ist natürlich typisch Lynch. Und doch, so vielversprechend bizarr das Setup des Kurzfilms ist, so uninteressant ist das Ergebnis nach einer Weile. What Did Jack Do? wird weder so komisch, wie es die Situation verspricht, noch so surreal. Selbst wenn jeder Satz woanders hinführt, irgendwie kommt dabei nichts voran. 17 Minuten dauert der Spuk gerade mal, was nicht viel ist, und doch zu lang. Schön ist es natürlich schon, mal wieder etwas von dem Altmeister sehen zu dürfen. Aber es verkommt zu schnell zu einem Gimmick, da konnte man sich zuvor deutlich mehr erhoffen. Da machte beispielsweise das ebenfalls absonderliche Verhör in Die Wache mehr Spaß.

Credits

OT: „What Did Jack Do?“
Land: USA
Jahr: 2016
Regie: David Lynch
Besetzung: David Lynch
Drehbuch: David Lynch
Kamera: Scott Ressler



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What Did Jack Do?
3.67 (73.33%) 3 Artikel bewerten

What Did Jack Do?
„What Did Jack Do?“ ist ein irgendwie typischer Kurzfilm von David Lynch, wenn er als Polizist einen Affen befragt, der nach dem Zufallsprinzip zu antworten scheint. Das ist zwar grundsätzlich schön schräg, auf Dauer dann aber doch irgendwie zu wenig, da das hier weder komisch noch surreal genug ist, um den sparsamen Inhalt auszugleichen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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