11 M Terror in Madrid
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11M: Terror in Madrid

11 M Terror in Madrid
„11M: Terror in Madrid“ // Deutschland-Start: 25. Februar 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Islamistische Anschläge, das war lange etwas, mit dem sich im Westen niemand auseinandersetzen musste. Das betraf immer nur die Leute in fernen Ländern. Dass der 11. September 2001 eine solche Schockwirkung hatte, lag dann auch maßgeblich mit daran, dass vorher niemand etwas Vergleichbares für möglich hielt. Als zweieinhalb Jahre später, am 11. März 2004, Madrid zur Zielscheibe des Terrors wurde, rückten Islamisten aber erst nach einiger Zeit in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Stattdessen gab die spanische Regierung bekannt, dass die ETA hinter den Bombenanschlägen auf mehrere Züge stand. Das war nicht unplausibel, hatte die Untergrund-Organisation Euskadi ta Askatasuna, die mit gewaltsamen Mitteln für eine Selbständigkeit des Baskenlandes kämpfte, schon in der Vergangenheit mit ähnlichen Aktionen für Angst und Schrecken gesorgt. Und doch war die Situation anders, wie der Netflix-Dokumentarfilm 11M: Terror in Madrid vor Augen führt.

Vertuschung durch die Regierung

Bemerkenswert war der Zeitpunkt der Anschläge drei Tage vor den Wahlen. Solche schwerwiegenden Ereignisse können die Menschen immer beeinflussen, in die eine oder andere Richtung. Das war eben auch die Befürchtung der Regierung: Sollte sich herausstellen, dass Islamisten dahinter stecken und die Aktion eine Rache für die spanische Beteiligung am Irakkrieg war, war die Wahrscheinlichkeit eines Regierungswechsels groß. Zu groß, zumal der Krieg an sich in der Bevölkerung wenig populär war. 11M: Terror in Madrid zeigt auf, wie die Verantwortlichen bewusst den Verdacht in Richtung ETA lenkten, aus Sorge, sie könnten an den Urnen abgestraft werden und ihre Macht verlieren. Das führt nicht nur in autokratisch regierten Ländern wie Russland, der Türkei oder Belarus zu verzweifelten Taten. Auch in einem Land wie Spanien wird da zuweilen zu unlauteren Mitteln gegriffen.

Wobei es hier zu keiner Unterdrückung und Wahlmanipulationen kam. Man vertuschte einfach nur, wie es in der Politik zuweilen geschieht. Zumindest bis zum Wahltag sollte niemand davon erfahren, was vorgefallen war. Ein Skandal ist es trotzdem, wie 11M: Terror in Madrid immer wieder betont. Die eigene Bevölkerung zu belügen, ist selten eine gute Wahl. Schon gar nicht, wenn dies aus Eigennutz heraus geschieht. Erschreckend ist dabei zudem, wie die Regierung die Medien missbrauchte, um die eigene Interpretation der Ereignisse zu verkaufen. Oder zu verkaufen versuchte: Es dauerte nicht lange, bis die Leute misstrauisch wurden und zum Teil auf die Straße gingen, um ihr Recht auf Aufklärung einzufordern.

Mehr emotional als informativ

Regisseur Jose Gomez legt dabei zwar einen größeren Fokus auf diesen Aspekt der Vertuschung und wie die einzelnen Akteure die Geschichte für sich nutzen wollten. 11M: Terror in Madrid verliert dabei aber nicht die Opfer des Anschlags an sich aus den Augen. So kommen neben Überlebenden noch eine Reihe von Angehörigen zu Wort, die an dem Tag geliebte Menschen verloren haben. In Interviews schildern sie, wie sie diese Zeit erlebt haben, erinnern sich an den Schmerz und die Angst. Gerade zu Beginn wusste schließlich niemand, was genau vorgefallen ist und wer unter den Opfern war. Von denen gab es nicht wenige: 191 Menschen starben, mehr als 2000 weitere wurden verletzt, zum Teil sehr schwer. Und selbst wer körperlich unversehrt blieb, ist für sein Leben gezeichnet.

11M: Terror in Madrid ist deshalb eine Dokumentation, die gleich doppelt auf Emotionalisierung setzt. Das Publikum soll mit den Opfern mitfühlen und gleichzeitig empört sein angesichts des Verhaltens der Regierung. Über die eigentlichen Täter erfährt man hingegen nicht so viel. Auch der Anschlag an sich wird kaum thematisiert, weder auf Planung noch Ausführung bezogen. Wer sich vor allem für diesen interessiert und mehr Hintergrundwissen erhofft, der geht hier eher leer aus. Auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft werden nicht angesprochen. Der Film erinnert an ein nationales Trauma, will sich mit diesem aber nicht so recht auseinandersetzen.

Credits

OT: „11M“
Land: Spanien
Jahr: 2022
Regie: Jose Gomez
Musik: Johnny Yates
Kamera: Jordi Adriá

Bilder

Trailer

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11M: Terror in Madrid
Fazit
„11M: Terror in Madrid“ erinnert an die verheerenden Zuganschläge 2004, als rund zweihundert Menschen ums Leben kamen. Der Dokumentarfilm lässt einerseits Opfer zu Wort kommen, spricht aber auch viel über die Versuche der spanischen Regierung, die Wahrheit zu vertuschen. Der Fokus liegt dabei klar auf der Emotionalisierung, bei den Hintergrundinfos wird es etwas dünn.
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