Mr Harrigans Phone Stephen King Netflix
© Nicole Rivelli/Netflix

Mr. Harrigan’s Phone

Mr Harrigans Phone Stephen King Netflix
„Mr. Harrigan’s Phone“ // Deutschland-Start: 5. Oktober 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Eigentlich haben die beiden nicht sonderlich viel gemeinsam. Während Craig (Jaeden Martell) ein Junge ist, der unter dem Tod seiner Mutter leidet, handelt es sich bei Mr. Harrigan (Donald Sutherland) um einen reichen Geschäftsmann. Und doch entwickelt sich mit der Zeit eine Freundschaft, als Craig beginnt, dem alten Mann aus den zahlreichen Büchern vorzulesen, weil dessen Augen nicht mehr dafür reichen. Der Schüler schenkt dem exzentrischen und allein lebenden Senior ein Handy, damit dieser leichter Kontakt zur Außenwelt hält. Dabei ahnt er noch nicht, dass diese Verbindung selbst dann noch anhält, als sein Gönner eines Tages verstirbt …

Horror ohne Horror

Stephen King und kein Ende. Auch wenn die ganz großen Erfolge bei den Adaptionen inzwischen rar gesät sind, Firestarter vor einigen Monaten sogar böse floppte, wird weiter fleißig an Adaptionen gearbeitet. Mit Mr. Harrigan’s Phone mischt nun auch Netflix wieder beim King-Revival mit, in der Hoffnung, sowohl von dessen Trend wie auch der allgemeinen Empfänglichkeit für Horrortitel im Halloween-Vorfeld zu profitieren. Die Chancen dafür stehen jedoch nicht übermäßig gut. Denn auch wenn der Film mit großen Namen lockt, vor wie hinter der Kamera, und das Szenario sich sehr spannend anhört: Richtig viel Grusel sollte man hier nicht erwarten. Tatsächlich darf man sogar darüber streiten, ob das hier überhaupt als Horrortitel durchgeht.

Ein übernatürliches Element gibt es schon, welches sich um das titelgebende Telefon dreht. Bis dieses zum Einsatz kommt, ist der halbe Film aber schon vorher. Stattdessen widmet sich Regisseur und Drehbuchautor John Lee Hancock (The Little Things, The Highwaymen) erst einmal ausgiebig der Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Protagonisten. Grundsätzlich ist das nicht verkehrt. Es ist auch rührend gespielt von der Schauspiellegende Donald Sutherland und seinem jungen Kollegen Jaeden Martell, der dank der beiden Es Filme Erfahrung mit Stephen King Jugenddramen hat. Wäre Mr. Harrigan’s Phone lediglich ein Film über diese Freundschaft gewesen, hätte das durchaus funktionieren können. Auch die Passagen, in denen der emotional verwirrte Craig seinem verstorbenen Freund weiterhin Nachrichten per Handy schickt, passen gut hinein.

Zu wenig aus zwei Welten

Nur wechselt der Fokus später zu einem unheimlicheren Thema, wenn die Sehnsüchte und Schwierigkeiten von Craig fatale Folgen nach sich ziehen. Die Idee einer solchen Verbindung ins Jenseits mittels eines Telefons ist natürlich nicht neu, sondern ein punktuell immer mal wieder verwendetes Element des Horrorfilms. One Last Call und The Black Phone – Sprich nie mit Fremden sind neuere Beispiele hierfür. Ähnlich zu Letzterem will auch Mr. Harrigan’s Phone dieses Motiv mit Coming-of-Age-Elementen verbinden, wenn jeweils ein junger Protagonist lernen muss, sich in dieser Welt zu behaupten. Hancock bleibt dabei einem Drama aber deutlich näher. Schwerpunkt bleibt der Junge und dessen Lebensweg, die tödlichen Nachrichten werden nie so wichtig, wie man eigentlich meinen müsste. Gleiches gilt für die Lektionen, die Craig dabei lernen soll.

Das ist dann auch das größte Problem des Films: Er macht nichts konsequent genug. So spannend die Kombination aus Horror und Coming of Age sein kann, Mr. Harrigan’s Phone wird weder dem einen noch dem anderen gerecht. Fans des Ersteren werden sich hier schnell langweilen. Aber auch die nachdenklicheren Passagen hinterlassen kaum Eindruck: Die Ausführungen dazu, wie Technik unser Leben verändert, bleiben ebenso oberflächlich wie die Beschäftigung mit dem Thema Rache und Gerechtigkeit. Gut möglich, dass dies darauf zurückzuführen ist, dass die Vorlage eine Kurzgeschichte war, welche in dem Sammelband Blutige Geschäfte erschienen ist und gar nicht darauf ausgerichtet, 105 Minuten füllen zu wollen. Bei dem Versuch eben das zu tun wurde darauf ein Film, der zwar nicht völlig schlecht ist, in der langen Geschichte an King-Adaptionen aber maximal Durchschnitt.

Credits

OT: „Mr. Harrigan’s Phone“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: John Lee Hancock
Drehbuch: John Lee Hancock
Vorlage: Stephen King
Musik: Javier Navarrete
Kamera: John Schwartzman
Besetzung: Jaeden Martell, Donald Sutherland, Joe Tippett, Kirby Howell-Baptiste

Bilder

Trailer

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Mr. Harrigan’s Phone
fazit
„Mr. Harrigan’s Phone“ erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Jungen und einem alten Mann, bevor der Fokus auf einem Telefon liegt, welches ein mysteriöses Eigenleben entwickelt. Der Versuch, ein Coming-of-Age-Drama mit Horror zu verbinden, schlägt fehlt: Für die einen ist er zu oberflächlich, für die anderen zu langweilig. Lediglich die schön gespielten Freundschaftsszenen retten den Mix ins Mittelfeld.
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