Asiklar Bayrami Das Festival der Troubadoure The Festival of Troubadours Netflix
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Das Festival der Troubadoure

Asiklar Bayrami Das Festival der Troubadoure The Festival of Troubadours Netflix
„Das Festival der Troubadoure“ // Deutschland-Start: 2. September 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

25 Jahre hatten die beiden sich nicht mehr gesehen. Während Yusuf (Kivanç Tatlitug) Karriere als Anwalt machte, war sein Vater Heves Ali (Settar Tanriögen) unterwegs um zu musizieren. Kontakt gab es keinen mehr zwischen ihnen. Bis heute ist Yusuf wütend darüber, dass Heves Ali die Familie verlassen hatte. Entsprechend hält sich seine Begeisterung in Grenzen, als sein Vater plötzlich vor ihm steht. Eigentlich will er ihn auch schnell wieder loswerden, zu tief sitzen noch immer die Verletzungen. Als klar wird, dass er in die Jahre gekommene Reisemusiker todkrank ist und eine letzte Tour plant, um sich von allen zu verabschieden, schließt sich Yusuf diesem an und erklärt sich bereit, ihn zu fahren…

Die Begegnung mit alten Gefühlen

Ein kleines Déjà-vu-Erlebnis darf man schon haben. Gerade einmal drei Wochen ist es her, dass Netflix den Film Gönül – Herzenslied ins Programm aufnahm. Nun bringt der Streamingdienst einen weiteren türkischen Film, in dessen Mittelpunkt ein Wandermusiker steht. Und auch die Liebe spielt eine große Rolle. Doch während es bei dem ersten Film darum ging, dass ein Mann seine Traumfrau gewinnen und ein neues Leben mit ihr beginnen möchte, da beschäftigt man sich bei dem neuen Werk mehr mit der Vergangenheit. Da werden alte Gefühle thematisiert, sowohl zwischen Mann und Frau wie auch innerhalb der Familie. Denn bei beidem liegt und lag einiges im Argen.

Der Ton ist damit deutlich ernster als bei dem obigen inhouse-Kollegen. Gab es bei diesem immer wieder humorvolle Momente, die gern auch mal ins Skurrile gingen, da muss man bei Das Festival der Troubadoure völlig darauf verzichten. Gelegenheit dazu hätte es schon gegeben. Wenn zwei Sturköpfe zusammen eine Reise starten und aufgrund der Umstände über längere Zeit eng aufeinanderhocken, dann kommt es zwangsläufig zu Reibungen. Vor allem wenn diese zwei ohnehin nicht miteinander können. Regisseur und Drehbuchautor Özcan Alper (Future Lasts Forever) verzichtet jedoch darauf, mit diesen Konflikten für Unterhaltung sorgen zu wollen. Auch auf schrullige Begegnungen unterwegs, oft ein Merkmal von Roadmovies, sollte man nicht hoffen. Denn darum geht es nicht.

Ruhige Aufarbeitung

Stattdessen dreht sich hier alles um die Aufarbeitung bereits geschehener Geschichten. Das betrifft zunächst solche, die andere Menschen beinhalten. Heves Ali möchte diejenigen noch einmal treffen, die ihm etwas bedeuteten, und sich von diesen verabschieden. Wenig überraschend führt dies aber auch dazu, dass er und sein Sohn sich wieder näherkommen. Denn auch das gehört zu Roadmovies dazu: Wer gemeinsam eine lange Reise unternimmt, wächst zusammen oder überwindet Hindernisse. Da ist Das Festival der Troubadoure keine Ausnahme. Die letzte Reise des Duos bedeutet, dass die jahrzehntelange Entfremdung ein Ende findet. Im Angesicht des nahenden Todes wird schließlich vieles auf einmal sekundär und besinnt sich auf das, worauf es ankommt.

Das ist alles nicht neu oder übermäßig tiefsinnig. Aufgrund der besagten fehlenden skurrilen Begegnungen ist auch die Abwechslung nicht besonders hoch, der Film verläuft in sehr gleichmäßigen Bahnen. Gleichzeitig ist es sehr angenehm, wie ruhig die Adaption eines Romans von Kemal Varol erzählt ist: Da wird nicht aufgebauscht oder groß manipuliert. Man vertraut der Geschichte. Das Ergebnis ist tatsächlich recht schön. Dabei profitiert Das Festival der Troubadoure auch sehr von den stimmungsvollen Bildern, die Firar Güney Kayran (Eine dem Untergang geweihte Liebe) aus der türkischen Provinz mitgebracht hat. Musikalisch geschieht überraschend wenig, angesichts des Berufes vom Vater. Es reicht aber für eine rührende Szene zum Ende des Films. Wer leise Dramen mag und sich mit den notwendigerweise traurigen Themen anfreunden kann, sollte einen Blick riskieren. Inmitten der Holzhammer-Dramen, die Netflix sonst oft raushaut, ist das hier eine Wohltat.

Credits

OT: „Asiklar Bayrami“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Özcan Alper
Drehbuch: Özcan Alper
Vorlage: Kemal Varol
Musik: Cem Erdost, Cevdet Erek, Mine Pakel
Kamera: Firar Güney Kayran
Besetzung: Kivanç Tatlitug, Settar Tanriögen

Bilder

Trailer

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Das Festival der Troubadoure
Fazit
In „Das Festival der Troubadoure“ begleitet ein Mann seinen sterbenden Vater, von dem er sich entfremdet hatte, auf eine letzte Reise, damit dieser sich verabschieden kann. Die Roman-Adaption ist ruhig erzählt, vertraut lieber auf die stimmungsvollen Aufnahmen als auf plumpe Manipulation. Das ist schön, wenn auch nicht sonderlich originell oder tiefgründig.
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