Eine Geschichte zweier Kuechen A Tale of Two Kitchens Netflix

„Die Geschichte zweier Küchen“ // Deutschland-Start: 22. Mai 2019 (Netflix)

Ein kleines Schmunzeln ist erlaubt: Der englische Originaltitel der Netflix-Doku A Tale of Two Kitchens verweist natürlich auf den großen englischen Literaturklassiker A Tale of Two Cities von Charles Dickens, der zur Zeit der Französischen Revolution spielt. Die deutschen Übersetzer haben da leider ein wenig gepennt, Die Geschichte zweier Küchen ist nicht mehr ganz so leicht auf Eine Geschichte aus zwei Städten zurückzuführen. Andererseits, der Film richtet sich weniger an Literaturliebhaber. Und mit Revolutionen hat das hier ohnehin nichts zu tun.

Ein bisschen in die Vergangenheit dürfen wir aber schon reisen, genauer ins Jahr 1998. Damals eröffnete Gabriela Cámara in Mexiko Stadt ihr Restaurant Contramar, das mit der Zeit zu einer Institution wurde. Und so folgte knapp zwei Jahrzehnte später der zweite Streich, das Cala, dieses Mal auf US-amerikanischen Boden. Genauer wurde die Metropole San Francisco mit dem mexikanischen Essen beglückt, wenn auch etwas anders. Als jüngere Schwester orientierte sich das Cala natürlich schon an Contramar, völlig deckungsgleich sind die zwei aber nicht – was auch an den jeweiligen Standorten liegt.

Mal hier, mal dort
Der Dokumentarfilm, der beim Tribeca Film Festival 2019 Premiere feierte, wechselt dann auch ständig zwischen den beiden Standorten hin und her. Das Ziel: die kleinen Unterschiede herausarbeiten. Als Idee ist das durchaus interessant, erlaubt es doch in der Theorie, einiges über die kulturellen Begebenheiten zu sagen. Das Vorhaben gelingt aber nur mäßig. Zwar wird von Anfang an gesagt, dass die zwei Restaurants verschieden sind, beim Publikum kommt davon aber relativ wenig an. Es ist oft nicht einmal klar, in welchem der beiden Restaurants wir uns gerade überhaupt befinden. Über die Küchen erfahren wir ohnehin nichts, was den speziellen Reiz von Contramar oder Cala ausmachen soll, bleibt ein Geheimnis.

Stattdessen hat Regisseurin Trisha Ziff einen netten kleinen Film gedreht, der das Publikum ein bisschen rühren soll – und vielleicht noch Appetit machen. Wenn ehemaligen Sträflingen eine zweite Chance gegeben wird, so völlig ohne Vorbehalt, und in gefühlt jedem zweiten Satz der familiäre Zusammenhalt betont wird, dann darf man das schon schön finden. Oder auch etwas berechnend, wie einem eine heile Welt vorgeführt wird, einem Imagefilm nahekommend. Richtig viel Informationsgehalt hat Die Geschichte zweier Küchen dann auch nicht, potenziell unschöne Themen werden konsequent ausgeblendet. Hier darf man sich zurücklehnen, von einer besseren Welt träumen und von gutem Essen. Nicht mehr, nicht weniger.



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Die Geschichte zweier Küchen
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Die Geschichte zweier Küchen
„Die Geschichte zweier Küchen“ erzählt, wie in San Francisco ein mexikanisches Restaurant eröffnet wird, das sich an einer Einrichtung in Mexiko Stadt orientiert. Was ein interessanter Beitrag über kulturelle Unterschiede hätte werden können, bleibt jedoch zu sehr an der Oberfläche, will lieber gute Stimmung verbreiten, als tiefer in die Materie einzusteigen. Das ist nett, bleibt jedoch sowohl kulturell wie auch kulinarisch eher nichtssagend.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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