Beckett Netflix
© Netflix/Yannis Drakoulidi

Beckett

Inhalt / Kritik

Beckett Netflix
„Beckett“ // Deutschland-Start: 13. August 2021 (Netflix)

Es hätte ein richtig schöner Urlaub für Beckett (John David Washington) und seine Freundin April (Alicia Vikander) werden sollen. Doch es endete in einem Alptraum. Als das US-amerikanische Paar spät abends durch eine ländliche Gegend Griechenlands fährt, kommt der Wagen von der Straße ab und kracht in ein Gebäude. Während Beckett schwer verletzt überlebt, erliegt April ihren Verletzungen. Außer sich vor Trauer kehrt er zum Ort des Unfalls zurück, muss dabei jedoch feststellen, dass er nicht alleine ist. Denn kurze Zeit später tauchen zwei Leute auf und eröffnen aus heiterem Himmel das Feuer auf ihn. Panisch versucht Becket trotz seiner Verletzungen zu fliehen. Tatsächlich gelingt es ihm, von dort zu entkommen und nach Hilfe zu suchen. Die beiden haben jedoch nicht vor, ihn einfach gehen zu lassen und beginnen eine Jagd quer durchs Land …

Unschuldig auf der Flucht

Auch wenn Netflix und Kino bekanntlich nur selten zusammenkommen, zumindest auf Filmfesten ist der Streamingdienst regelmäßig vertreten und bietet dem dort anwesenden Publikum die Möglichkeit, ausgewählte Werke auf einer großen Leinwand zu sehen. Trotzdem dürften manche ein wenig gestaunt haben, als das Locarno Film Festival verkündete, die 2021er Ausgabe mit Beckett zu beginnen. Ausgerechnet ein Netflix-Titel eröffnet das traditionsreiche und prestigeträchtige Arthouse-Festival? Und das auch noch ein Thriller, der mit Hollywood-Stars besetzt ist? Das war eine etwas unerwartete Kombination, die schon sehr nach unwürdigem Ausverkauf klang, um irgendwie ein größeres Publikum anzuziehen.

Dabei ist Beckett auf eine gewisse Weise schon irgendwie angenehm Oldschool. Wenn hier ein Unschuldiger durch einen dummen Zufall in eine finstere Geschichte hineingezogen wird, dann fallen einem auf Anhieb eine ganze Reihe von Referenzpunkten ein. Ob nun diverse Hitchcock-Filme wie etwa Der unsichtbare Dritte oder auch Auf der Flucht: Das Motiv des Mannes, der auf der Flucht ist und irgendwie einen unbekannten Gegner ausschalten muss, ist in dem Genre immer wieder gern gesehen. Denn das bedeutet die Kombination aus ständig wechselnden Schauplätzen und einer konstante Spannung. Man kann schließlich nie genau sagen kann, wann und wo einen das Böse einholt. Oft steht nicht einmal fest, was das Böse überhaupt ist, was die Flucht noch weiter erschwert.

Mehr gewollt als gekonnt

Auch bei Beckett heißt es erst einmal, die Karten möglichst weit vom Publikum wegzuhalten. Zwar erfährt man praktisch auf Anhieb, wer denn den Titelhelden verfolgt. Der Grund hierfür wird jedoch erst spät verraten. Erklärungen drängen sich einerseits förmlich auf. Regisseur Ferdinando Cito Filomarino, der sich auch die Geschichte ausgedacht hatte, macht es letztendlich aber nicht ganz so einfach. Das ist dann zwar grundsätzlich löblich. Allerdings ist die hier angebotene Alternative nicht so wirklich überzeugend. Wenn der verfolgte Amerikaner irgendwann die Wahrheit erfährt und fast schon empört ist, spricht er den Zuschauern und Zuschauerinnen aus dem Herzen. Das soll es jetzt wirklich gewesen sein?

Dabei zeigte man sich bei Beckett anderweitig schon von einer etwas ambitionierteren Seite. Anstatt einfach nur von einem Pechvogel auf der Flucht zu erzählen, soll der Thriller gleichzeitig das Porträt einer auseinanderbrechenden Gesellschaft sein. So zeitlos das grundsätzliche Konzept ist, so sehr ist der dann doch um Aktualität bemüht. Auch da zeigt sich aber wie beim obigen Punkt: Was gut gemeint ist, ist nicht automatisch gut gemacht. Der Versuch, Unterhaltung und Anspruch zusammenzubringen, ist zu konstruiert. Einfach nur irgendwann das Szenario aus heiterem Himmel abzuändern, um dann über etwas ganz anderes zu reden, ist zu wenig. Klar, zum Teil wurde hier schon vorher angekündigt, was in dem Land los ist. Das reicht so aber nicht.

Rasante Verfolgungsjagden

Das soll jedoch nicht bedeuten, dass der Film keinen Unterhaltungsfaktor hat. Den hat er durchaus. Das konstante Gefühl einer Bedrohung gekoppelt mit diversen Actionszenen macht streckenweise schon Spaß. Das Ergebnis ist zwar nicht unbedingt immer glaubwürdig. Dass beispielsweise die Verfolger immer am richtigen Ort auftauchen, darf man nicht hinterfragen. Vor allem zum Ende hin wird Beckett zudem sehr überzogen, wenn der eigentlich schwer verletzte Mann sich zum Superhelden aufschwingt. Die diversen Verfolgungsjagden machen aber schon Laune. Auch in den ruhigeren Momenten gibt es einiges zu sehen, zum Beispiel gleichzeitig idyllische wie unheilvolle Landschaftsaufnahmen. An der schauspielerischen Leistung ist ebenfalls wenig auszusetzen, zumindest innerhalb des durch das Drehbuch vorgegebenen Rahmens passt das hier. Sofern man keine höheren Ansprüche an den Inhalt pflegt, kann man sich hiermit also schon die Zeit vertreiben.

Credits

OT: „Beckett“
Land: Italien
Jahr: 2021
Regie: Ferdinando Cito Filomarino
Drehbuch: Kevin A. Rice
Musik: Ryuichi Sakamoto
Kamera: Sayombhu Mukdeeprom
Besetzung: John David Washington, Boyd Holbrook, Vicky Krieps

Bilder

Trailer

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Beckett
Fazit
„Beckett“ erzählt, wie ein Tourist nach einem schweren Unfall plötzlich von mehreren Leuten verfolgt wird. Das ist streckenweise schon spannend. An den Inhalt sollte man aber keine höheren Ansprüche stellen. Das ist willkürlich zusammengestellt und scheitert bei dem Versuch, das klassische Szenario mit aktuellem Gesellschaftsporträt zu verbinden.
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