Kritik

Spenser Confidential Netflix

„Spenser Confidential“ // Deutschland-Start: 6. März 2020 (Netflix)

So richtig schlau ist es vermutlich nicht, den eigenen Boss zu verprügeln – vor allem, wenn der auch noch Polizist ist. Aber Spenser (Mark Wahlberg) wollte in dem Moment nicht schlau sein. Fünf Jahre ging er daraufhin ins Gefängnis. Frisch daraus entlassen, muss er feststellen, dass sich einiges in seinem Leben geändert hat. Sein alter Mentor und Boxtrainer Henry (Alan Arkin) hat zwar ein Zimmer für ihn, das er jedoch mit dessen neuen Schützling Hawk (Winston Duke) teilen muss. Spenser Hund würdigt ihn keines Blickes mehr. Und dann wäre da noch seine Ex Cissy (Iliza Shlesinger), die ihm die Hölle heiß macht. Doch all diese privaten Probleme sind bald zweitrangig, als zwei andere Polizisten ermordet werden und sich niemand wirklich dafür interessiert, was vorgefallen ist …

Im Filmbereich gibt es immer mal wieder Konstellationen von Regisseuren und Schauspielern, die über viele Filme anhalten. Tim Burton und Johnny Depp zum Beispiel. Oder auch Wes Anderson und Bill Murray. Im Fall von Peter Berg und Mark Wahlberg ist das Ergebnis aber schon ziemlich absurd, seit Lone Survivor hat der Filmemacher ausschließlich Filme vorgelegt, in denen sein Darsteller des Vertrauens die Hauptrolle hatte. Diese Dauerkooperation geht nun ins achte Jahr, mit Spenser Confidential liegt jetzt das fünfte gemeinsame Werk in Folge vor.

Ich bin das Gesetz!
Die Versuchung ist in einem solchen Fall natürlich groß, den Film vorab als reine Routineübung abzuhaken, umso mehr, da es sich bei Spenser Confidential um eine Netflix-Produktion handelt. Zuletzt hatte Wahlberg in Mile 22 einen CIA-Agenten gespielt, davor in Boston einen Polizisten. Jetzt ist wieder die Polizei an der Reihe. Da darf man schon einmal ein bisschen gähnen, selbst wenn es zu Beginn gleich mit einer deftigen Prügelei losgeht. Wahlberg verschwendet auch mit Ende 40 keinen Gedanken daran, seinen Körper nicht auf die eine oder andere Weise auszureizen.

Ungewöhnlich ist dabei jedoch, dass Berg die Sache mit deutlich mehr Humor nimmt als zuletzt. Waren seine letzten Filme alle sehr ernst, setzten mal mit realen Tragödien auseinander oder griffen wenigstens gesellschaftlich relevante Themen auf, da steht hier der Spaß im Vordergrund. Da wird dann zwar von korrupten Cops die Rede sein, ohne daraus jedoch einen Kommentar zur Lage in der realen Welt ableiten zu wollen. Die lose Adaption von Wonderland des Autors Ace Atkins nimmt das lediglich zum Anlass, um Spenser und dessen wild zusammengewürfeltes Umfeld auf eine abenteuerliche Mission zu schicken, inklusive weiterer Prügeleinlagen, Verfolgungsjagden und dem einen oder anderen Wortgefecht.

Wie früher, nur weniger gut
Spenser Confidential steht damit in der Tradition alter Action-Komödien, gerade aus dem Buddy-Movie-Bereich. Wahlberg mimt dabei den hitzigen Drauhauf, der wenig von Protokollen hält, dafür aber ein moralisches Gespür im Gepäck hat. Duke darf den Kontrastpunkt bilden, bringt als Boxer die entsprechende Wuchtigkeit mit ins Spiel, ist ansonsten aber eher zurückhaltend. Als Gegenüberstellung ist das eher weniger spannend, zumal die beiden Darsteller auch nie wirklich zusammenfinden. Wo bei dieser Art Film mit der Zeit normalerweise eine Annäherung stattfindet, der Reiz der Reibung mit einer Freundschaft einhergeht, da entwickelt sich hier einfach zu wenig.

Leider ist auch der Humor eher schwach auf der Brust. Zwar darf Wahlberg ein paar markante Sprüche vom Stapel lassen. Doch das bewegt sich meist auf einem amüsanten Mittelfeld. Duke bleibt eher blass. Alan Arkin hat ein paar schöne Momente, auch wenn sein Talent nicht völlig ausgereizt wird. Shlesinger ist sogar ziemlich nervig als hysterische Ex. Da auch der Krimiplot nicht sonderlich viel hergibt, ist Spenser Confidential ein Film, mit dem man sich zwar schon zwei Stunden um die Ohren hauen kann, der dem Genre aber nichts Nennenswertes hinzufügen kann. Wer mal wieder Lust auf eine Action-Komödie alter Schule hat, der darf sich hier wohlig zurücklehnen und an früher denken, als es Werke wie dieses noch regelmäßig gab – und auch besser.

Credits

OT: „Spenser Confidential“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Peter Berg
Drehbuch: Sean O’Keefe, Brian Helgeland
Vorlage: Ace Atkins
Musik: Steve Jablonsky
Kamera: Tobias A. Schliessler
Besetzung: Mark Wahlberg, Winston Duke, Alan Arkin, Iliza Shlesinger

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Spenser Confidential
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Spenser Confidential
Mit „Spenser Confidential“ geht die Dauerkombo aus Regisseur Peter Berg und Schauspieler Mark Wahlberg ungewohnt humorvolle Wege. Richtig beeindruckend ist das Ergebnis aber nicht. Die Witze schwanken zwischen amüsant und nervig, der Krimiplot um ermordete Cops ist langweilig, der Film insgesamt eine durchschnittliche Action-Komödie alter Schule.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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