Heartstopper Netflix
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Heartstopper – Staffel 1

Heartstopper Netflix
„Heartstopper“ // Deutschland-Start: 22. April 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Charlie (Joe Locke) mag zwar nur ein Jugendlicher sein und noch nicht so recht wissen, was er in Zukunft mit sich anfangen soll. Eines weiß er aber sehr genau: Er steht auf Jungs. Nur das mit der Gegenseitigkeit klappt noch nicht so recht. So steht seine erste Beziehung mit Ben (Sebastian Croft) bereits vor dem Aus. Dafür hat es ihm der Rugby-Spieler Nick (Kit Connor) angetan, neben dem er im neuen Schuljahr sitzt. Der ist echt nett und süß, lädt Charlie sogar dazu ein, sich dem Team anzuschließen. Aber ist da nicht vielleicht doch mehr drin? Charlies bester Freund Tao (William Gao) sowie Elle (Yasmin Finney), die sich kürzlich als transgender geoutet hat, haben in der Hinsicht zwar nur geringe Hoffnung. Aber sie halten zusammen, selbst als die Geschichte anfängt, richtig kompliziert zu werden …

Der alltägliche Kampf um Leben und Liebe

Des einen Freud ist des anderen Leid. Und umgekehrt gilt das natürlich auch: Dramen, in denen die Hauptfiguren sich mit irgendwelchen Schwierigkeiten herumplagen müssen auf dem Weg zum Glück, erfreuen sich immer wieder großer Beliebtheit. Gerade bei Jugendgeschichten wird ganz gern die problematische Seite des Lebens thematisiert und auf diese Weise Identifikationsfläche fürs Publikum geschaffen. Dieses darf mitleiden, mitfiebern – und sich darüber freuen, dass es auch andere gibt, die nichts auf die Reihe bekommen. Das funktioniert, ist bewährt, erfordert aber schon ein gewisses Fingerspitzengefühl. Wenn nicht wird es schnell lächerlich oder anstrengend, wie die vielen Netflix-Serien beweisen, die alle nach demselben Schema gestrickt sind und plump Krisen heraufbeschwören. Hauptsache dick auftragen, so das Motto.

Dass das deutlich besser geht, zeigt Heartstopper. Tatsächlich erinnert einen die Serie daran, wie gut solche Geschichten sein können, wenn sie in den richtigen Händen sind. Die von Alice Oseman sind es: Die Autorin, die hier ihre eigenen Graphic Novels zu einer Live-Action-Serie umkonzeptionierte, begegnet ihren jungen Protagonisten und Protagonistinnen mit viel Verständnis und Sympathie. Sie verzichtet dabei auf die an den Haaren herbeigezogenen Quasi-Weltuntergangsdramen, die in Jugendserien oft bemüht werden. Natürlich ist die Zusammensetzung der Figuren nicht ganz alltäglich: Neben den schwulen Jungs gibt es eine Transsexuelle, auch im Hinblick auf die Ethnien zeigte man sich betont divers. Diese ungewöhnlichere Truppe macht dafür umso gewöhnlichere Erfahrungen, wenn der Weg ins Erwachsenenleben mit zahlreichen Stolpersteinen übersät wurde.

Sympathisch und unaufgeregt

Das wird nicht allen gefallen: Wer sich Jugenddramen gerade wegen der aufbrausenden Tragödien anschaut, welche die Außenwelt komplett verschwinden lassen, dem wird das hier zu wenig sein. Dann und wann wird zwar etwas zugespitzt, gerade beim wiederkehrenden Thema Mobbing, mit dem sich Charlie herumplagen muss. Da wird es schon mal ein wenig ruppiger, sei es verbal oder in körperlicher Hinsicht. Viel mehr geht es in Heartstopper aber um die Frage, wer man ist, wer man sein will und wie man sich mit den komplizierten Gefühlen arrangieren soll. Von Letzteren gibt es einige. Nicht nur dass Nick erst nach und nach seine homosexuellen Neigen erkennen und anerkennen muss. Auch im Freundeskreis kommt es zu Verwerfungen, wenn sich alle weiterentwickeln und es damit notgedrungen zu Entfremdungen kommt.

Das geht dann alles nicht so wahnsinnig in die Tiefe. Dafür bieten die acht Folgen à 25 Minuten gar nicht den nötigen Raum. Darunter haben gerade einige der Nebenfiguren zu leiden wie etwa der von Cormac Hyde-Corrin gespielte Bully Harry, der gerade mal ein paar Stereotype zur Charakterisierung abbekommen hat. Das macht die Serie aber durch umso mehr Charme wieder wett. Das sympathische Ensemble, die umständlich-liebenswürdigen Figuren, dazu noch ein paar visuelle Spielereien wie umherflatternde Schmetterlinge, die Regisseur Euros Lyn (Dream Horse) eingebaut hat: Zusammen mit der angenehmen musikalischen Untermalung ist schon einiges, wofür man Heartstopper mögen darf. Die Geschichte um ein schwules (Nicht-)Paar bietet einiges, um nach einem harten Tag wieder ein bisschen zu lächeln, ohne sich in kitschige Wohlfühlbeschwichtigungen zu stürzen.

Credits

OT: „Heartstopper“
Land: UK
Jahr: 2022
Regie: Euros Lyn
Drehbuch: Alice Oseman
Idee: Alice Oseman
Vorlage: Alice Oseman
Musik: Adiescar Chase
Kamera: Diana Olifirova
Besetzung: Kit Connor, Joe Locke, William Gao, Yasmin Finney, Corinna Brown, Kizzy Edgell, Tobie Donovan, Rhea Norwood, Jenny Walser, Sebastian Croft, Cormac Hyde-Corrin, Fisayo Akinade, Chetna Pandya, Olivia Colman

Bilder

Trailer

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Heartstopper – Staffel 1
Fazit
„Heartstopper“ folgt einem Schüler, der sich in einen anderen Jungen verliebt, aber nicht weiß, ob der die Gefühle erwidert. Die nach der gleichnamigen Graphic Novel entstandene Serie erzählt dabei von einem betont diversen Freundeskreis, bringt aber die universellen Erfahrungen hervor, die man in diesem Alter so macht. Das ist nicht aufregend, der Tiefgang könnte mehr sein. Aber es ist eine schöne Geschichte und voll mit sympathischen Figuren.
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7
von 10