Kritik

Jurassic World Neue Abenteuer Camp Cretaceous Netflix

„Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 18. September 2020 (Netflix)

Schon immer hatte Darius Bowman davon geträumt, einmal den Vergnügungspark Jurassic World zu besuchen, in dem geklonte Dinosaurier gehalten werden. Als sich ihm eines Tages die Möglichkeit bietet, genau dies zu tun und das dortige Camp Kreidezeit besuchen, kann er sein Glück kaum fassen. Weniger glücklich ist er jedoch über diverse Zweibeiner, mit denen er sich dort so herumplagen muss. Viel Zeit zum Streiten bleibt den sechs Jugendlichen im Camp aber ohnehin nicht, denn bald kommt es zu einem schwerwiegenden Zwischenfall, der für alle Menschen auf der Insel eine große Gefahr bedeutet. Wenn sie wieder heil von dieser herunter wollen, so wird schnell klar, dann müssen die sechs zusammenarbeiten …

Bis es mit der immens erfolgreichen Reboot-Reihe Jurassic World weitergeht, wird es noch eine Weile dauern. Derzeit ist der dritte Teil Dominion für Juni 2021 anvisiert – und das vorausgesetzt, dass das derzeitige Corona-Kino-Chaos bis dorthin gelöst ist. Um sich die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, gibt es aber schon einmal Nachschub in einer etwas anderen Form. So basiert Jurassic World: Neue Abenteuer durchaus auf den bekannten Filmen. Genauer spielt die Netflix-Produktion rund um die Ereignisse von Jurassic World, weshalb es hier zu der einen oder anderen Dopplung kommt. Jedoch handelt es sich um eine animierte Serie, die für eine jüngere Zielgruppe gedacht ist.

Die Gefahr hinter dem nächsten Busch
Das bedeutet aber nicht, dass es in Jurassic World: Neue Abenteuer nicht ordentlich zur Sache ginge. Steven Spielberg, der seinerzeit mit Jurassic Park Filmgeschichte schrieb und hier als ausführender Produzent beteiligt ist, legte selbst großen Wert darauf, dass die jungen Protagonisten und Protagonistinnen tatsächlich in gefährliche Situationen geraten. Das tun sie dann auch zur Genüge, im Laufe der acht Folgen werden sie immer wieder irgendwelchen Sauriern begegnen, welche ein großes Interesse daran haben sie zu verputzen. Es darf auf der Insel sogar gestorben werden, auch wenn davon praktisch nichts zu sehen ist – zu viel wollte man dem Publikum dann doch nicht zumuten.

Auch in anderer Hinsicht wollte man sichergehen, dass die Zuschauer und Zuschauerinnen daheim vor den Bildschirmen möglichst am Ball bleiben. Während Kinder in den Filmen immer fest dazu gehörten, jedoch eher Nebenfiguren waren, welche die Helden retten mussten, gibt es in Jurassic World: Neue Abenteuer kaum Erwachsene. Stattdessen müssen die Jungs und Mädchen beweisen, dass sie selbst aus dieser Dschungelhölle wieder herausfinden. Hinzu kommen Situationen, die besonders für die Zielgruppe relevant sind. So gehört beispielsweise eine angehende Influencerin zu der Truppe, die primär erst einmal nur daran interessiert ist, mit ihren Videos ein möglichst großes Publikum zu erreichen.

Alles beim Alten
Das ist natürlich ein Stereotyp, so wie in der Serie allgemein viele Klischees verarbeitet werden. Wer etwas tatsächlich Neues bei Jurassic World: Neue Abenteuer sehen will, der geht eher leer aus. Sogar musikalisch wird sehr auf Bewährtes gesetzt, wenn die berühmte von John Williams komponierte Titelmelodie gefühlt alle paar Minuten gespielt wird, damit auch ja niemand vergisst, wo wir uns befinden. Andererseits hat die Reihe seit dem einflussreichen Debüt 1993 nicht unbedingt mit Innovationen geglänzt. Eigentlich erzählt jeder Film dieselbe Geschichte, auch die einzelnen Situationen wiederholen sich schon stark. Insofern ist das hier nicht anders, besser oder schlechter als das, was wir in den letzten drei Jahrzehnten gesehen haben.

Eindeutig schlechter ist jedoch die Optik. Setzte Jurassic Park seinerzeit noch Maßstäbe, lässt sich das von Neue Abenteuer kaum behaupten. Die von DreamWorks Animation geschaffene Serie ist teilweise sogar ausgesprochen hässlich. Die Figurendesigns sind generisch, die Hintergründe sparsam, auch bei den Effekten ist da nichts, was man nicht schon vor einem Jahrzehnt in Videospielen gesehen hätte. Für eine Reihe, deren Wirkung immer maßgeblich auf den Bildern basierte, ist das einfach zu wenig. Dass bei einer Serie, gerade auch einer für Jüngere, nicht die gleiche visuelle Opulenz wie bei Kino-Animationsfilmen geboten wird, das ist zwar klar. Aber da geht doch zu viel verloren. Dennoch, insgesamt die Serie durchaus solide, besser als so mancher Teil der Hauptreihe, mit einigen spannenden Momenten und einer Gruppendynamik, die man sich gefallen lassen kann.

Credits

OT: „Jurassic World: Camp Cretaceous“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Lane Lueras, Dan Riba, Zesung Kang, Michael Mullen, Eric Elrod
Drehbuch: Zack Stentz, Scott Kreamer, Sheela Shrinivas, Rick Williams, M. Willis, Josie Campbell
Idee: Zack Stentz
Vorlage: Michael Crichton
Musik: Leo Birenberg
Animation: DreamWorks Animation

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Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 1
„Jurassic World: Neue Abenteuer“ ist zwar alles andere als neu, da die Serie doch sehr stark auf die Filme Bezug nimmt, zum Teil auch viel wiederholt. Insgesamt ist die für eine jüngere Zielgruppe ausgerichtete Produktion aber durchaus solide, sofern man sich nicht an der veralteten, unwürdigen Optik stößt.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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