Inhalt / Kritik

Skater Girl Netflix

„Skater Girl“ // Deutschland-Start: 11. Juni 2021 (Netflix)

Prerna (Rachel Saanchita Gupta) ist ein ganz normales Mädchen, das in einem abgelegenen indischen Dorf aufwächst. Das bedeutet ein Leben mit vielen Traditionen und Verpflichtungen, gerade auch für die Frauen. Als eines Tages die aus London stammende Werbefachfrau Jessica (Amy Maghera) auftaucht und ihr alter Freund Erick (Jonathan Readwin) auf einem Skateboard fährt, bedeutet das für die Kinder, eine ganz neue Welt kennenzulernen. Vor allem Prerna ist Feuer und Flamme, will unbedingt selbst lernen, mit diesem seltsamen Brett zu fahren – zum Ärger der Alteingesessenen. Jessica wiederum tut alles, um die Jugend bei ihrer neuen Leidenschaft zu unterstützen. Und so macht sie sich an die Arbeit, ihnen auch den dafür nötigen Raum zu ermöglichen: ein eigener Skatepark!

Den Erwachsenen zeig ich’s!

Es ist doch als Zuschauer immer mit einer gewissen Genugtuung verbunden, wenn in Filmen die Figuren gegen ein starres System aufbegehren und sich dabei am Ende gegen dieses durchsetzen. Gerade in Filmen, die sich an ein jüngeres Publikum richten, wird gerne mit dem Motiv gearbeitet, dass sich Kinder oder Jugendliche gegenüber den bevormundenden Erwachsen behaupten und es ihnen mal so richtig zeigen. Selbst bestimmen, wer man ist und was man mit seinem Leben anfangen will, das spielt in dem Alter natürlich immer eine wichtige Rolle. Dieser Freiheitskampf kann mal auf eine humorvolle Weise geschehen. Andere wählen eher die dramatische Ausrichtung, so auch Manjari Makijany, Regisseurin und Co-Autorin des indischen Netflix-Films Skater Girl.

Wobei es hier nicht nur um den Kampf jung gegen alt ist. Verbunden wird der mit einem anderen, der gerade in auf Traditionen pochenden Gesellschaften häufig anzutreffen ist: Mann gegen Frau. Dass der weibliche Teil der Bevölkerung in dem abgelegenen Dorf wenig zu sagen hat, das wird relativ bald klar gemacht. Wenn Prerna auf einem Skateboard steht und damit einen vermeintlichen Jungensport ausübt, dann empört das die älteren Herren, die in der Frau bevorzugt eine Küchenmagd sehen. Skater Girl ist damit ein durchaus feministisch geprägtes Coming-of-Age-Drama, bei dem es darum geht, dass sich jemand losgelöst von allen Erwartungen und überlieferten Rollenmustern entfalten kann.

Nur an der Oberfläche herumgefahren

So etwas ist natürlich immer sympathisch. Nur ist Sympathie nicht das einzige Qualitätsmerkmal eines Films. Da braucht es schon noch ein bisschen mehr. Und leider hapert es da ein wenig. Ein Knackpunkt ist beispielsweise, wie da zwei Leute von außen kommen und irgendwie unbegrenzt Zeit und Geld zu haben scheinen, um den Kindern ihre Träume zu erfüllen. Von der Großzügigkeit ganz zu schweigen. Skater Girl ist dann doch weniger daran interessiert, in Form eines Sozialdramas von den alltäglichen Bedingungen zu erzählen. Vielmehr hat das hier eine schon recht idealisierte, fast schon märchenhafte Anmutung. Eine positive Grundeinstellung ist zwar schön. Ein wenig sollte man sich dann aber doch an der Realität orientieren.

Aber selbst wer sich nicht an der etwas rührseligen Alles-wird-gut-Aufbruchsstimmung stört, diese vielleicht sogar gut findet, muss seine Ansprüche an den Inhalt zurückschrauben. Der Film verzichtet völlig darauf, die abgetretenen Pfade einer solchen Geschichte zu verlassen. Wie das alles ablaufen wird, weiß man hier schon, bevor es geschehen ist. Und auch bei den Figuren bemühte man sich so gar nicht, sie in irgendeiner Form interessant zu gestalten – was gerade bei einem Film, der eine individuelle Selbstfindung in den Vordergrund stellt, etwas enttäuschend ist. Damit ist Skater Girl ein zwar ordentliches Coming-of-Age-Drama, das mit einer charismatischen Hauptdarstellerin punktet. Das Szenario um Skateboard fahrende indische Dorfmädchen hatte aber mehr versprochen. Da hatte beispielsweise Das Mädchen Wadjda mehr zu bieten.

Credits

OT: „Skater Girl“
Land: Indien, USA
Jahr: 2021
Regie: Manjari Makijany
Drehbuch: Manjari Makijany, Vinati Makijany
Musik: Salim–Sulaiman
Kamera: Manjari Makijany, G. Monic Kumar, Alan Poon
Besetzung: Rachel Sanchita Gupta, Shafin Patel, Amrit Maghera, Jonathan Readwin, Waheeda Rehman

Bilder

Trailer

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Skater Girl
Wenn in „Skater Girl“ ein Mädchen in einem indischen Dorf das Skateboard für sich entdeckt, wird daraus ein im Grundsatz sympathisches Coming-of-Age-Drama. Trotz einer charismatischen Hauptdarstellerin ist der Film aber nichts Besonderes, da weder bei der Geschichte noch den Figuren sonderlich viel Wert auf Tiefgang gelegt wurde.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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