Mr Iglesias Netflix
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Mr. Iglesias – Staffel 1

Mr Iglesias Netflix
„Mr. Iglesias“ // Deutschland-Start: 21. Juni 2019 (Netflix)

Für Gabe Iglesias (Gabriel Iglesias) steht fest: Jeder Schüler und jede Schülerin ist es wert, dass man sich um ihn kümmert! Seine Kollegen sehen das ein wenig anders, manche freuen sich schon darauf, ein paar unliebsame Nichtsnutze loszuwerden. Doch der gut gelaunte Lehrer gibt nicht so leicht auf. Mit immer neuen und auch ungewöhnlichen Methoden schafft er es, seine Schäfchen zu motivieren und auch tatsächlich etwas beizubringen. Das Ziel: Sie alle sollen am Ende ihren Abschluss bekommen und auf das Leben da draußen vorbereitet werden. Was nicht ganz einfach ist, denn auch innerhalb der Klasse kommt es immer mal wieder zu Zoff.

Auch wenn Netflix natürlich in erster Linie ein profitorientiertes Unternehmen wie andere auch ist, man an so mancher Praxis auch etwas zweifeln darf, eines ist doch zumindest bemerkenswert: Es gibt unglaublich viele Produktionen, die sich gesellschaftlicher Themen annehmen und denen man tatsächlich glaubt, dass sie etwas verändern möchten. Und sei es nur, indem Dinge angesprochen und gezeigt werden. Dear White People, On My Block oder One Day at a Time, viele Serien stellen explizit Minderheiten in den Vordergrund, um auch ihr Leben einmal etwas dringend notwendige Aufmerksamkeit zu schenken.

Von der Realität sprechen
Mr. Iglesias geht zumindest zum Teil in eine ähnliche Richtung. Der Umgang mit Menschen einer anderen Hautfarbe wird beispielsweise aufgegriffen, wenn Mr. Iglesias von seinen eigenen Erfahrungen spricht. Interessant ist in dem Zusammenhang auch eine Folge, die sich mit der Frage befasst, welche Ausdrücke gestattet sind und welche Symbolik Namen bzw. Sprachen im Allgemeinen hat. Das betrifft neben den erwartbaren Ethnien die Geschlechterproblematik: Die Serie zeigt, wie Wörter nicht nur Realität abbilden, sondern diese auch schaffen, wenn männliche Begriffe immer als Oberbegriffe verwendet werden, Frauen höchstens implizit dabei sein dürfen.

Während diese sozialen Komponenten nur ab und zu mal ihren Weg in die Geschichte finden, zieht sich eine andere komplett durch die zehn Folgen der ersten Staffel: Wie unterrichtet man eigentlich Jugendliche? Was muss man tun, um ihnen eine Zukunft zu ermöglichen? Mr. Iglesias fährt dabei ein wenig zweigleisig. Einerseits werden im Unterricht konkret kleinere Tipps gegeben. Vor allem aber ist die Serie besagtes Plädoyer, dass man niemanden aufgeben sollte, appelliert daran, jeden einzelnen als wertvolles Individuum wahrzunehmen. Das ist ein bisschen wie in den diversen Schuldramen über soziale Brennpunkte – darunter Dangerous Minds, das auch ausdrücklich genannt wird.

Es soll gelacht werden
Der Unterschied: Die ernsten Themen werden hier heiter verpackt. Mr. Iglesias ist eine klassische Sitcom, ein wenig zu klassisch vielleicht. Die von Kevin Hench entwickelte Serie nutzt die üblichen Erkennungsmerkmale, welche diese Form der Unterhaltungssendung früher immer verwendet hat. Es sind mehrere Kameras aufgestellt, zwischen denen ständig gewechselt wird, dazu gibt es im Hintergrund die Lachspur, welche dem Publikum sagen soll, wann es lustig ist. Beides ist eigentlich aus der Mode gekommen, wird jedoch hier wie bei diversen anderen Netflix-Serien beibehalten. Wer mit den Sitcoms von früher aufgewachsen ist, wird es vermutlich gar nicht groß anders gewohnt sein und sich nicht daran stören. Einen Gefallen tut man sich mit dem Gelächter aus der Dose aber nicht, vor allem wenn es zum Einsatz kommt, wenn gerade nichts wirklich komisch ist.

Dabei ist Mr. Iglesias durchaus amüsant. Einige der Figuren sind recht überdreht, die jeweiligen Darsteller und Darstellerinnen gehen mit Spaß an die Sache – beispielsweise Sherri Shepherd als Rektorin mit Hang zum Zynismus. Andere sind hingegen eher langweilig. Auch bei den Gags sitzt nicht alles so, wie es sollte, zumal die Serie zu Wiederholungen neigt. Hierzulande wird die nette Serie um einen Lehrer mit einem großen Herzen, der aber auch ein paar Fehler haben darf, sicher nicht die ganz große Aufmerksamkeit erlangen. Dafür ist, besagte soziale Komponenten einmal außen vor gelassen, die Schul-Sitcom nicht wirklich prägnant genug. In den USA dürfte das schon ein bisschen besser laufen, da der hierzulande unbekannte Gabriel Iglesias als Stand-up-Comedian regelmäßig auftritt und Teile seiner Bühnen-Figur in seine Figur als Lehrer einfließen lässt. Fans wird es freuen, viele neue wird er aber wohl nicht hinzugewinnen.



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„Mr. Iglesias“ nimmt uns mit an eine High School, wo sich ein Lehrer mit großen Herz um Schüler und Schülerinnen kümmert, die auf der Strecke zu bleiben drohen. Das geht mit diversen sozialen Themen einher, ist im Grunde aber eine klassische Sitcom – mit mal mehr, mal weniger überzeugendem Ergebnis.
5
von 10